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COMIC!-JAHRBUCH 2016

«Man muß vielleicht auch ein Stück weit Schauspieler sein»
Interview mit Sebastian Krüger

von Stefan Svik


Sebastian Krüger, Jahrgang 1963, widmet sich seit über 25 Jahren den Ikonen der Popkultur. Mit drei Jahren fing er an zu malen und zu zeichnen, von Comics über Karikaturen für Stern und Rolling Stone bis zu Plattencovern, etwa für BAP und Slash. Heute ist er vor allem Maler, seinen Stil nennt er Poprealismus, seine Bilder wirken oft wie Fotos, damit erzielt er mitunter so treffende Ergebnisse, daß ihn Keith Richards als Doktor Frankenstein bezeichnet und der Regisseur von «Sin City 2», Robert Rodriguez, als Bruder im Geiste sieht und das Vorwort für Krügers aktuellen Bildband «Face2Face» verfaßte. Ein interessanter Blick des bildendenden Künstlers Sebastian Krüger auf die Verbindung von Musik und Bildern, in Comics und anderen Kunstformen.

Online findet sich das ungekürzte Interview auf der ICOM-Website (siehe Linkliste www.comic-i.com/Jahrbuch16.html).

COMIC!: Lieber Sebastian, Musik in Bildern umzusetzen gilt als eher schwierig. Siehst du das auch so?

Sebastian Krüger: Das kommt darauf an, was du damit meinst: die Geschichte der Musik oder wie sich Musik überhaupt anfühlt. Wie fühlt man Musik? Das sehe ich schon als Herausforderung an. Wie empfinde ich Musik? Das hat mich immer interessiert. Ich kann selber leider kein Instrument spielen. Also habe ich immer irgendwie versucht, das optisch umzusetzen.

COMIC!: In »Face2Face» schreibst du, daß du zu gut 70 Prozent Auftragsarbeiten malst, die dir selbst gefallen müssen. Du würdest gerne öfter Hintergründe zeichnen, gefordert wird aber meist nur das Gesicht der prominenten Ikonen, meist sind es Schauspieler und Musiker. Wie würdest du folgenden Auftrag ausführen? Zeichne die Musik der Rolling Stones, ohne einen Musiker der Band darzustellen.

Sebastian Krüger: Da muß man natürlich die Fans nehmen. Und eventuell noch ein Stück von der Bühne, vielleicht einen Marshall-Turm. Ein paar Gitarren, die hinten noch rumstehen. Aschenbecher. Früher lag bei den Stones ja noch alles mögliche andere auf den Boxen. Das würde ich zum Beispiel nehmen, alles was man damit verbindet. Eine hoch gestreckte Hand, irgendwas in dieser Richtung. Das haben ja auch einige Fotographen schon gemacht, daß sie einfach nur das Publikum von AC/DC aufgenommen haben. Man kann anhand der Zuschauer wirklich sehen: Das können nur AC/DC sein, die da gerade spielen!

COMIC!: Gab es denn solche Aufträge schon, den eigenen Star nicht direkt zu zeigen, sondern die Stimmung seiner Musik?

Sebastian Krüger: Sagen wir mal so: Es gab einen Kunden, der wollte nur die Hände von Keith Richards haben. Da kommen wir der Sache vielleicht schon ein bißchen näher. Hände verraten ja auch schon vieles, aber es ist eben nicht das Gesicht. Jeder der darauf guckt, weiß sofort, wer das ist.

COMIC!: Du sagst, daß du AC/DC anhand ihres Publikums erkennen kannst. Liegt das daran, daß du dich lange damit beschäftigt hast? Und ist es auch möglich Musik, die man noch nicht gehört hat, über Bilder zu entdecken?

Sebastian Krüger: Die Fans verraten das, bei AC/DC haben sie enge Jeansjacken an und damals hatten alle die Frisur von Bon Scott. Haben natürlich hin und wieder Jacken, auf denen AC/DC draufsteht. Ich sah dieses Foto in irgendeinem Musikband und dachte: Besser kann man es eigentlich nicht auf den Punkt bringen. Die Action ist drin, weil alle machen mit. Alle haben den Mund auf, sind begeistert und recken die Fäuste. Man hört und sieht genau das, was auf der Bühne abgeht. Andererseits muß man, um so arbeiten zu können, ein Publikum haben, daß eine gewisse Vorgeschichte kennt. Man braucht also wirklich Experten. So etwas könnte ich nicht meiner Mutter verklickern, die würde sagen: «Ja, sind ein paar Langhaarige».

COMIC!: Du bezeichnest deine Arbeit im Atelier als intim und freust dich darüber, daß du dort in Ruhe eine Tasse Tee trinken kannst. Hörst du beim Malen Musik und woher kommt diese, vielleicht klischeehafte, Verbindung vom Musikhören und dem Malen und Zeichnen?

Sebastian Krüger: Beim Zeichnen höre ich weniger, beim Malen schon. Heute bin ich wieder am Malen auf große Leinwände. Beim Zeichnen muß ich oft umswitchen, vom großen Format, von dicken Pinseln, von klebriger Farbe auf filigrane, kleine Stifte. Da brauche ich eine ganz andere Konzentration. Bei meiner Hauptarbeit, dem Malen, höre ich gerne Musik.

COMIC!: Und das muß dann die Musik sein, von demjenigen, den du gerade malst?

Sebastian Krüger: Nein, überhaupt nicht. Als ich Iggy Pop gemalt habe, habe ich sehr gerne die Stooges gehört. Das hat in seinem Fall wirklich richtig geholfen.

COMIC!: Kannst du dich durch Musik gezielt in eine Stimmung versetzen, und hast du Lust die Stimmung und Ideen, die du durch Musik bekommst, zeichnerisch umzusetzen?

Sebastian Krüger: Eigentlich nicht. Die Ideen kommen eigentlich völlig nüchtern, beim Spazierengehen, beim Durchblättern einer Fernsehzeitung beispielsweise oder wenn ich in einem Musikmagazin irgendwas sehe, was mich anspringt.

COMIC!: Du hast auch Plattencover gemalt, etwa von BAP. Von wem noch?

Sebastian Krüger: Fangen wir mal oben an. Slash. Das ist allerdings schon 15 Jahre her. Ich habe ihn gerade erst wieder getroffen, wir sind seitdem tatsächlich miteinander befreundet. Der hat großes Interesse, er kauft auch demnächst ein Bild. Er interessiert sich sehr für Comics und Film, das geht immer Hand in Hand. Für BAP habe ich zwei Cover gemacht, eines für Manfred Krug und für diverse deutsche Metal-Bands, die bei SPV verlegt wurden: Sodom, Destruction, für Tankard habe ich ganz viel gemacht, das war schon fast eine Serie.

COMIC!: Täuscht der Eindruck oder besteht besonders zwischen Metal-Bands und Zeichnungen und Bildern eine sehr starke Verbindung, Iron Maiden, Metallica und andere mit ihren gezeichneten Covern, T-Shirts, Postern?

Sebastian Krüger: Das ist Popkultur.

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Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2016

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Dezember 2015
Format: DIN A4
Umfang: 264 Seiten, davon 24 redaktionelle Farbseiten
Preis: EUR 15,25
ISBN 978–3–88834-946-1
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