Lektüre
 Independent Comic Shop   ICOM-Publikationen   Kostenlos   Fachmagazine   Sekundärliteratur 
Das COMIC!-Jahrbuch | Das ICOM!-Handbuch | Der ICOM!-Ratgeber
FILMRISS | Das verbandseigene Fachmagazin
COMIC!-JAHRBUCH 2011

Sonderpreis der Jury für eine besondere
Leistung oder Publikation:
Vicky Danko, Beatrice Beckmann und Olivia Vieweg für das Engagement beim Independent Manga

Interview von Felix Giesa

Als vor vier Jahren beim Schwarzen Turm erstmals eine Manga-Anthologie mit dem Titel «Paper Theatre» erschien, hat das hauptsächlich bei Manga-Fans für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch die dreimonatige Erscheinungsweise geriet bald ins Stocken und schon nach fünf Ausgaben war im Frühjahr 2007 erst einmal Schluß. Der Fokus auf rein deutschsprachige Mangazeichnerinnen war von vornherein ein Wagnis, der Absatz bestätigte die anfänglichen Befürchtungen. Jedoch fanden sich innerhalb des Verlages drei Herausgeberinnen, die den hohen Stellenwert der Anthologie für die deutschsprachige Mangaszene nicht aufgeben wollten. 2009 erschien wieder eine Ausgabe und der Sonderpreis der Jury für die Herausgeberinnen zeichnet genau dieses Engagement aus, welches dazu geführt hat, jungen Mangatalenten eine publizistische Plattform zu erhalten.
Auch was den Veröffentlichungsrhythmus betrifft hat man dazugelernt, und so erscheint «Paper Theatre» nun jährlich, im März erschien zur Leipziger Buchmesse die aktuelle Nummer 7. Nach wie vor ohne festen thematischen Rahmen bietet die Reihe einen ausgewogenen Genremix und bietet somit einen kleinen, aber durchaus repräsentativen Überblick über das Geschehen in der deutschsprachigen Mangakalandschaft.
Daneben hat man beim Schwarzen Turm auch weitere Anthologien etabliert, die sich mit ihren jeweiligen Schwerpunkten an diversen Genres abarbeiten. Auch hier haben die drei Herausgeberinnen ihre Hände im Spiel, Olivia etwa betreut die Romantikreihe «Blütenträume» und Beatrice die Erotikanthologie «Hungry Hearts». Wie es indes mit «Paper Theatre» weitergeht, ist auch trotz des ICOM-Preises ungewiß. Lediglichdaß es in irgendeiner Weise weitergehen soll, steht fest.

Anfang Juli führte Felix Giesa für das COMIC!-Jahrbuch ein E-Mail-Interview mit Beatrice Beckmann und Olivia Vieweg.

COMIC!: Nach zweijähriger Pause ging es letztes Jahr mit «Paper Theatre 6» weiter, ein weiterer Band folgte dieses Jahr, und direkt heimst ihr einen ICOM-Preis ein. Wie kam es zu der langen Pause und was habt ihr ab Band 6 anders gemacht?

Beatrice Beckmann: Entweder springen Zeichner kurzfristig ab oder es ist nicht genügend Kapital vorhanden. Bei «Paper Theatre» traf alles zusammen ein, was uns dazu zwang, eine Pause einzulegen und zu überlegen, wie man weitermachen kann. Wenn man es dann wieder schafft, Zeichner zu finden, ist ein Problem schon mal überwunden. Dann muß man noch überlegen, wie man am besten noch etwas Geld spart. «Paper Theatre 5» war noch auf sehr hochwertigem Papier gedruckt, ab «Paper Theatre 6» haben wir uns für günstigeres und für Manga passenderes Papier entschieden. Ab «Paper Theatre 7» sind dann auch alle Farbseiten weggefallen. Sehr schade, aber wenn wir «Paper Theatre» weiterführen möchten, muß das sein. Aber der Prozeß ist auch noch nicht abgeschlossen, wir müssen immer wieder neu überlegen, wie wir «Paper Theatre» verbessern können. Denn es ist offensichtlich, daß das Magazin ein finanzielles Wagnis ist. Meist kommen nur die Druckkosten wieder rein, und man muß immer aufs Neue überlegen, ob die nächste Ausgabe finanzierbar ist.
Wir sind besonders dankbar, daß es Zeichner gibt, die erkennen, was sie an einer Plattform wie «Paper Theatre», «Hungry Hearts» oder «Blütenträume» haben. Die Zeichner sind bereit, «Paper Theatre» als Sprungbrett zu nutzen und sind froh, daß sie durch eine repräsentative Auflage, eine gute Aufmachung und eine gute Betreuung viel für später dazulernen können und auch von großen Verlagen gesehen werden. Der Vorwurf, daß der Schwarze Turm Zeichner ausnutze, wird leider immer häufiger laut. Doch dabei wird außer acht gelassen, daß wir kaum mehr als 25 Seiten von einem Zeichner «verlangen» und dies auch bei einem großen Verlag keine Unsummen erzielen würde, geschweige denn, daß ein großer Verlag überhaupt nur 25 Seiten veröffentlichen würde. Zudem verdienen wir auch als Herausgeber oder Betreuer nichts an «Paper Theatre», «Hungry Hearts» oder «Blütenträume», das Geld fließt immer in neue Projekte.
Durch den ICOM-Preis habe ich nun das Gefühl, daß genau dieses Engagement endlich belohnt wird. Denn auf Dauer ist es schon frustrierend, gesagt zu bekommen, man würde ja unendlich viel Geld machen und die armen Zeichner ausnutzen. Wenn wir könnten, würden wir Unsummen an Geld für die Bezahlung der Zeichner ausgeben, aber das geht nicht. Das hat sich gezeigt, da wir anfangs versucht haben, jeden Zeichner gut zu bezahlen. Aber das war einfach nicht haltbar, wenn man eine gute Plattform aufrechterhalten möchte, die von vielen registriert wird. Deutsche Mangazeichner leiden immer noch darunter, daß sie oft aus Prinzip nicht gekauft werden. Das wird sich so schnell nicht ändern.

Olivia Vieweg: Besonders ironisch ist, daß ich immer die skeptische Stimme beim Schwarzen Turm war, die gesagt hat, daß wir «Paper Theatre» nicht weiterführen sollen. Daß wir jetzt einen Preis dafür bekommen haben, bedeutet auch ein großes Stück Anerkennung, mit der ich gar nicht mehr gerechnet habe.

COMIC!: Ihr drei zusammen führt zusammen mit Vicky ja auch erst seit der «Weiterführung» die Geschicke bei «Paper Theatre», Vicky ist schon seit Nummer 3 dabei. Wie kam es zu diesem beinahe kompletten Austausch?

Beatrice Beckmann: So was entwickelt sich schleichend. Da wir alle nicht hauptberuflich beim Schwarzen Turm sind, kommen immer mal andere Verpflichtungen dem Hobby in die Quere, so kommt es regelmäßig zu Verschiebungen in der Redaktion. Da ich momentan noch Studentin bin, passiert mir das glücklicherweise recht selten und ich kann mich intensiv «Paper Theatre» und «Hungry Hearts» widmen.

Olivia Vieweg: Ein Kleinverlag bedeutet meistens ein Kommen und Gehen, vor allem da wir so viele junge Mitarbeiter haben. Die fangen an zu studieren und gehen in andere Berufe. Oder sie wechseln zu einem Großverlag und haben keine Zeit mehr für die Betreuung solcher Projekte.

Auf den Geschmack gekommen?
Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2011
Übersicht der Linklisten
  Alle Jahrbücher
Comic Jahrbuch 2011
Comic Jahrbuch 2010
Comic Jahrbuch 2009
Comic Jahrbuch 2008
Comic Jahrbuch 2007
Comic Jahrbuch 2006
Comic Jahrbuch 2005
Comic Jahrbuch 2004
Comic Jahrbuch 2003
Comic Jahrbuch 2001
Comic Jahrbuch 2000
COMIC!-Jahrbuch 2011
Burkhard Ihme (Hrsg.)
November 2010
248 Seiten S/W und 4c
EUR 15,25
BESTELLEN