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COMIC!-JAHRBUCH 2010

Phantastische Zeiten für ILSEMANN
Interview mit dem neuen ICOM-Shop-Chef Manfred Ilsemann

von Burkhard Ihme

COMIC!: Bevor du Comichändler und -verleger wurdest, hast du sicher selber Comics gelesen und eventuell sogar gezeichnet. Womit bist du angefixt worden? Was hat dich dazu gebracht, mit Comics zu handeln?

Manfred Ilsemann: Micky Maus-Hefte waren wohl das erste, das ich als Kind in die Finger bekam – und natürlich ist mir auch der «gute Zeichner» aufgefallen. Später dann zu Schulzeiten die ausklingende Lehning-Ära und dann Superhelden von Ehapa und Marvel. Selbst zu zeichnen habe ich zwar versucht, aber dazu fehlt mir eindeutig das Talent.
Endgültig dazu gebracht, mit Comics zu handeln, hat mich ein damaliger Kollege, mit dem ich zusammen bei Pelikan gearbeitet hatte: Kurt Werth. Der Name sollte ja in der Szene hinlänglich bekannt sein. Irgendwann war ich dann sein erster fest angestellter Mitarbeiter und habe den ersten Laden von ihm in der Innenstadt Hannovers geführt. Das muß so um 1980 gewesen sein.

COMIC!: Und was brachte dich dazu, Kurt Werth auf dessen eigenen Terrain, inhaltlich wie geograhisch, Konkurrenz zu machen?

Manfred Ilsemann: Na ja, das war erst etwas später. Kurt hat mich gefeuert, weil ich eine Woche frei haben wollte. Urlaub wollte er mir nicht geben, also habe ich gesagt, ich nehme unbezahlten Urlaub. Am nächsten Tag hatte ich meine fristlose Kündigung (die er zurücknehmen mußte). Dazu muß ich aber noch sagen, daß ich damals in einer Erbschaftsangelegenheit ziemlich unter Anspannung stand und ich zu Kurt sagte, daß ich nicht freundlich Kunden bedienen kann, wenn ich selbst nicht sonderlich gut drauf bin. Tja, und das war‘s dann. Aber das ist nicht das einzige Mal passiert, daß sich hier ein Comic-Laden seine eigene, spätere Konkurrenz geschaffen hat.
Nach dem Rausschmiß bei Kurt habe ich erst noch etwas Schwerstbehinderten-Arbeit gemacht (hatte ich schon während des Zivildiensts gemacht) und darauf gewartet, daß meine Frau mit ihrer Krankenschwestern-Ausbildung fertig ist. 1990 habe ich dann unseren ersten Laden aufgemacht. Geographisch hat mir aber eher Kurt später Konkurrenz gemacht, als er in denselben Stadtteil Hannovers umgezogen ist. Ich hatte mich schon bewußt in Hannover-Linden niedergelassen.

COMIC!: War das hannoversche Kostenlos-Magazin ILSEMANN deine erste Veröffentlichung als Verleger? Wer hat das Heft initiiert?

Manfred Ilsemann: Nein, «Viktor Skoff» von Gregor M. Hoffmann, zu dem ich immer noch Kontakt habe und der heute als Anwalt in Siegen tätig ist, war mein erstes
verlegtes Album (1994). Um mein erstes eigenes Geschäft etwas zu promoten, habe ich Ausstellungen in Szene-Kneipen veranstaltet, und durch ein Inserat lernte ich dann Gregor kenne. Der hatte sich nach einem Semester Auszeit, in dem er «Skoff» durchgepowert hatte, mit den fertigen Zeichnungen bei mir gemeldet, und schon während der Ausstellung wurde klar, daß wir das zusammen machen.
Da ich immer schon mehr der Szene-Typ war und nicht so ein verbissener Comichändler, trafen sich bei mir auch ziemlich viele Zeichner, und die sprach ich einfach mal an, ob wir nicht irgendwas gemeinsam auf die Beine stellen können. Wir trafen uns dann alle mal bei mir, und, da damals gerade Christof Ruoss‘ Moga Mobo das Licht der Welt erblickte, lag nichts näher, als etwas ähnliches zu probieren. Daß das Kostenlos-Magazin dann ILSEMANN hieß, war mehr eine «Verarschung» durch die Zeichner, die das witzig fanden. Ich glaube Boris Schütz («Superatze») kam auf den Namen, und alle haben sich bepißt vor Lachen. Damit war der Name beschlossen. Nur gut, daß ich den Namen meiner Frau angenommen hatte ...
Jeder Zeichner sollte einen Logo-Entwurf vorschlagen, und es ist im Nachhinein nicht verwunderlich, daß der von Bernd Natke das Rennen machte.

COMIC!: Was waren als Verleger deine größten Erfolge und Mißerfolge?

Manfred Ilsemann: Als Erfolg würde ich wohl «Schattenreich» von Horus werten, obwohl ich auch da nicht aus den Miesen heraus kam, aber da das ein Dreiteiler ist, geht da immer mal wieder was. «Schattenreich» wurde dann auch «ohne größere Diskussionen» als Bester Independent Comic 2002 vom ICOM ausgezeichnet – obwohl es «eigentlich zu professionell für eine reine Independent-Publikation sei». Besten Dank dafür.

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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2009
240 Seiten S/W
EUR 15,25
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