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COMIC!-JAHRBUCH 2010

Sprunbrett für Mangaka
Die Chibi-Reihe des Carlsen Verlages

Von Nicole Klementz

«Chibi» ist ein japanisches Wort. Es steht für niedlich und klein. Und klein sind sie, diese Minimanga mit ihrem DIN-A6-Format. Auf ca. 60 Seiten bietet Carlsen ein schönes, handliches Stückchen deutsche und japanische Mangakultur für einen nicht nur für Kinder und Jugendliche freundlichen Minimalpreis. Seit dem Startschuß dieser Manga-reihe im März 2007 sind – jeweils pünktlich zur Leipziger und Frankfurter Buchmesse – inzwischen fünf Boxen erschienen.

Somit kann diese Reihe insgesamt stattliche 26 Titel vorweisen, in denen nicht nur jugend- und kinderspezifische Themen wie Liebe und Freundschaft aufgegriffen werden, sondern auch Witziges, Spannendes und Phantastisches.
Auffällig ist, daß mit Titeln wie «Drachenschnee», «Legacy of the Ocean», «Aladins Erbin» und «Golden Butterfly» eine starke Tendenz zur Fantasy zu beobachten ist. Selbst komödiantische Werke wie «Geeks», «Papa-
ya» und «Todernst» als auch die mehr spannungsgeladenere Kost à la «Raccoon», «Im Namen des Sohnes» und «Kentaro» sind mehr oder weniger phantastisch gefärbt. Man kann also durchaus davon ausgehen, daß über diese Reihe versucht wird, den Bereich Fantasy Manga stärker bei Carlsen auszubauen. Da aber neben den phantastischen Werken auch noch ein recht hoher Anteil an romantischen Titeln wie «White Pearl», «A Demon’s Kiss», «E-Motional» und «Dancing King» erschienen ist und dabei zusätzlich die Spannungssparte mit «Kensei» und «Masterminds» bedient wird, besteht für die Zeichner immer noch ein großer Spielraum, was die Genrewahl ihrer Manga-Storys betrifft. Zu beachten ist nur, daß diese Reihe ein möglichst breites Zielgruppenfeld ansprechen soll und in erster Linie eine generationsübergreifende Funktion einnimmt, so daß sicherlich keine Chibi vorzufinden sind, die eher dem Adult-Bereich zuzuordnen wären.
Dazu Anne Berling von Carlsen Manga: «Zudem wollen wir auch neue Leser damit gewinnen, junge Leser und neue Märkte erreichen.»
Aber was für Vorteile bietet die Chibi-Reihe speziell für die Künstler? Anne Berling: «Wir haben das Chibi-Konzept entwickelt, weil wir mit Kurzgeschichten mehr jungen Talenten eine Chance bieten wollten, aber vermeiden wollten, diese in Anthologien herauszubringen. Für Zeichner ist es attraktiver, da sie nicht nur Teil eines Werkes sind, sondern ihren ganz eignen Band produziert bekommen ...Wenn wir nur lange Geschichten herausbringen wollten, dann könnten wir nicht so vielen Zeichnern eine Chance bieten.»
Eine Chance, die daher auch viele Mangaka wahr-genommen haben, die bereits vor ihren Chibi durch Beiträge in Anthologien wie «Shinkan Spezial», «Manga-Mixx», «Paper Theatre» und «Kappa Maki» auf sich aufmerksam gemacht hatten. Zu ihnen zählen u. a. Franziska Steffen und Tina Lindhorst, Melanie Schober, Olga Rogalski, Helen Aerni, Marika Paul, Natalia Zaitseva, Sabrina Ehnert und Kim Liersch.
Hinzu kommen noch die Künstler, die vor ihrer Chibi-Veröffentlichung kaum in Erscheinung getreten waren oder die – wie beispielsweise Rebecca Jeltsch und Richard Tent – beim Wettbewerb von «Comics in Leipzig» positiv auffielen und sich bei Carlsen bewarben. Zu ihnen gehören außer den beiden genannten noch Nadine Büttner, Dörte Dettlaff, Jeffrey Gold, Eva Schmitt und Janine Winter, Carla Miller und Isabelle Metzen.
Besonders die Popularität der ersten Chibi-Box diente den damaligen Newcomern Nadine Büttner, Franziska Steffen (Texterin), Tina Lindhorst und Melanie Schober als Karrieresprungbrett im Bereich Manga. So zeichnet die damalige Chibiautorin Nadine Büttner seit 2008 für das Carlsen Manga-Magazin DAISUKI die beiden Maskottchen «Kisu» und «Kitsume». Im Mai 2009 startete im gleichem Magazin auch ihre neue Mystery-Serie «A Kiss from the Dark». Sie entsteht in Zusammenarbeit mit dem Autor Michael Waaler und erscheint komplett im März 2010 als Taschenbuch.

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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2009
240 Seiten S/W
EUR 15,25
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