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COMIC!-JAHRBUCH 2009

Bester Kurzcomic (Funny):
«Daniel & Oleg» von Olli Ferreira und René Roggmann

Von Felix Giesa


Obwohl Olli Ferreira und René Roggmann bereits seit der Jahrtausendwende zusammen Comics machen, liegen bisher keine Arbeiten von ihnen in einem größeren Verlag vor, und so sind sie von einer breiteren Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen worden. Was jedoch nicht heißt, daß die beiden den ganzen Tag breit und faul rumgelegen haben. Vielmehr waren sie umtriebig (und das auch breit) und haben vom One-Pager bis zur mehrseitigen Kurzgeschichte eine Reihe von Comics gemacht, in denen sie den LeserInnen ein ganz ansehnliches Figureninventar vorgestellt haben. Dreh- und Angelpunkt dieser Figuren sind Daniel und Oleg. Die beiden sind eine WG und leben im Hamburger Schanzenviertel. Zumindest Daniel sieht darin die Verpflichtung, mindestens so cool zu sein, wie die SPEX es verlangt. Oleg ist das egal, er will nur ab und an ordentlich einen durchziehen und ansonsten Playstation zocken.
Überzeugen konnte man sich davon z. B. in «Jungs lesen Milbrandt» (Hanni und Nanni Verlag, 2003) und in einigen «Panik Elektro»-Nummern. Der Zwerchfell Verlag hat im vergangenen Jahr nun auch endlich eine albenlange Sammlung von Geschichten veröffentlicht, die landesweite Lobeshymnen nach sich zog. Dabei wird in den meisten Rezensionen vor allem die popkulturelle Komponente der Strips in den Vordergrund gestellt. Das bietet sich freilich an, da Daniel als Szenekenner und It-Boy schließlich tagein, tagaus über alles, was Pop ist bzw. sein sollte, referiert und diktatorisch Nachfolge verlangt. Für all die SPEX-Jünger unter den LeserInnen von «Daniel & Oleg» ist das anscheinend ausreichend, kann man schließlich so mal gepflegt über sich selber lachen.
Diese verkürzte Sicht ist zwar ein weitverbreitetes Manko in der Comickritik, läßt sie doch gerade auch im vorliegenden Fall die grafische Komponente komplett außen vor. Doch diese macht gerade einen Großteil des Reizes an «Daniel & Oleg» aus. Die minimalistischen Schwarzweiß-Zeichnungen, das auf nur das Wesentliche reduzierte Interieur, der Verzicht auf Schatten und Bewegungslinien erlauben einen einfachen Zugang zu den Geschichten. Und schließlich wird so ein grafischer Gegenpol zur häufig sehr experimentellen Musik, an der Daniel sich verbal abarbeitet, auf der Seite geschaffen. Olli und René sehen sich zwar klar in der Nachfolge von Lewis Trondheim. Daß dies jedoch zu kurz greift, erkennt man bereits in der ersten «Panik Elektro»-Geschichte: Dort findet sich ein Panel mit einer eindeutigen Reminiszenz an den Urvater der modernen Reduktion, wenn dem Protagonisten Moebius’ Major Grubert erscheint.

COMIC!: Vielleicht erstmal: Worum geht es bei «Daniel & Oleg»?

René Roggmann: Daniel ist einer, der sich über ein Wis-
sen um im Grunde unwichtige Sachen definiert und sich darüber aufwerten will. Alles halt in einer coolen Indie-Welt, wo linke Parolen und Musikkapitalismus sich die Hand geben.

Olli Ferreira: Es geht um Verzweiflung. Daniel macht sich ständig Luxus-Probleme, dahinter steckt nackte Status-Angst.

COMIC!: Wie kam es dazu, daß ihr zusammenarbeitet? «Daniel & Oleg» macht ihr zwar unter euren jeweiligen Namen, aber ihr arbeitet ja auch unter dem Namen «Team Gudmundson». Was hat es damit auf sich?

Olli Ferreira: Als wir uns vor acht Jahren kennenlernten, stellte sich heraus, daß wir gut über dieselben Dinge lachen und kotzen konnten. Außerdem haben wir eine sehr ähnliche Art zu zeichnen.

René Roggmann: «Team Gudmundson» heißen wir eigentlich, seit wir zusammen Comics machen bzw. seit wir das erste Heft zur «Heftich»-Ausstellung gemacht haben. Manche Leute, bei denen wir was veröffentlicht haben, kapier’n das nicht und schreiben dann nur Ollis Namen hin. Oder anderswo steht dann vielleicht einfach Olli Ferreira/René Roggmann, was nicht weiter schlimm ist. Als es jetzt um die Cover-Gestaltung ging, fand ich den Namen grad eigentlich nur blöd.

COMIC!: Wie sieht der Arbeitsablauf an «Daniel & Oleg» aus?

René Roggmann: Zu Anfang haben wir die Sachen immer zusammen gezeichnet. Wir saßen immer bei Olli in der Küche und haben was getrunken oder was geraucht und einfach Müll gelabert. Daraus sind dann die Figuren entstanden und was die so machen.

Olli Ferreira: Genau. Damals haben wir uns immer abgewechselt: Der eine macht ein Panel, der andere das nächste. Aber nicht so jam-mäßig, weil, wir haben schon miteinander abgestimmt, wie es in der Geschichte weitergeht. Heute ist das eher seltener mit dem Zusammen-Zeichnen; meistens läuft das jetzt so: Einer hat eine Idee für einen Comic, wir reden drüber und ich zeichne das dann.

René Roggmann: Es gibt da aber keine klare Aufteilung, wer wann was macht. Einer hat vielleicht ’ne Idee, was passieren soll, der andere dann vielleicht was gesagt wird usw.

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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2008
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