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COMIC!-JAHRBUCH 2013

Comiczeichenkurse für jung und alt
Interview mit Kim Schmidt


Von Frank Plein


COMIC!: Für die, die mit deinen Workshops nicht vertraut sind: Kannst du ein bißchen darüber erzählen, für welche Altersgruppen du die Workshops anbietest, wie sie ablaufen und was vermittelt wird?

Kim Schmidt: Comiczeichenkurse biete ich grundsätzlich für Teilnehmer jeden Alters an, am liebsten aber für Kinder und Jugendliche. Die Kurse gibt es stundenweise, halb- oder ganztags oder auch über ein ganzes Seminarwochenende. Je nach Länge und Alter der Teilnehmer laufen die Kurse natürlich unterschiedlich ab. Klar, daß man in zwei Schulstunden nicht so in die Tiefe gehen, sondern nur das Nötigste vermitteln kann. Wichtig ist es vor allem, das Alter der Teilnehmer im Blick zu haben. Wenn man z. B. Grundschülern gleich mit Perspektive und Fluchtpunkten kommt, wird’s schnell unruhig in der Klasse. Beachten sollte man auch, die Altersspanne der Teilnehmer nicht zu weit zu fassen. Besser ist es, die Kurse für festgelegte Altersgruppen anzubieten, z. B. Kurse für 6–10-, 11–14- oder 15–18-Jährige. Bei zu großen Altersunterschieden innerhalb eines Kurses bekommt man ansonsten rasch Probleme, da man nun für mehrere kleine Gruppen gleichzeitig dozieren muß.
Darüber hinaus sehe ich erstmal, wie der Kenntnisstand der Teilnehmer ist. Oft bringen die Nachwuchszeichner bereits zuhause gezeichnete Comics mit, die ich dann begutachten darf. Wenn Jugendliche mit ganzen Sammelordnern voller selbst gezeichneter Manga-Epen bei mir antreten, muß ich nicht noch mal bei Adam und Eva anfangen. Wenn keine eigenen Werke vorliegen, bitte ich erstmal um eine schnelle Skizze, egal was, zum Lockermachen. Dabei kann ich mir dann einen Überblick über die jeweiligen zeichnerischen Fähigkeiten verschaffen.
Grundsätzlich geht’s zum Einstieg dann meist um die Basics: Wie fängt man überhaupt an, wie zeichnet man eine Figur, einen Gegenstand? Und wie kriegt man es dann hin, die Figur in den folgenden Bildern, in anderer Ansicht und Perspektive auch noch für den Leser wieder erkennbar zu zeichnen? Schon mit den einfachsten Zeichentricks kann man dann bei den Teilnehmern riesige Aha-Erlebnisse erzielen.

COMIC!: Wie haben sich diese Workshops ergeben? Wann hattest du die Idee, so etwas anzubieten?

Kim Schmidt: Es gab damals Anfragen von Veranstaltern, im Rahmen einer Comicausstellung in Büchereien neben der Bilderschau auch noch Zeichenkurse anzubieten. Das zog Kreise und hat sich irgendwie verselbständigt. Ich hab jedenfalls schnell gemerkt, daß ich Spaß daran hatte, in die Lehrerrolle zu schlüpfen und endlich mal auf der anderen Seite zu stehen. Mag daran liegen, daß ich ursprünglich in einem Anfall von Vernunft mal ernsthaft versucht hatte, tatsächlich Lehrer zu werden.
Das Ganze habe ich dann immer weiterentwickelt und ausgearbeitet und dazu dann bislang drei Comiczeichen-Lehrbücher geschrieben und ein Internetforum für Nachwuchszeichner gegründet. Über das Forum kann ich z. B. auch über den Workshop hinaus mit den Zeichnern in Kontakt bleiben und eventuell erst zuhause auftauchende Fragen klären.

COMIC!: Kannst du etwas mehr über dein Forum www.comiczeichenkurs.de erzählen?

Kim Schmidt: Ich hatte nach einem Weg gesucht, wie man über einen Workshop hinaus mit den Teilnehmern in Kontakt bleiben könnte, und bin dann irgendwann im Internet auf das Forum des Zeichners Shane Glines gestoßen und dachte: Das brauche ich auch!
Ich habe mir dann ein genaues Konzept überlegt und nach einer passenden Forensoftware gesucht. Da die kostenlosen Versionen immer mit jeder Menge Werbebannern zugeballert sind, habe ich mich für eine Kaufversion entschieden, da ich das Ganze auf jeden Fall werbefrei halten wollte. Das Forum ging dann 2003 online und läuft seitdem kontinuierlich. Es richtet sich hauptsächlich an jüngere Zeichner, die auch den Hauptteil der Mitglieder ausmachen, grundsätzlich steht es aber allen Interessierten offen. Das Forum ist ja relativ überschaubar, was vielleicht auch der Vorteil gegenüber großen Foren ist, wo sich ein Anfänger eventuell etwas verloren fühlt. Meist kommen die Jüngeren, bleiben ein paar Jahre, haben möglicherweise über das Forum was dazugelernt und gehen dann ihrer Wege. Einige haben sich etabliert und sind heute selbst Profis, wie z.B. Miguel Fernandez, der eine Zeit lang sehr aktiv im Forum war, oder die Zeichner um Michael Holtschulte und Denis Metz, die jetzt ihre eigenen Bücher herausbringen. Das Forum bietet Zeichenübungen und Wettbewerbe an. Hauptpreis beim letzten Wettbewerb war übrigens ein einwöchiges Praktikum in meiner Bilderschmiede, inklusive Reiseticket, Kost und Logis.
Gelegentlich treten auch Profis auf und stellen sich den Fragen der Nachwuchszeichner. Vieles dort entwickelt sich aber auch aus der Initiative der Zeichner heraus: Jamcomics, Battles, Kettencomics ... Es gibt Zusammenarbeiten mit Fanzines, z. B. gab es mal eine PLOP-Extraausgabe nur mit Comics von Leuten aus dem Forum. Aktuell entsteht übrigens gerade ein neuer Comic fürs PLOP.
Wer noch mehr wissen will, kann ja einfach mal hinsurfen: Das Forum ist kostenlos und werbefrei, ich schaue selbst täglich rein und sehe nach, was so läuft.

COMIC!: Welchen Teil des Unterrichts magst du am liebsten? Was ist für dich das befriedigendste an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Kim Schmidt: Der Teil, wenn jeder seine Figur, seine Idee gefunden hat und alle fieberhaft an ihren Storys arbeiten. Aber nicht, weil ich dann meine Ruhe habe (okay, das auch). Nein, daran merkt man dann, das Seminar trägt Früchte, ich konnte den Teilnehmern was beibringen, sie anstupsen und motivieren.

Auf den Geschmack gekommen?
Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2013
Links zum Artikel

Kims Workshops
Kims Comiczeichenkurs – Forum
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