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COMIC!-JAHRBUCH 2017

"Hey Klaus, hast du eine Idee für unser neues Album-Cover?"
Klaus Voormann erzählt in einem Comic, wie er vor 50 Jahren das Cover zum Beatles-Album "Revolver" gestaltete

Von Heiner Lünstedt


Seitdem sie ihre ersten internationalen Erfolge feierten, gibt es Comics über die Beatles. 
Bereits 1964 erschien beim US-Verlag Dell Publishing ein 64-seitiges Comicheft, das vorgab, die "Complete Life Stories" der Beatles zu erzählen. Parallel zur Entstehung des Zeichentrickfilms "Yellow Submarine" entstand bei Gold Key eine inhaltlich teilweise etwas abweichende Comic-Adaption. Auch nach ihrer Trennung lebten die Fab Four in den Comics weiter. 1978 brachte Stan Lee als Band 4 der Reihe Marvel Comics Super Special (nach Comics zur Band Kiss, zum Fantasy-Heroen Conan und zum Film "Unheimliche Begegnung der Dritten Art") einen Comic mit dem Titel "The Beatles Story" heraus. Das Heft wurde von den prominenten Superhelden-Zeichnern George Pérez ("Crisis on Infinite Earths") und Klaus Janson (Tusche für "Batman: The Dark Knight Returns") sehr ansprechend gestaltet.

Auch in den letzten Jahren geriet das Thema keineswegs in Vergessenheit, wobei auch das Umfeld der Beatles im Zentrum von gelungenen Comic-Erzählungen stand. Arne Bellstorfs "Baby’s in Black: The Story of Astrid Kirchherr and Stuart Sutcliffe" über die Hamburger Jahre oder die von Andrew C. Robinson opulent bebilderte Biographie "Der fünfte Beatle: Die Brian Epstein Story" sind gute Beispiele, aber nur die Spitze des Eisbergs. Doch erstmals bringt jetzt jemand, der mit den Beatles seit den Anfängen ihrer Karriere befreundet war, seine ganz persönlichen Erlebnisse mit den Fab Four zu Papier. Der als Graphiker und Musiker gleichermaßen erfolgreiche Klaus Voormann erinnert sich im Bildband "Birth of an icon – REVOLVER 50", der auch eine 32-seitige Comic-Erzählung enthält, daran, wie er vor 50 Jahren von John Lennon quasi aus heiterem Himmel damit beauftragt wurde, das Cover für eins der bekanntesten Alben der Beatles zu gestalten.
Doch begonnen hat alles bereits einige Jahre zuvor. An einem Herbstabend des Jahres 1960 spazierte der 22-jährige Graphikstudent Klaus Voormann nach einem Streit mit seiner Freundin Astrid Kirchherr ziellos durch die Straßen Hamburgs. Aus einem Kellerlokal auf der Reeperbahn hörte er "diese Musik, die mein Leben wurde". Er nahm allen Mut zusammen und betrat die Spelunke. Arne Bellstorf hat diesen Moment, als der junge Student leicht verängstigt in den Kaiserkeller hinunterging und von der Livemusik schwer fasziniert war, auch nach Meinung von Voormann sehr gut in seinem Comic "Baby’s in Black" eingefangen. In der für ihn völlig ungewohnten und von finsteren Gestalten bevölkerten Umgebung erlebte Voormann, wie John sich "seinen Lebensfrust aus dem Leib schrie", und Paul "wie ein Gummiball" herumhüpfte.
Voormann überredete nach diesem Abend seine Freunde, mit in den Kaiserkeller zu kommen. Auch ihnen gefiel "diese lebensbejahende Energie und Fröhlichkeit" der Band aus Liverpool. Voormanns Freundin Astrid hingegen gefiel ganz besonders der als Bassist nicht sonderlich talentierte Stu Sutcliffe, doch das ist eine andere Geschichte. Eines Tages faßte Voormann Mut und nahm
Kontakt zu den Beatles auf. Er ging direkt auf John Lennon zu und zeigte ihm eine Illustration, die er für ein Plattencover zu "Walk Don’t Run" von den Ventures angefertigt hatte. Lennon befand die Zeichnung als "not bad", verwies Voormann jedoch an seinen Kumpel Stu, da dieser "der Kunstheini" der Band war. Sechs Jahre später sollte es dann John Lennon sein, der sich wegen eines LP-Covers an Voormann wandte.
Voormann hielt in den nächsten Jahren Kontakt zu den Beatles, was dadurch erleichtert wurde, daß er
1964 nach London zog, wo er sich für eine Weile eine Wohnung mit George und Ringo teilte. Nachdem er als Graphiker gearbeitet hatte, spielte er als Bassist und Flötist bei Manfred Mann. Auch für Lou Reed, Carly Simon, James Taylor, Harry Nilsson und Solo-Projekte von John, George und Ringo spielte er den Baß. 1966, nachdem er sich eigentlich schon von seiner Tätigkeit als Graphiker verabschiedet hatte und gerade in der Badewanne saß, erhielt Klaus Voormann urplötzlich einen Anruf von John Lennon. Dieser fragte ihn ganz direkt: "Hey Klaus, hast du eine Idee für unser neues Album-Cover?"
Klaus hatte – nachdem sich die erste Aufregung legte – und schrieb bzw. zeichnete mit seiner Grammy-prämierten Collage auf dem Cover von "Revolver" ein Stück Rock-Geschichte. Das lag ganz sicher auch daran, daß sich sein schwarzweißes, in klaren Linien gezeichnetes, Motiv von der damals vorherrschenden knallbunten psychedelischen Farbgebung abhob.
Nachdem Voormann bereits 2003 die Entstehungsgeschichte des Covers zu einem als Druck erhältlichen Kurzcomic verarbeitet hatte, folgt zum 50. Jubiläum des legendären Beatles-Albums eine 32-seitige Comicerzählung. Ähnlich wie ein halbes Jahrhundert zuvor beim Beatles-Cover dauert es auch diesmal eine ganze Weile,
bis der in vielen verschiedenen Stilen zeichnende Voormann den richtigen Look gefunden hatte. Eine große Hilfe war der Comiczeichner Thomas von Kummant ("Die Chronik der Unsterblichen", "Gung Ho"), der vorschlug, den Comic ähnlich wie das Storyboard für einen Film zu erzählen. Der ohnehin schon unter Zeitdruck stehende Voormann verwarf daraufhin einige bereits in einem detaillierteren Stil erstellte Seiten und brachte die Geschichte in eher skizzenhaften Bildern zu Papier.

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Links zum Artikel

Website von Klaus Voormann
Revolver (Wikipedia)
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November 2016
Format: DIN A4
Umfang: 224 Seiten, davon 60 redaktionelle Farbseiten
Preis: EUR 15,25
ISBN 978–3–88834-947-8
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