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COMIC!-JAHRBUCH 2015

Herausragendes Szenario:
«Die Schönheit des Scheiterns» von Andreas Eikenroth

Interview von Gerhard Schlegel

«Die Nische zwischen Superhelden, Schwertschwingern, Westernund Weltraumabenteuern ist im Comickosmos verhältnismäßig klein. Aber in dieser Nische findet das echte Leben statt. Oder zumindest das, was danach aussieht. Und daß das nicht unbeding in tragischer Selbstreferenzialität enden muß, hat Andreas Eikenroth mit «Die Schönheit des Scheiterns» bewiesen. Ein Stück Leben, von dem man nicht weiß, ob es nun komplett ausgedacht ist oder biographische Züge hat, was aber auch egal ist. Es ist ein Stück Leben, wie es sein könnte ...»

COMIC!: Du hast den ICOM-Preis für das herausragende Szenario 2014 gewonnen. Hast du die 300 € g Preisgeld sinnvoll angelegt? Aktien, Gold, Immobilien?

Andreas Eikenroth: Ziemlich sinnvoll ... Die Kohle blieb komplett in Erlangen und wurde vor Ort umgesetzt. Der eine Teil wurde in Comics angelegt, und der Rest mit den Zech- und Zeichenkumpels im «Schwarzen Ritter» durchgebracht.

COMIC!: Vor der «Schönheit des Scheiterns» hast du
ja auch schon ’ne ganze Menge Comix gemacht.THE KAINSMAL, »Chez Kiosk», «Soviel Warum», «Hotte & Bolle», Gastauftritte in MOGA MOBO, «Panik Elektro», «Tentakel» und PANEL Nr. 23–27, Strips in verschiedenen Zeitungen und Illustrierten und dann noch das Zeichnerkollektiv «PonyXpress» mit Sarah, Ans und Spong. Dann natürlich noch dein Blog parole-ae.blog spot.de mit «Gelle, Gießen» und allem was du sonst noch aktuell machst. Wie bist du damals dazugekommen?

Andreas Eikenroth: Naja, mit THE KAINSMAL fing
das ja alles an. Da in der Provinz das Comicangebot recht überschaubar war, kam ich mit einigen Freunden auf die Idee, einfach selber ein Heft herauszubringen, anstatt nur für die Schublade zu zeichnen. Das KAINSMAL war ein Comic-Gratismagazin, welches ich mit H-Nu Ludwig, Greg und Reiner Engel in den 90ern im Mittelhessischen gemacht habe. Das ganze hatte auch ’ne ganz gute Auflage, und wir waren alle hochmotiviert. Vier Ausgaben sollte es pro Jahr geben! Das hat natürlich nicht geklappt, und letztendlich kamen wir im Schnitt auf ein Heft pro Jahr. Aber mit unseren Heftchen fuhren wir auch immer zum Erlanger Comic-Salon, um sie unters Volk zu bringen, und dort entstand dann auch so nach und nach der Kontakt zur restlichen deutschen Comicszene. Und früher oder später hatte ich dann in fast jeden Fanzine den ein oder anderen Comic mit drin. Und dann kam eben auch das Bedürfnis, eigene Hefte zu machen, von den Strips über One-Pager, hin zu Kurzgeschichten bis eben zum kompletten Album ... Vermutlich der ganz normale Comic-Werdegang.

COMIC!: Wie bist du bei dem Szenario von «Die Schönheit des Scheiterns» vorgegangen, mir hat jemand gesagt, du hättest es zweimal gezeichnet.

Andreas Eikenroth: Ich hatte die ersten 40 Seiten schon fertig, da kam mir ein anderes Projekt dazwischen. Und als ich knapp ein Jahr später wieder weitermachen wollte, gefielen mir die Seiten nicht mehr. Also hab ich nochmal von vorne losgelegt. Ansonsten war mir bei dem Szenario wichtig, daß Anfang, Mitte und Ende stehen. Vieles vom Rest ist dann während des Zeichnens dazugekommen. Aber das ist wohl auch die übliche Herangehensweise bei allen längeren Geschichten. Das Grundgerüst muß stehen, natürlich habe ich auch ein Storyboard, aber trotzdem kann sich die Geschichte immer noch ein bißchen ändern, während ich daran arbeite.

COMIC!: In dem Band steckt offensichtlich einiges Autobiographisches, aber es ist nicht dein Leben, oder?

Andreas Eikenroth: 100% Autobiographisches ist auch meist 100% Langweiliges, sofern man nicht gerade Che Guevara oder Alexander von Humboldt ist ... Das Mischverhältnis in der Geschichte ist wohl so ziemlich gedrittelt: ein Drittel Autobiographisches, ein Drittel von Freunden erlebte Abenteuer und ein Drittel frei erstunken und erlogen. Aber was jetzt was ist, das kann jeder für sich selbst aussuchen.

COMIC!: Das Jury-Mitglied Harald Havas sagte bei der ?
reisverleihung, daß es in Deutschland sehr viele tolle Zeichner gibt, aber vielen fehlt es an Inhalt. Diese Bemerkung sehe ich ähnlich und da ich ja ebenfalls in der Jury saß, weiß ich, daß sie nicht dir galt, sondern dem Großteil der anderen Einreichungen. Siehst du das auch so? Machen es sich die Zeichner zu leicht und sollten sie sich lieber einen Szenaristen suchen oder entsprechend mehr Arbeit in den Text stecken? Wie ist bei dir das Arbeits-Zeitverhältnis von Text vorbereiten und schreiben zum reinen Zeichnen?

Andreas Eikenroth: Ich finde, seit ’ner ganzen Weile !
gibt es sehr begnadete Zeichner in Deutschland. Vielleicht auch, weil es mittlerweile beliebt ist, als Graphikdesigner seine Abschlußarbeit als Comic einzureichen. Aber leider kommen dann oft die Inhalte zu kurz, weil nun mal ein toller Zeichner nicht unbedingt auch ein begnadeter Erzähler sein muß. Meiner Meinung nach würde es eine Menge helfen, wenn sich hierzulande öfters Zeichner und Szenarist zusammensetzen würden. Doch ich hab’ das Gefühl, daß die meisten Zeichner lieber alles alleine stemmen wollen. Aber genauso, wie man Zeichnen lernen kann, kann man auch das Schreiben lernen. Und genau wie beim Zeichnen gibt es im Erzählerischen Naturtalente, denen die Story in den Schoß fällt, und die anderen, die erst ordentlich ins Schwitzen geraten müssen, bevor sie was Vernünftiges abliefern können. Bei mir läuft es meist so ab, daß ich recht schnell ein Grundgerüst für eine Story habe und die dann nach und nach mit Gags, Dramen und Pointen fülle. Aber für das Zeichnen brauche ich eindeutig am längsten. Wie ich oben schon sagte: Hauptsache ist, daß die Grundstruktur steht. Aber wenn ich mir dann Serien wie «Lost» anschaue, staune ich, daß da nicht mal bei millionenschweren TV-Serien besonders drauf geachtet wird.

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