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COMIC!-JAHRBUCH 2009

Zeichnen und zeichnen lassen
Interview mit Christof Ruoss (COMICON)

Von Burkhard Ihme


COMIC!: Wie bist du zu den Comics gekommen? Als Leser, Zeichner, Herausgeber ...

Christof Ruoss: Hmm ... Als Leser eher aufhaltsam: In meinem gutbürgerlich studierten Elternhaus waren Comics in den späten 60ern und bis Mitte der 70er Jahre eigentlich noch ein Tabu. Natürlich besorgt man sich – der Reiz des Verbotenen – als kleiner Schlingel dann trotzdem das eine oder andere geborgte Lesefutter und trägt es unterm Pullover versteckt nach Hause, um es dort abends unter der Bettdecke zu lesen. Auch der eine oder andere heimliche Flohmarkt-Kauf war schon mal drin... Aber als regelmäßigen Comicleser konnte man mich bis in die Pubertät hinein wohl nicht bezeichnen – eher ein Späteinsteiger also. Die typischen Einstiegsserien dieser Zeit gingen daher auch großteils an mir vorbei oder wurden nur per Zufall entdeckt. Ich erinnere mich an das eine oder andere FIX UND FOXI, einige FELIX-Sonder- und Ferienhefte ... Und bald dann auch schon an vereinzelte MV-COMIX, die TOPIX-Alben von Bastei ... Und natürlich an PRIMO. Das sind die wenigen Erinnerungen aus der Zeit der heimischen Prohibiton.
MICKY MAUS reizte mich überhaupt nicht, wie übrigens später auch die Superhelden, und für Lehning kam ich ohnehin zu spät.
Irgendwann ließen meine wohlmeinenden Eltern dann «Asterix» zu ... Und kurz darauf war’s um mich geschehen: Der definitive Einstieg ins Comic-Universum erfolgte um 1977 mit ZACK – das war die Endphase und nochmalige inhaltliche Blütezeit NACH Wiechmann und Co. – durch den ZACK-Club und die in der Clubzeitung großzügig gestreuten Hintergrundinfos zu Zeichnern und Autoren wurde ich dann auch sehr schnell auf die «Szene» an sich aufmerksam ... Und auf Fachmagazine und Fanzines.
Mit Carlsen wurde ich ab Anfang der 80er treuer Alben-Käufer, und dann ging’s so langsam schon zum Ernst des Lebens und in die nicht mehr nur Leser-Phase über.
Zu zeichnen begann ich wohl ab Mitte der 70er. Anfangs war das wenig mehr als die üblichen Schulheftkritzeleien, aus denen allerdings rasch ganze 20–24seitige – ausschließlich gepencilte – Comicheftchen wurden. Vorbilder gab es viele, die wechselten zu dieser Zeit nahezu im Wochenrhythmus. Ab Anfang der 80er Jahre etwa wurde es langsam ernster. Ich begann meine Mängel zu erkennen und die Ansprüche hochzuschrauben. Gleichzeitig kam es zu ersten Veröffentlichungen und bald zu einem regelmäßigen Strip in der Schülerzeitung. Ich versuchte mich immer intensiver autodidaktisch weiterzubilden.
Mit der Fanzine-Szene konnte ich nie so richtig warm werden, und so blieb es dann nach der Schulzeit erst mal wieder vorwiegend bei der Produktion für die Schublade, was einige Jahre lang wohl auch das beste war. Mein Anspruch an das, was mir gefiel und was ich somit auch selbst gerne erreicht hätte, wuchs stets überproportional zu meinen eigenen künstlerischen Fähigkeiten, und so lernte ich bald schon, mich diesbezüglich zu bescheiden und meinen eigenen Sachen den richtigen Stellenwert gegenüber der Arbeit von Kollegen und dem Gesamtgefüge im Markt beizumessen.
Und dieses Wissen um die eigenen Unzulänglichkeiten einerseits sowie die Tatsache, daß ich mich mit den eigenen Ambitionen und Vorlieben irgendwie in der Fanszene der 80er-Jahre deplaziert fühlte, führte dann schlußendlich wohl auch zu ersten eigenen herausgeberischen Aktivitäten.

COMIC!: Welche künstlerische Ausbildung hast du?

Christof Ruoss: Keine (wenn man mal von zwei Jahren Kunst-Leistungskurs in der Gymnasial-Oberstufe absieht). Nach dem Abi war für mich mit geregelter Ausbildung Schluß – ohne daß dem allerdings ein gezielter Entschluß zugrunde läge. Ich wollte im Grunde stets so ziemlich genau dahin, wo ich heute stehe ... Und dafür gab es nun mal keinen so klar vorgezeichneten Weg. Es ergab sich einfach so – was ich bin und was ich kann,hab ich «by doing» gelernt ... Und jeden Tag kommt ein neues Puzzlesteinchen hinzu.

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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2008
240 Seiten S/W
EUR 15,25
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