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COMIC!-JAHRBUCH 2017

Revolverhelden, Mutanten und Fernfahrer
Interview mit Bela Sobottke

Von Christian Endres


Noch bevor er lesen konnte, hat sich Bela Sobottke die Comics seines Bruders angesehen, darunter Klassiker wie «Asterix», «Tim und Struppi» und «Lucky Luke», der es ihm besonders angetan hatte. Später beeinflußten ihn Comickünstler wie Philippe Druillet, Kelley Jones, Matthias Schult-heiss und Frank Miller, Filmemacher wie Sam Raimi, George A. Romero oder Sergio Corbucci sowie die Trickfilmikone Ralph Bakshi. Mit Fünfzehn schrieb und zeichnete der 1975 geborene Sobottke erste Zombie-Onepager, jedoch überlebten seine harten Comics in der Schülerzeitung nicht allzu lange.

Heute lebt Sobottke als Diplom-Designer, Graphiker, Illustrator und Comickünstler in Berlin. In seinem Portfolio finden sich Comics wie der Serienkiller-Krimi «Knochen Jochen», das postapokalyptische Abenteuer «König Kobra» und die Spaghetti-Western-Hommagen «Krepier oder stirb» und «Keiner killt so schön wie Rocco».
Außerdem veröffentlicht Sobottke regelmäßig im Magazin U-Comix und in Publikationen außerhalb der Comic-Szene – im Sommer 2016 erschien so z. B. ein Sammelband mit allen Strips von «Utas Truckstop«, die fast 15 Jahre lang im Kundenmagazin On Tour des Tankkarten-Unternehmens UTA (Union Tank Eckstein GmbH & Co. KG) abgedruckt wurden.
Im Interview spricht Bela Sobottke über das Wörtchen Trash, heimelige Kleinverlage, das Wachstum des hiesigen Marktes, den Boom der deutschen Comic-Cons und Auftragscomics für comicferne Unternehmen.


COMIC!: Hallo Bela. Du bist Comickünstler, Illustrator und Graphikdesigner. Inwieweit profitieren deine Tätigkeiten und Talente im beruflichen Alltag voneinander?

Bela Sobottke: Als Graphiker ist es von Vorteil, wenn du zeichnen kannst – für die visuelle Vorstellungskraft ebenso wie für die ersten Layout-Skizzen, und für eventuell benötigte Illustrationen sowieso. Und für den Comiczeichner kann es nicht schaden, auch Graphik-Kenntnisse zu haben – für das Seitendesign, die Anordnung der Panels auf der Seite, für die Titelillustration und ihr Zusammenspiel mit Typographie, und natürlich für das Buchdesign. Bei einem «Graphiker-Comiczeichner» kommt alles aus einem Guß.

COMIC!: Wie viel vom «Comic-Bela» steckt in deinen Aufträgen als Graphiker, und mußt du dich manchmal bremsen beim Illustrieren ohne Panels und Sprechblasen?

Bela Sobottke: Das kommt darauf an. Wenn ich den Prospekt für einen Vertrieb von Laborkühlschränken mache, wird man den «Comic-Bela» am Broschüren-Layout oder den Kühlschrank-Fotos, die ich mühsam freigestellt habe, natürlich nicht erkennen – am Firmen-Maskottchen, einem gezeichneten Eisbären, hingegen schon. Klar muß man sich bei manchen Jobs zurückhalten und der Versuchung widerstehen, überall monströse Mutanten reinzuzeichnen ... Das fällt mir aber meistens nicht schwer und ist für mein Empfinden Teil des Handwerks. Jeder Kunde kriegt das, was er bestellt hat.

COMIC!: Wenn du einen neuen Comicband gestaltest und da dann auch das Layout übernimmst – schätzt du die Kontrolle, oder würdest du dich manchmal gern auch einzig auf die Comic-Seiten konzentrieren?

Bela Sobottke: Als Graphiker, der direkt für den Kunden arbeitet, und somit alles vom ersten Kundengespräch, über Skizzen, Entwurf, Layout, Reinzeichnung, bis zu Druckvorstufe und -auftrag übernimmt, habe ich mir angewöhnt, sehr exakt zu arbeiten. Über die Jahre habe ich mich dabei wohl zum Korinthenkacker und Kontrollfreak entwickelt – daher schätze ich es sehr, alles an meinen Comics selber im Griff zu haben. Das Ergebnis ist dann aber auch entsprechend 100 % Sobottke.

COMIC!: In den USA hat man in den letzten Jahren Koloristen und Letterern bewußt mehr Rampenlicht gegeben, da sie viel zur Wirkung eines Comics beitragen. Unterschätzt die Masse an Lesern und Kreativen gerne die Komponenten abseits von Skript und Artwork?

Bela Sobottke: Ja, das wird gerne unterschätzt. Wobei ich das dem Leser nicht zum Vorwurf machen will. Daß der Konsument nicht bei jedem Teilaspekt überlegt, wie gelungen oder passend der ausgefallen ist, liegt auf der Hand. Er wird aber schon merken, wenn das Gesamtwerk besonders rund und stimmig ist, auch wenn er nicht hinterfragt, warum das so ist. Und zu einem gelungenen Gesamteindruck zählen auch Kolorierung, Lettering und Buchdesign. Gerade Lettering und Buchdesign wird allerdings gerne mal von Kreativen und Verlegern stiefmütterlich behandelt. Dabei ist das die Glasur auf dem Kuchen!

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Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2017
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November 2016
Format: DIN A4
Umfang: 224 Seiten, davon 60 redaktionelle Farbseiten
Preis: EUR 15,25
ISBN 978–3–88834-947-8
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