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COMIC!-JAHRBUCH 2014

Das war U-COMIX


Von Achim Schnurrer


Vorbemerkung

Da ich im COMIC!-Jahrbuch 2013 im Rahmen eines Beitrags über Moebius und SCHWERMETALL auch auf die Anfänge von U-COMIX eingegangen bin, werde ich mich an dieser Stelle auf die Entwicklung der regulären Serie beschränken. Die Beschäftigung mit den von 1970 bis 1980 mehr oder weniger sporadisch erschienenen Vorläuferheften einschließlich der U-COMIX-Sonderbände und den U-COMIX-Extra-Ausgaben bleibt einer gesonderten Bestandsaufnahme vorbehalten.


Volksverlag

Als Raymond Martin 1980 das unternehmerische Risiko einging, seinen Underground-Verlag in Richtung Mainstream neu zu orientieren, war das auch ein Akt der Verzweiflung. Mit den wenigen Abonnenten und Privatkunden, sowie dem überschaubaren Vertrieb seiner Publikationen über eine Handvoll Headshops und die wenigen Comic-Läden, die es damals im deutschsprachigen Raum gab, konnte der Volksverlag weder leben noch sterben. Die Nachfrage war da, theoretisch zumindest. Wer die Hefte oder Bücher mit den ambitionierten Erwachsenen-Comix in die Hände bekam, der wollte in der Regel mehr davon.
Doch wie konnten die vielen potentiellen Kunden, die bisher noch nichts von U-COMIX gehört hatten, von denen Raymond Martin aber zu Recht annahm, daß es sie dort draußen zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen geben mußte, wie konnten die erreicht werden?
Die eigene vertriebliche Infrastruktur war bescheiden. Abonnenten, die einem Verlag naturgemäß die liebsten Kunden sind, ließen sich mit einem Heft, das es in zehn Jahren auf ganze 17 Ausgaben brachte, nicht lange an sich binden. Ein neues Heft konnte aber erst produziert werden, wenn die Schulden, sprich Druck und Lizenzen der vorherigen Ausgabe bezahlt waren. Dabei gab es – speziell in Frankreich und den USA – extrem gutes Material und das in Hülle und Fülle. Noch beschäftigte sich außer Martin kaum ein anderer Verlag mit jenen Comix, die sich nicht an Kinder und Jugendliche als Zielgruppe richteten, sondern gezielt für Erwachsene gezeichnet worden waren.
Das war Material, das sich beileibe nicht nur an Späthippies und Kiffer richtete, sondern es schloß all jene ein, die mit Comics aufgewachsen, die als Heranwachsende vielleicht bei MAD hängen geblieben waren und nun auf neue Angebote warteten, die ihren vielfältigen Interessen entgegenkamen. In ZACK und in PRIMO hatte es bereits ein paar Serien gegeben, die in ihrem Anspruch über Kinder- und Jugendlektüre hinausgingen. Alben wie "Asterix", teilweise auch "Lucky Luke" war es bereits gelungen, erwachsene, vor allem studentische Leser anzusprechen. Doch wo blieben die Comix, die respektlos, mit mal intelligentem, mal brachialem Witz vom ersten Panel an deutlich machten: "Das ist kein Kinderkram!" Und die sich zu MAD verhielten wie das Duo Laurel und Hardy zu den Marx-Brothers. Alle für sich gut, aber eben auf unterschiedlichem Niveau.
Die ersten Underground-Comix wie das berühmte ZAP erschienen in den USA ab 1967 als Reaktion auf die übermächtige Zensur der Comics Code Authority, der sich alle etablierten Verlage unterworfen hatten. Die Zerstörung des EC-Verlages, dessen grandiose Horror-Comics den Sittenwächtern und Zensoren im prüden Amerika der 1950er Jahre ein Dorn im Auge gewesen waren, blieb ein mahnendes Menetekel für alle Comic-Produzenten. Doch mit der Politisierung weiter Teile der Jugend angesichts von Vietnam und Rassenunruhen, begleitet von sexueller Revolution und Drogenexperimenten, emanzipierte sich auch eine Handvoll Comic-Zeichner. Zum Soundtrack psychedelischer Klänge wollten sie endlich die Themen zu Papier und unters Volk bringen, die ihnen wichtig waren: Sex, Drugs and Rock’ n’Roll. Sie schissen auf die Prüfsiegel der CCA und waren erfolgreich damit.

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Burkhard Ihme (Hrsg.)
November 2013
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