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COMIC!-JAHRBUCH 2013

Vom Bild zur Story
Interview mit Barbara Yelin


von Felix Giesa


Im vergangenen Wintersemester hatte Barbara Yelin eine Gastprofessur für Graphic Novels an der HBK Saar inne. Die Zeichnerin erhielt im Jahr 2008 den Sondermann-Preis als «Beste Newcomerin» und veröffentlichte vor zwei Jahren, gemeinsam mit Peer Meter, den Comic «Gift» , für den sie einige Aufmerksamkeit erhielt. Bereits seit 2005 ist sie ein Teil des Spring-Kollektivs (die neunte Ausgabe des Magazins ist gerade erschienen). Bereits vor ihrer Gastprofessur hat sie sich in zahlreichen nationalen und internationalen Workshops, unter anderem für das Goethe-Institut, als Comicdidaktikerin betätigt.


COMIC!: Ich habe es in der Einleitung schon erwähnt, und vielleicht fangen wir damit auch als erste Frage an: Wie kam es überhaupt erst einmal dazu, daß du Comic-Workshops geleitet hast? Du bist ja von Hause aus zuvorderst freie Illustratorin und Comiczeichnerin ...

Barbara Yelin: Es hatte mich durchaus schon länger interessiert, neben dem Zeichnen auch zu unterrichten. Eine allererste Anfrage kam damals vom Goethe-Institut in Kairo. Wie es meistens ist bei einer ersten Chance: Die Zeichnerin, die ursprünglich angefragt war, hatte keine Zeit und es wurde ein Ersatz gesucht.
Zu dritt, mit einem portugiesischen Schriftsteller und einer libanesischen Kinderbuchillustratorin, hatten wir dann diesen arabischen Workshop angeleitet. Das war hochspannend, auch eine Herausforderung – es ging um Literatur für Jugendliche, dabei auch um Zensur, und was man in Bildern zeigen kann, was man im Text nicht kann – und wie. 2011 nach dem arabischen Frühling, wurde ich dann in Kairo erneut engagiert, für den Workshop «Revolution Comics» (zur Zeit wird die daraus hervorgegangene Ausstellung in Nancy gezeigt).

COMIC!: Was bedeutet für dich die gemeinsame Arbeit mit Lernenden, auch für deine eigene Arbeit?

Barbara Yelin: Natürlich hat beides miteinander zu tun. Die Fragen, die man anderen stellt, muß man bei der eigenen Arbeit auch verifiziert haben. Und sobald man jemand etwas erklärt, muß man den Vorgang erst einmal in der eigenen Arbeit verstanden haben. Anders herum versteht man seine eigene Arbeit viel besser, wenn man den Prozeß der anderen verfolgt. Das trägt, klar, zur Reflektion der eigenen Arbeit bei.
Noch viel interessanter finde ich daran, mit jemandem herauszufinden, was der Kern ihrer oder seiner Story ist – worum es eigentlich geht, wo das eigentliche Interesse sitzt. Das geht im konzentrierten Gespräch und fordert viel Aufmerksamkeit, denn hier besteht die Arbeit vor allem darin, Fragen zu stellen, weniger, sie zu beantworten. Erst daraus ergeben sich alle weiteren Schritte. Also nicht Schema F, sondern so viele verschiedenartige Ansätze und Inhalte wie Leute.

COMIC!: Du hast in Hamburg an der HAW studiert und wohnst seit Jahren in Berlin, wie kam es nun, daß du in Saarbrücken an der HBK eine Gastprofessur bekommen hast?

Barbara Yelin: Das hatte sicher auch mit dem jährlich stattfindenden «Graphic Novel Symposium» 2011 in Saarbrücken zu tun, ich hatte dort einen Vortrag über meine Arbeit gehalten, und ein paar Monate später wurde mir diese Gastprofessur angeboten.
Von der Stadt selbst hab ich zu wenig mitbekommen, um eine Meinung über sie zu fällen, ich bin gependelt. Aber schön, sonnig, super Essen. Viel wichtiger: Die Arbeit und Stimmung an der Hochschule ist toll, sehr frei, sehr selbstbestimmt, es ist Platz für Eigenengagement, und dieses wird gefördert. Und da es eine kleine Hochschule ist, kannte ich bald die meisten. Alle grüßen sich! In Berlin oder Hamburg unvorstellbar!

COMIC!: Die Stelle war als Gastprofessur für Graphic Novels beschrieben. Warum ausgerechnet diese spezifische Einschränkung oder eher Spezialisierung?

Barbara Yelin: Es ging in meiner Aufgabenstellung ganz konkret ums Geschichtenmachen – nicht nur ums Zeichnen und weniger um Illustration, sondern vielmehr auch um Dramaturgie und um Inhalte. Mag sein, daß sich der Begriff «Graphic Novel» im Hochschulkontext besser eingliedert als «Comic». Meinen Hauptkurs hab ich schon mit «Comicprojekt» benannt, denn natürlich können wir keine Graphic Novels erstellen in einem Semester. Im Hinblick auf den erzählerischen Fokus ist die Kennzeichnung aber hier in Ordnung, finde ich. Diese Begrifflichkeitendiskussion ist mir eh auch nicht so wichtig, es geht mir ums Ergebnis.

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