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COMIC!-JAHRBUCH 2009

Bester Independent Comic:
«Liebe schaut weg» von Line Hoven

Von Nina Mahrt


COMIC!: In den letzten Jahren sind schon einige kürzere Comics von dir erschienen. Weil «Liebe schaut weg» aber dein erster längerer Comic ist, darf ich dich sicher noch fragen, wie du zum Comiczeichnen gekommen bist.

Line Hoven: Natürlich! Während meines Studiums an der HAW Hamburg1 habe ich Kurse bei Atak und Anke Feuchtenberger belegt. Da habe ich dann zum ersten Mal die großartigen Comics und Arbeiten von z. B. Burns, Clowes und Gorey gesehen. Ich wollte eigentlich schon immer Comics machen und hatte in meinen Arbeiten davor auch einen offensichtlichen Hang dazu. Aber ich habe mich einfach nicht getraut, weil ich dachte, Comics müssen aussehen wie Superhelden-Comics. Vor allem Atak hat mich dann unheimlich motiviert und mich ermutigt, es einfach mal zu versuchen. Über ihn entstand dann auch der Kontakt zu Reprodukt und zu anderen Comiczeichnern an der Hochschule, die sich in seinem Kurs gefunden hatten.

COMIC!: Du hast also die Comicszene von Anfang an von innen kennengelernt. Inwiefern haben dir diese Kontakte genützt?

Line Hoven: Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Am Anfang gab es so eine Szene ja gar nicht. Die Gruppe um das Orang-Magazin ist erst langsam entstanden. Durch das Kurs-Projekt «Klassenfahrt» bei Atak, das dann als Buch bei Reprodukt erschienen ist, gab es die erste Veröffentlichung bei einem Verlag – am meisten habe ich persönlich daher Atak zu verdanken. Mittlerweile erscheint auch Orang bei Reprodukt, aber das war zu Hochschulzeiten ja nicht abzusehen. Außerdem war da einfach eine Atmosphäre, in der man das Gefühl hatte, man kann etwas Neues ausprobieren.
Heute ist die Orang-Gruppe ein wichtiges Forum, um Kritik und Anregungen zu bekommen. Oft aber auch nur ein Haufen Leute, mit denen ich herrlich albern und vollkommen unproduktiv sein kann.

COMIC!: Was würdest du anderen jungen Comiczeichnern raten, wenn es darum geht, in der Szene Fuß zu fassen oder einen Fuß in den Markt zu bekommen?

Line Hoven: Keine Ahnung. Dafür gibt es keinen Plan. Man sollte seine Sachen machen, selbst kopieren und herausbringen. So haben wir es am Anfang auch gemacht. Vieles davon war nicht gut, aber es hat Spaß gemacht und man lernt dazu.
Ich hatte einfach verdammt viel Glück. Außerdem empfinde ich das ganze nicht als Markt, bei dem man seine Füße irgendwo reinstecken kann. Meine Arbeit ist immer noch nicht lukrativ, sondern eine Tätigkeit, der ich aus nicht wirklich rationalen Gründen nachgehe.

COMIC!: Aber es ist sicherlich eine große Hilfe, mit anderen Comicschaffenden Kontakt zu haben und zu sehen, was andere machen und wie sie arbeiten. Eben weil die Arbeit selbst ja meistens eher im Alleingang erledigt wird.

Line Hoven: Auf jeden Fall! Ich schätze die Meinungen und Arbeiten der anderen Orang-Mitglieder sehr. Aber auch außerhalb der Gruppe gibt es bei den vielen Comicausstellungen und -veranstaltungen immer wieder die Möglichkeit, mit anderen Zeichnern zu reden und ihre Arbeiten zu sehen. Es ist natürlich super, wenn man nach dem Studium noch die Gelegenheit zu so einem Austausch hat ... Sonst wäre es manchmal doch etwas einsam.

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