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COMIC!-JAHRBUCH 2012

Der Spagat ist nicht einfach
Interview mit ZACK-Chefredakteur Georg F.W. Tempel

Von Klaus Schikowski


Im Dezember 2011 hat das Magazin ZACK ein Jubiläum zu feiern: Dann sind 150 Ausgaben seit dem Relaunch 1999 erschienen. Das «alte» ZACK, welches der Koralle-Verlag von 1972 bis 1980 veröffentlichte, hat eine ganze Generation geprägt, die mit frankobelgischen Abenteuercomics aufgewachsen ist. Von dieser Generation lebt man auch noch heute, auch wenn immer wieder neue Versuche gestartet werden, das Heft zu modernisieren. Seitdem Georg F. W. Tempel mit Heft 125 im November 2009 die Chefredaktion übernommen hat, ist es rund um das Magazin noch einmal lebendiger geworden. Nun haben feste Rubriken im Heft Platz, und die Comics kommen auch aus Deutschland oder aus Italien. Aber nicht alles wird auch von den Lesern akzeptiert. Klaus Schikowski hat sich mit dem Chefredakteur über das Magazinmachen in Deutschland 2011 und über den Markt im allgemeinen unterhalten.

COMIC!: Du bist schon lange im Geschäft, hast bei mehreren Verlagen verantwortlich mitgearbeitet und nun bist du Chefredakteur bei ZACK. Was geschieht eigentlich mit der Liebe zum Medium, wenn man gelernt hat, es nur noch als Geschäft zu betrachten?

Georg F. W. Georg: Die Liebe schwindet sicher nicht, sonst wäre man fehl am Platz. Aber man wird kritischer und denkt immer öfter kaufmännischer. Nicht alles, was einem gefällt, wird dann auch veröffentlicht. Im Grunde verliert man seine Unschuld oder Blauäugigkeit.

COMIC!: Früh in deiner Karriere hast du schon beim COMIC SPIEGEL mitgearbeitet, vom Konzept her ähnlich wie bei ZACK. Inwiefern hat sich das Magazinmachen von gestern zu heute verändert?

Georg F.W. Tempel: Die Basisarbeit ist immer noch dieselbe. Man sucht Comics, die einem – und hoffentlich auch den Lesern – gefallen und die ins Heftkonzept passen. Danach Vertragsverhandlungen und Heftplanungen. Sicher haben sich die Inhalte geändert, weil sich sowohl der Geschmack wie auch der Comic an sich geändert haben. Und die Werkzeuge, die man heute zur Verfügung hat, erleichtern die tägliche Arbeit. Strukturen müssen nicht mehr auf Papier zusammengeschnitten werden, sondern können elegant über Excel erstellt werden. Die Übermittlung von Druckdaten, Texten, Bildern etc. geht viel schneller und einfacher. Lettering ist mittlerweile fast ein Kinderspiel. Dementsprechend sind die Korrekturdurchgänge einfacher und Drucktermine kürzer gefaßt.

COMIC!: Welche Stellenwert hat ZACK auf dem deutschen Comicmarkt heute deiner Meinung nach? Ist der Name immer noch so etwas wie eine Marke?

Georg F.W. Tempel: Ganz sicher ist der Name eine Marke. Gerade die mittelalten Lesern assoziieren damit ihre Jugend. Und damit haben sie auch bestimmte Vorstellungen und Ansprüche, denen gerecht zu werden nicht immer einfach ist. Einige hätten gerne ein Nostalgie-Magazin, das dieselben Serien wie früher veröffentlicht. Andere wiederum möchten zumindest den Geist von früher verwirklicht sehen. Und wieder andere wollen einfach nur gute Comics lesen. Der Spagat ist wirklich nicht einfach. Und man kann es nicht allen rechtmachen. Ansonsten ist ZACK zur Zeit einfach das einzige Magazin, das Comics für ältere Leser veröffentlicht.

COMIC!: Und warum, glaubst du, ist das so, und warum versuchen nicht mehr Verlage, ihre Comics in im Vergleich zum Albenformat günstigeren Magazinen zu präsentieren? Diese Veröffentlichungspraxis ist doch beispielsweise bei den Franzosen immer noch gängig.

Georg F.W. Tempel: Na ja, wirklich Geld kann man damit nicht verdienen. Und tatsächlich haben wir ja auch den ZACK-Bonus, den andere nicht hätten. Wir haben zu meiner Egmont-Zeit die Frage eines Magazins immer mal wieder angesprochen, sind aber letztendlich zu dem Schluß gekommen, daß die Kosten-Nutzen-Relation in keiner Relation steht.

COMIC!: Hast du den Eindruck, daß du bei ZACK auf eine bestimmte Art von Comics festgelegt bist? Als der Abenteuercomic von Battaglia vorabgedruckt wurde, gab es viel Kritik, zudem versuchst du auch deutsche Künstler unterzubringen oder auch mal Comics in schwarzweiß. Aber anscheinend wollen viele Leser das gar nicht.

Georg F.W. Tempel: Meine Erfahrung ist, daß der Geist des «alten» ZACK aufrechterhalten werden soll. Das ist okay. Aber in diesem Rahmen müssen Experimente möglich sein. Und das werden wir auch weiterhin versuchen. Und wenn eins dieser Experimente angenommen wird, werden wir in dieser Richtung weitermachen. Von heute auf morgen wird man sicher nichts ändern können, aber ein langsamer Wechsel ist möglich.

COMIC!: Gerade bei deutschen Comics hat sich viel geändert, seit dem Neustart von ZACK wird ja immer wieder versucht, deutsche Comics unterzubringen, auch im Moment wieder mit Platzgummers «Mingamanga» und «Kommissar Fröhlich» von Stephan Hagenow. Dennoch sind die Reaktionen verhalten. Warum haben es deutsche Serien so schwer in ZACK?

Georg F.W. Tempel: Ich denke, das hängt ebenfalls mit dem Nostalgie-Effekt zusammen. Im alten ZACK gab es – bis auf «Turi & Tolk» – ja auch keine deutschen Comics. Zudem entspricht der deutsche Comic nicht unbedingt dem frankobelgischen. Und die ZACK-Leser sind eben sehr auf diese Art Comics gepolt. Es haben ja nicht nur die Comics deutscher Herkunft einen schweren Stand. Den italienischen oder spanischen ergeht es ja ähnlich.

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