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COMIC!-JAHRBUCH 2014

"Es macht sehr viel Spaß, mit den Grenzen zu spielen"
Interview mit U-COMIX-Herausgeber Steff Murschetz


Von Stefan Svik


U-COMIX ist wieder da. Die ursprüngliche Zählweise wurde fortgeführt, deshalb war das erste Heft 2013, eine kostenlose Ausgabe mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren zum Gratis Comic Tag, die Nummer 182. Das kleinere Format entsprach der an US-Heften orientierten Größe der deutschen Gratishefte und wurde ab Ausgabe 184 vergrößert, auch um im Regal nicht übersehen zu werden. Es gibt frische Folgen mit Figuren von früher, wie den Freak Brothers, und gänzlich neue Beiträge. Parallelen zur Fortführung des YPS-Magazins sind erkennbar. Die war für den Verlag ein riesiger und überraschender Erfolg, der dafür spricht, daß Nostalgie bei den Kindern der 70er und 80er gerade schwer angesagt zu sein scheint.


COMIC!: Leben wir in hoch nostalgischen Zeiten, in denen viele lieber in ihre Kindheit zurückschauen, weil die Gegenwart so unerfreulich ist?

Steff Murschetz: Wenn man gereift ist, hat man ein Gespür dafür, was einem gut tut. Und da sind die Werke, die einen früh geprägt haben, natürlich ganz vorne und auch die, die man sich damals wünschte, aber nicht bekam. Es ist schön, dort wieder einzutauchen. Warum auch nicht? Im ICOM-Gratis-Comic-Tag-Heft von 2011 schreibt Ralf Marczinczik in seinem autobiographischen Kurzcomic über das Magazin SchwerMetall: "Ich wurde älter, und mit den Jahren wird mir mehr und mehr bewußt, wie sehr mir ein Blatt fehlt, in das ich mich verlieben kann". Das hat mich sehr berührt und den Anstoß gegeben, ein Heft in größerem Stil zu vertreiben. Die Rechte am Titel SchwerMetall konnte ich nicht bekommen. Aber mit dem Rechteinhaber der Marke U-COMIX konnte ich mich einigen.

COMIC!: Ehemalige Popper kaufen 2013 die YPS-Neuauflage, während die Punks und Außenseiter von früher zu U-COMIX greifen und damit ihren Idealen treu bleiben – ist das ein halbwegs passendes Bild, oder ist inzwischen eh alles längst Pop? Beliebig und egal, wenn selbst die Bundeskanzlerin und die CDU zu Songs von Die Toten Hosen feiern (was diese im übrigen vorher ausdrücklich untersagt hatten)?

Steff Murschetz: Ich schätze, das ist Unsinn. YPS war ein Heft aus Kindertagen, für eine Gruppenzugehörigkeit, hat man sich, wenn überhaupt, erst in der Pubertät entschieden. Mich haben die schwachen Comics in YPS nie satt gemacht. Schon als Kind erschien mir dies wie Papierverschwendung, denn ich las Phantom, Kobra, Zack, Primo, MAD, Marvel bei Williams und so weiter. Mit den verführerischen Gimmicks in YPS haben wir gelernt, was große Erwartungen, aber auch große Enttäuschungen sind. Der Relaunch von YPS ist aber ein spannendes Projekt, und ich freue mich für einige befreundete Zeichner, daß sie dort veröffentlichen. Das wird sicher gut! Wie auch U-COMIX fragte YPS nach Comics von maximal vier Seiten. Mir fehlte wegen dem U-COMIX-Projekt die Zeit, auch einen Comic bei der YPS-Zeichnersuche einzureichen. Ich hätte mich gerne an einer Kinofilm-Parodie wie Mort Drucker in MAD versucht. Eine echte Herausforderung.

COMIC!: Wäre das MAD-Magazin eine Richtung, in die du gehen möchtest?

Steff Murschetz: Ich hatte gerade so eine Phase, in der ich einige alte MAD-Hefte ersteigert habe. Ich finde MAD war ein wenig wie Underground-Comix für Kinder. Einige unserer Zeichner arbeiten ja auch für das deutsche MAD, Klaus Gehrmann und Matthias Kringe. Und Sebastian (Bestie) Dietz trägt das MAD-Logo sogar als fettes Tattoo auf dem Körper. Es gibt sehr viele Stilrichtungen, die ich noch ausprobieren möchte. Bei den "amourösen Abenteuern des Baron von Münchhausen" für U-COMIX habe ich mich von Manfred Schmidts Erzähltechniken in "Nick Knatterton" inspirieren lassen. Jede Seite hat einen eigenen Titel und viele dieser erklärenden Kästchen mit Pfeil, die auch Crumb gerne benutzt.

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