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COMIC!-JAHRBUCH 2013

Tradition mit Zukunft
Das 19. Internationale Trickfilmfestival Stuttgart und die 17. fmx
Interview mit Hannes Rall


Von Burkhard Ihme


Hannes Rall ist Trickfilmer und Professor für Animation an der Nanyang Technological University in Singapur (siehe auch COMIC!-Jahrbuch 2008). Studiert hat er an der Kunstakademie Stuttgart und an der Filmakademie in Ludwigsburg.

COMIC!: Das Stuttgarter Trickfilm Festival gibt es seit 1982, und du hast fast alle davon besucht. In der zum 30. Geburtstag zusammengestellten Filmrolle mit Studentenfilmen der Kunstakademie bist du auch mit einem Film vertreten. Wie viele der 19 Festivals hast du miterlebt?

Hannes Rall: Wenn ich mich recht erinnere, war mein erstes Festival 1986, und ich habe seither keines mehr verpaßt, auch in meiner Singapurer Zeit bin ich jedes Jahr nach Stuttgart gekommen – das sind jetzt auch schon sieben Jahre («and counting ...»).

COMIC!: Vor zwei Jahren warst du in der Jury des Studenten-Wettbewerbs «Young Animation». Hast du die Filme der beiden folgenden Wettbewerbe auch alle gesehen?

Hannes Rall: Das war mir leider unmöglich, da ich insbesondere dieses Jahr stark in diverse Veranstaltungen eingebunden war (u. a. Drehbuch-Workshops und Lotte-Reiniger-Doku-Premiere). Deswegen mußte ich mich leider weitgehend auf den offiziellen Wettbewerb beschränken, konnte aber da wenigstens das Meiste sehen! Ich habe aber nach dem Festival mit Kollegen gesprochen und natürlich auch einige der Studenten-Filme gesehen, die auch im internationalen Wettbewerb liefen; die Qualität war überwiegend herausragend!

COMIC!: Wundert es dich eigentlich, daß du mit einem Film, der 1990 auf dem Festival nur in der Schulpräsentation gezeigt wurde, in die illustre Filmparade (fast alle der gezeigten Filme haben in Stuttgart Preise gewonnen) eingereiht wurdest?

Hannes Rall: »Big Canoe» war nicht nur in der Schulpräsentation vertreten, sondern war 1989/90 auch im Wettbewerb des renommierten Festivals CINANIMA in Espinho, Portugal, im internationalen Studentenfilmfestival in Tel Aviv und ganz entscheidend in der ersten Ausstellung/Filmshow «Animationsfilm aus Deutschland» des Instituts für Auslandsbeziehungen, die weltweit unterwegs war. Insofern hat der Film schon einige Resonanz erfahren, wichtiger erscheint mir aber, daß der Film stilistisch eher zeitlos ist: Da er aus auf Papier animierten Tuschezeichnungen besteht und grafisch reduziert ist, würde er heute digital produziert auch nicht wesentlich anders aussehen. Man sieht da also keine «80er Produktion», die heute technisch überholt wäre. Die Auswahlkommission hat das wohl ähnlich gesehen und hielt die Ästhetik auch heute noch für relevant.

COMIC!: Und kennst du irgendeinen Film des zweiten Kunstakademie-Programms mit Filmen von 1992 bis 2001 aus der Zeit von Professor Jacki?

Hannes Rall: Das zweite Programm repräsentiert ja einen völlig anderen Ansatz der Trickfilmproduktion an der Kunstakademie Stuttgart: Das erste Programm zeigt eine Auswahl aus der animationshistorisch eminent wichtigen Periode der Trickfilmklasse von Professor Ade. 1991 verließ Professor Ade ja die Kunstakademie, um die Filmakademie zu gründen. Es gab danach keine wirklich ausschließlich dem Animationsfilm gewidmete Klasse an der Kunstakademie mehr – die im zweiten Programm enthaltenen Filme sind in erster Linie Filme, die im Rahmen des AV-Bestandteils des Grafik-Design-Vorstudiums entstanden sind. Die Filme sind auch überwiegend typografisch ausgerichtet, also gehen eher in Richtung «Motion Graphics». Da sind schon auch gestalterische Perlen vertreten – die Filme und ihre Macher haben aber zwangsläufig keine vergleichbare Wirkung in der Animationswelt hinterlassen. In diesem Zusammenhang ist noch anzumerken, daß gerade in letzter Zeit sowohl der historische Stellenwert als auch das aktuelle Potential des Animationsfilms an der Kunstakademie «wiederentdeckt» wurde. Davon zeugen auch diese Filmshows und die dazugehörige Ausstellung. Es wäre schön, wenn die große Tradition der Akademie hier fortgeführt werden könnte, zumal Animation im Bereich der visuellen Kommunikation ja auch immer wichtiger wird.

COMIC!: Zurück zu 30 Jahre ITFS: Was sind deine Lieblingsfilme aus all den Jahren?

Hannes Rall: Wow, das ist eine wirklich schwierige Frage. Das ist bei der Vielfalt der Techniken und erzählerischen Ansätze ein wenig wie «Äpfel mit Birnen» zu vergleichen. Es gibt aber natürlich schon persönliche Favoriten:
Aus der 2D/narrativen Richtung: Mark Bakers «Hill Farm», Frédéric Backs «The Man who Planted Trees», Michel Dudok de Wits «The Monk and the Fish», Cordell Barkers «The Cat Came Back» ... wo soll man anfangen, wo aufhören? Fast alles von George Schwizgebel – eine sehr kontinuierliche Präsenz (zu Recht finde ich) in all den vielen Jahren. Ebenso: Konstantin Bronzit, Ruth Lingford.
«Local Heroes»: Aus jüngerer Zeit »Lebensader» von Angela Steffen, und beim 2012er Festival war ich schwer vom «Heldenkanzler» (Benjamin Swiczinsky) beeindruckt. Alle Filme von Aike Arndt («Styx», «Atlas») sind toll. Durchgängig hervorragend: Andreas Hykade («Ring of Fire»), Thomas Meyer-Hermann («Flammender Pfeil») und Gil Alkabetz («Swamp», «Morir de Amor»).
3D/Stop Motion/Cut Out: Ich halte «Street of Crocodiles» von den Quay Brothers immer noch für ein epochales Werk mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Ganz anders, auch toll: «The Devil Went Down to Georgia» von Mike Johnson. Nicht so klar einzuordnen, aber auch ein Favorit: «How Wings Are Attached to the Backs of Angels» von Craig Welch. Und wieder sehr aktuell zum Schluß noch ein CG-Favorit: «The Lost Thing» von Shaun Tan und Andrew Ruhemann.

Auf den Geschmack gekommen?
Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2013
Links zum Artikel

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Schulpräsentation Kuntakademie 1980–1991
Schulpräsentation Kunstakademie 1992–2001
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