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COMIC!-JAHRBUCH 2014

Die zweitgrößte Comicsammlung Europas
Interview mit dem Schweizer Comicexperten Cuno Affolter


Von Burkhard Ihmeund Bernd Dolle-Weinkauff


COMIC!: Cuno, du warst in den 90er Jahren auch in Deutschland sehr präsent: Mit dem Katalog zur Ausstellung "Mit Picasso macht man Kasso" (zusammen mit Urs Hangartner und Martin Heller), Mitarbeit in der Max-und-Moritz-Jury und Moderator der Preisverleihung (die Chuzpe, überlange Lobhudeleien einfach in die Luft zu werfen, hätte ich den Präsentatoren unseres ICOM-Preises 2003 gewünscht, als das völlig aus dem Ruder lief) und Organisator des Hamburger Comicsalons 1993. Viele deiner zahlreichen Aktivitäten sind aber wohl gar nicht erst zu uns durchgedrungen. Kannst du meine kurze Aufzählung etwas ergänzen?

Cuno Affolter: Ich bin seit über 35 Jahren als professioneller Comic-Experte tätig. Zusammen mit meinen COMIXENE-Freunden, Andreas C. Knigge, René Lehner, Hartmut Becker, Achim Schnurrer und Paul Derouet, gehöre ich also zu den Pionieren. Über 20 Jahre bin ich selbständig gewesen und wohl der einzige im deutschsprachigen Raum, der als professioneller Kritiker, Ausstellungsmacher, Comic-Journalist, Lehrer an Kunstschulen und von Vorträgen gelebt hat. Das war eine tolle Zeit, allerdings in finanzieller Hinsicht sehr schwierig. Ich habe da immer am Existenzminimum gelebt, denn die Bezahlung und die Seriosität gewisser Leute war nicht gerade vorbildlich. Ich habe unglaublich viele Sachen gemacht, natürlich auch, um zu überleben. In der Schweiz bin ich bekannt, weil ich oft im Radio zu hören war, und wenn das Fernsehen einen Comic-Experten brauchte, haben sie auf mich zurückgriffen. Auch heute noch werde
ich oft von den Medien angefragt, wenn ein Jubiläum oder ein Todesfall etc. eintrifft. Von 1983 bis 2001 hatte ich beim öffentlich-rechtlichen Schweizer Radiosender DRS 3 einmal pro Woche in der Sendung "Sounds" meine regelmäßige Sendung über Comics. Ich denke nicht, daß es so etwas in dieser Zeit in Deutschland gegeben hat. Dort haben sie mir den Spitznamen "Cuno Comics" gegeben. Noch heute werde ich oft auf diese Sendung angesprochen, weil wir Comic-Hörspiele, viele Running Gags und Klamauk gemacht haben. Das war eine tolle Zeit, denn das Medium Radio hatte damals viele Freiheiten. Dazu kommt, daß die Sendung "Sounds" Kult-Charakter hatte, jeder kannte die Sendung, denn die Moderatoren, mit denen ich arbeitete, waren sehr gut. Dieser Sendung habe ich sehr viel zu verdanken, denn ich wurde dadurch bekannt, und wenn jemand – etwa eine Schule – etwas über Comics machte, wurde ich angefragt. À propos Schulen: Ich habe an vielen Kunstschulen in der Schweiz Workshops über Comics gegeben, vor allem in Luzern, Basel und Zürich. Das gab es vorher noch nie, und viele heutige Comic-Zeichner sind durch meine Kurse auf den Geschmack an Comics gekommen. Kurse und Workshops gebe ich immer noch ab und zu, wenn ich Zeit habe. Ich liebe den Kontakt mit den Schülern und versuche, den Unterricht witzig zu gestalten und interessante Themen zu finden. Lernen muß Spaß machen, deshalb wird auch viel gelacht. Zur Zeit gebe ich besonders an der Comic-Schule EPAC (der von Grzergorz Rosinski gegründeten Fachhochschule für Gegenwartskunst, École Professionnelle des Arts Contemporains) im Kanton Wallis ab und zu einen Workshop, der immer eine ganze Woche dauert. Das letzte Mal hat jeder Schüler ein eigenes Fanzine gemacht, das wir auf einer uralten Hektographie-Druckmaschine vervielfältigt haben, also mit Spiritus-Matrizen. So etwas hatten die Schüler noch nie gesehen und konnten da mal den Computer nicht benutzen. Danach hat es noch Tage in der Schule nach Alkohol gestunken, es war aber ein schönes Erlebnis für alle.
Seit den 90er Jahren habe ich unzählige Ausstellungen gemacht, schätzungsweise über 80, zuweilen auch für große Museen, die ansonsten keine Comics ausstellen. Natürlich habe ich auch an vielen Festivals Ausstellungen gemacht, so auch in Angoulême, dazu monographische Ausstellungen mit Zeichnern realisiert: mit Baru, Poussin, Juillard, Cosey, Muñoz und ...
Oft habe ich mit meinem Freund Urs Hangartner zusammengearbeitet, ebenfalls einer, der sich nicht nur für die schönen "Bildlis" im Comic interessiert, sondern auch für den Inhalt und die Darstellung von Themen wie etwa Architektur, Rassismus, Literatur. Mit ihm und Pierre Schaer habe ich etwa für die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia die Wanderausstellung "Comic-Land Schweiz" realisiert. Eine Ausstellung, die in über 40 Ländern und über 130 Orten gezeigt wurde.


Auf den Geschmack gekommen?
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Burkhard Ihme (Hrsg.)
November 2013
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