Lektüre
 Independent Comic Shop   ICOM-Publikationen   Kostenlos   Fachmagazine   Sekundärliteratur 
Das COMIC!-Jahrbuch | Das ICOM!-Handbuch | Der ICOM!-Ratgeber
FILMRISS | Das verbandseigene Fachmagazin
COMIC!-JAHRBUCH 2014

Strich für Strich
Interview mit Norbert Höveler


Von Burkhard Ihme und Frank Plein


COMIC!: Anfang der 80er Jahre bist du einer breiteren Öffentlichkeit durch die Comic-Serie "Cafe Cash-mir" bekannt geworden. Wie kam es zu dieser Veröffentlichung?

Norbert Höveler: Die 80er waren ja irgendwie so eine Umbruchzeit, In der Musik gab’s die Neue Deutsche Welle, in der Kunst gingen grad von der Düsseldorfer Kunstakademie die "Jungen Wilden" aus, und in der Mode!!! ... Oh Schreck! Wir trugen grauselige Klamotten in schreiend bunten Farben!! Die Werbebranche boomte, und man traf sich, auch mal ein Gläschen Schampus schlürfend, in selbsternannten "Szene-Cafés" ... (lacht) Ich hab Graphik und Design studiert, ging vormittags zur Uni und machte nachmittags in einer Werbeagentur Illustrationen. "Schickimicki" war damals so ein Thema, und so wurde von einigen Werbern irgendwie bei einigen Altbierchen die Idee geboren, darüber einen Comic zu machen, Einen Autor (Art Director) und einen (Werbe-)Texter gab es schon, und ich als damaliger Werbe-Illustrator geriet durch Zufall über persönliche Kontakte zu der Truppe. Damals haben wir auch vom "Werner"-Hype profitiert. Comics wurden plötzlich beachtet, und die Öffentlichkeit erkannte, daß es auch noch was anderes gab als "Asterix".
Der Zeichenstil sollte unbedingt "ligne claire" sein, womit ich anfangs meine Schwierigkeiten hatte, da ich selber lieber "schnell" zeichne und viel zu ungeduldig bin. Man muß sich mal den Aufwand zu der damaligen Zeit vorstellen; nix Computer, nix Internet, Fotos als Vorlagen mußten selber gemacht und umständlich entwickelt werden, oder man verbrachte Vormittage in der Bücherei, tonnenweise Bücher sichten und ausleihen, Autos z. B. wurden nach Modellen gezeichnet, und für Kopien ging’s in den Copyshop usw.
Ich habe alles (in der Fläche gerechnet) in vierfacher Größe angelegt, so wie die klassischen frankobelgischen Comics damals. Ich habe erst mit der Reinzeichnung begonnen, als alles durchgescribblelt war, als Scribble ist eine Seite in DIN A4. Die Größe der Textblasen mit dem Texter abgestimmt, alles mit Bleistift vorgezeichnet und mit verschiedenen Filzern "getuscht", ab und zu als Kopie verkleinert, um zu sehen, wie es nachher in Druckgröße "kommt". Alles eine Wahnsinnsarbeit, pro Comicalbum ca. drei Monate. Natürlich hat’s auch eine Menge Spaß gemacht, aber in der Reinzeichnungs-Phase gab’s kaum Freizeit, und das alles neben Studium und Jobs.

COMIC!: Wie hoch war die Auflage und über welche Kanäle wurde sie vertrieben?

Norbert Höveler: Wir hatten anfangs einen Sponsor, einen Börsianer, der bei einem Vabanquespiel eine große Summe gewonnen hatte und nun das Kapital in allerlei künstlerische Projekte steckte – an dieser Stelle muß ich mal erwähnen, daß er seinen Einsatz in unser Projekt mit gutem Gewinn zurück erhalten hat!
Wir konnten mit diesem Startkapital eine höhere fünfstellige Auflage in Belgien drucken lassen. Alle damals gängigen Kanäle wurden also mit ausreichend Exemplaren versorgt, richtige Comicläden gabs – zumindest in Düsseldorf – noch nicht, also lief es meist über den sogenannten Bahnhofsbuchhandel, aber auch die normalen Buchläden und größere Kioske verkauften unsere Comics. Unterstützt wurde der Verkauf durch eine wahnsinnig gute Presse. Wir haben immer alle Printmedien mit Presse-Mitteilungen versorgt, und die haben sich dann nachher von selbst immer wieder auf uns gestürzt. Später gab’s dann auch Radio-Interviews und TV-Berichte, und wir wurden in eine Gameshow mit dem damals noch recht unbekannten Günther Jauch eingeladen. "Schickimicki" blieb noch lange Zeit ein Thema, im Fernsehen lief "Kir Royal", "Leo’s Magazin" berichtete aus der Schwabinger Szene und zitierte uns mit Texten und Comicmotiven aus den Heften ... Ok, so waren halt die 80er!
Um das Ganze abzukürzen: Es gibt vier farbige Bände, Band 5 erschien dann in der Scribble-Version, in schwarzweiß im Hardcover. Die Reinzeichnungen zu Band 5 sind komplett fertiggestellt, wurden aber nie veröffentlicht, da es da schon zum Bruch kam. Wir haben mit "Café Cash-mir" richtig Geld verdient, aber mit dem Geld kommt leider oft der Streit.
Richtig gut verdient haben wir neben den Comic-Alben auch mit dem Abdruck von Strips in teils größeren Publikationen wie QUICK oder AutoBILD, dazu gab’s Aufträge aus der Werbung und letztendlich dann natürlich unser eigenes Mode-Label. Sweatshirts, T-Shirts, Boxershorts mit "Café Cash-mir"-Motiven wurden europaweit vertrieben, u. a. wurden unsere Klamotten im ZDF-"Fernsehgarten" vorgeführt, und es gab einen riesen "Café Cash-mir"-Messestand auf der Modemesse in Köln.

COMIC!: Farbe war in den 80er Jahren teuer und aufwendig. Hast du selber koloriert und mit welcher Technik?

Norbert Höveler: Bei "Café Cash-mir" Nr 1 sind wir noch folgendermaßen vorgegangen: Die Seite war ja in vierfacher Größe angelegt, also beim endgültigen DIN-A4-Druckformat war die halbe Seite A3 groß, diese haben wir dann in blau auf Zeichenkarton drucken lassen und mit Acryl (damals: Tempera oder Gouache) oder auch in Ecoline (Eiweißlasurfarben) koloriert.
Anfangs habe ich dazu ein Team von ca. 10 Leuten, bestehend aus Kommilitonen und Freunden, zusammengestellt, und wir haben alle an einem Riesentisch in meinem Souterrain-Mini-Appartement in meinem Elternhaus gehockt. Das hat viel Spaß gemacht, weil wir mittags dort alle gemeinsam gekocht und gegessen haben.

Auf den Geschmack gekommen?
Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2014
Links zum Artikel

Norbert Höveler
Übersicht der Linklisten
  Alle Jahrbücher
Comic Jahrbuch 2014
Comic Jahrbuch 2013
Comic Jahrbuch 2012
Comic Jahrbuch 2011
Comic Jahrbuch 2010
Comic Jahrbuch 2009
Comic Jahrbuch 2008
Comic Jahrbuch 2007
Comic Jahrbuch 2006
Comic Jahrbuch 2005
Comic Jahrbuch 2004
Comic Jahrbuch 2003
Comic Jahrbuch 2001
Comic Jahrbuch 2000
COMIC!-Jahrbuch 2014
Burkhard Ihme (Hrsg.)
November 2013
248Seiten, davon 26 redaktionelle Farbseiten
EUR 15,25
BESTELLEN