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COMIC!-JAHRBUCH 2014

Kurt-Schalker-Preis:
"Schlogger" von Johanna Baumann


Interview von Felix Görmann


Johanna Baumann betreibt seit gut zwei Jahren das Comic-Blog www.schlogger.de, das sie wöchentlich mit kurzen autobiographischen Comicstrips füllt. Die 27jährige Freiburgerin studiert zwar eigentlich Informatik und BWL, was sie aber nicht davon abgehalten hat, als Bachelorarbeit einen Comic abzuliefern. Dafür hat Baumann erst Interviews mit Freunden und Bekannten über ihren individuellen Umgang mit dem Ende von Liebesbeziehungen geführt und diese dann aufgezeichnet. Unter dem Titel "danach" sind die Episoden gesammelt als Buch 2012 bei Panini veröffentlicht worden. Johanna Baumann ist zeichnerische Autodidaktin, ihre Comics und Illustrationen entstehen ausschließlich digital. Für ihren Blog hat sie 2013 das "Lebensfenster – Kurt-Schalker-Preis für graphisches Blogen" gewonnen.


COMIC!: Wie war’s für dich auf der Lebensfenster-Preisverleihung 2013?

Johanna Baumann: Ich war SEHR aufgeregt, denn der Preis war mir sehr wichtig. Er wäre ja ein erstes, großes, offizielles Lob für meine Webcomicreihe "Gehirnfürze", und die Konkurrenz auf der Shortlist war echt sehr gut. Als dann mein Name fiel, bin ich ein paar Sekunden wie in Trance auf die Bühne und der Rest war dann Dauergrinsen. Ach, ich hab auch noch eine Dankesrede gehalten; ich glaube, ich hab einfach mal allen gedankt, weil ich da grade ohnehin nicht klar denken konnte. Daß es Geld zu gewinnen gab, hab ich erst auf der Bühne erfahren und mich noch ein bißchen mehr gefreut.

COMIC!: Kannst du in wenigen Worten noch einmal beschreiben, worum es dir bei deinen "Gehirnfürzen" geht?

Johanna Baumann: Es geht mir darum, daß die Idee hinter meinen Comics und Illustrationen meistens nur eine minimal kleine Inspiration war. Die mir aber aus irgendeinem Grund so gut gefällt, daß ich sie einfach zeichnen muß. Wie ein Furz des Gehirns: Spontan, aus dem Nichts und unkontrollierbar ausbrechend. Sinn? Egal!

COMIC!: Zeichnest du wirklich jeden Tag?

Johanna Baumann: Ich habe fast jeden Tag etwas zu zeichnen auf meiner ToDo-Liste. Das kann ein Auftrag sein, etwas fürs Studium, ein Geschenk oder einfach eine Idee, die aus meinem Kopf muß. Vielleicht ist das Gefühl, etwas zu erschaffen, auch eine Sucht, die man nicht loswird?
Andererseits kann ich beispielsweise auf Reisen auch einfach abschalten und gar nicht zeichnen. Dafür sammeln sich für danach umso mehr Ideen an.

COMIC!: Apropos danach: Warum ist ein guter (auto-)biographischer Comic fiktiv?

Johanna Baumann: Vielleicht, weil es der Realität hin und wieder gut tut, übersteigert zu werden. Ansonsten würde ich das so nicht sagen. In "danach" habe ich verschiedene, wahre Geschichten gemischt, ohne fiktiv zu arbeiten. Bei meinen oft teils autobiographischen Webcomics ist es vielleicht auch eine Art Schutz, nicht alles von sich offen zu legen.

COMIC!: Ist "Graphic Novel" ein scheußlicher Begriff?

Johanna Baumann: Das Wort selbst ist eigentlich schön, finde ich. Aber die Definition von vielen Menschen ist tatsächlich scheußlich: "Hier steht 'Graphic Novel' drauf, das darfst auch du als Intellektueller lesen. obwohl es ein Comic ist." Und weil das funktioniert, steht es als verkaufsförderndes Instrument auch auf Comics drauf, die eigentlich keine Graphic Novels sind. Und bleibt als Verhöhnung des Mediums Comic.
Mein Comic "danach" ist für mich auch keine "Graphic Novel", obwohl es so gelabelt wird. Als ich die Bachelorarbeit abgegeben habe, habe ich dazu "Graphic Anthology" gesagt, weil es eben nur eine Sammlung von (auto-)biographischen Geschichten zu einem Thema ist. Und kein abgeschlossener Bilder-Roman.

COMIC!: Was lernt man als 27jährige Zeichnerin, wenn man angehende Masterin of Science ist?

Johanna Baumann: In meinem Master-Studium habe ich eigentlich nur Informatik und ein bißchen BWL gelernt. Die Gestaltungsfächer waren so frei angelegt, daß man da machen konnte, was man wollte, z.B. "Erstelle eine multimediale Website." Ich habe mir das Zeichnen selbst beigebracht und daher versucht, es im Studium so oft wie möglich einzusetzen. Wenn es irgendwas zu zeichnen gab, hab ich das gemacht: "Wer gestaltet die Plakate?" – "Hier, ich!" – "Wer möchte als Masterarbeit einen Comic zeichnen?" -"Hier, iiihiiich!!!". Oder so ähnlich.

COMIC!: Wie kommt die Zeichnerin an ihre Geschichten?

Johanna Baumann: Die "Gehirnfürze" sind eine Mischung aus autobiographischem und weitergesponnenem Quatsch. Meine längeren Geschichten entstehen meistens entweder aus einem Gedanken, bei dem ich möchte, daß er mit der Welt geteilt wird, oder aus etwas, das ich unbedingt zeichnen will.
Bei "danach" wollte ich unbedingt festhalten, daß die Zeit nach einer Trennung vorbei geht und daß jede Art damit umzugehen okay ist. Auch für mich selbst, sollte mir das mal wieder passieren.

COMIC!: Kalauer: "Sofort einen Comic draus machen!" oder "Lieber Finger weg, weil zu billig!"?

Johanna Baumann: Sofort einen Comic draus machen! Als Sprachwissenschaftlerin (Übersetzung: Als billige Wortspiele-Liebhaberin) zeichne ich jeden dummen Kalauer mit größter Freude.
Da finde ich andere Sachen billiger.

Auf den Geschmack gekommen?
Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2014
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