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COMIC!-JAHRBUCH 2008

Von kalten Herzen und heißen Tropen
Interview mit Hannes Rall

Von Burkhard Ihme


COMIC!: Unsere klassische Einstiegsfrage: Mit welchen Comics und Trickfilmen bist du aufgewachsen?

Hannes Rall: In erster Linie mit ZACK, das heißt den klassischen, hauptsächlich frankobelgischen Serien: «Prinz Eisenherz», «Tim und Struppi», «Leutnant Blueberry». Als ich älter wurde kamen die experimentelleren Sachen dazu, vor allem Muñoz und Sampayo [der Zeichner José Muñoz und sein Texter Carlos Sampayo], mit knapp zwanzig entdeckte ich RAW (weniger die Arbeiten von Art Spiegelman selber, aber die Zeichner, die er dort präsentiert hat), dann die ganze New-Wave-Ligne-Claire mit Ever Meulen, Yves Chaland, Serge Clerc, Ted Benoît. Außerdem eine ganz große Liebe zu frankobelgischen Semifunnys. Und im Trickfilm schon sehr früh «Die Abenteuer des Prinzen Achmed», der Scherenschnittfilm von Lotte Reiniger.

COMIC!: Wann hast du das Stuttgarter Trickfilmfestival kennengelernt? Schon vor deiner Zeit an der Stuttgarter Kunstakademie?

Hannes Rall: Genau in dem Jahr, als ich mich beworben habe, war ich auf dem Trickfilmfestival, das muß das zweite – 1984 – gewesen sein. Ich kann mich noch an einen ganz aberwitzigen Film erinnern, der irre Kamerafahrten, durch Beine hindurch, dann über Berge und unglaubliche Perspektivveränderungen hatte, alles handgezeichnet natürlich. Das war schon ein Flash-Erlebnis, mit der Welt dieser Art der Animation in Berührung zu kommen. Das lief aber immer parallel mit der Bewunderung für den klassischen Trickfilm. Für mich war das nie ein Gegensatz. Ich kann genauso Milt Kahl, der den Shir Khan im «Dschungelbuch» animiert hat, für seine Arbeit respektieren, wie ich Muñoz und Sampayo für ihre zeichnerisch völlig anders gelagerte Arbeit bewundern kann.

COMIC!: Hast du dich mit Blick auf Trickfilm an der Akademie beworben? Oder kam der erst als Pflichtfach auf dich zu?

Hannes Rall: Das Feuer für Trickfilm war schon geweckt. Der springende Punkt war für mich, daß man da Bild und Ton, Bild und Musik verbinden kann. Aber ursprünglich wollte ich Comics zeichnen.

COMIC!: War Stuttgart deine Wahl aufgrund der räumlichen Nähe zu deinem Wohnort?

Hannes Rall: Der erste, wenn auch indirekte Kontakt, war über Uli Gleis, der auch in Tübingen wohnte und zu der Zeit Graphik Design an der Kunstakademie studierte. Dem hab ich bei seinen Trickfilmen ein wenig geholfen, und das fand ich schon klasse, was der da machte. Volker Engel, den ich im Studium dann kennenlernte, hat in ganz Deutschland nach dem passenden Studiengang gesucht und ist dann von Bremerhaven aus in Stuttgart gelandet. Ich hatte einfach das Glück, daß ich nur 40 Kilometer fahren mußte.

COMIC!: Wir haben ja im Abstand von einigen Jahren bei Professor Albrecht Ade an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart in etwa die gleiche Ausbildung genossen, die dem Prinzip «Learning by Doing» huldigte, ohne daß eine wirkliche Einführung in die Grundlagen der Animation erfolgte.

Hannes Rall: Man muß das im Zusammenhang sehen: Den Trickfilm über die Kunsthochschulen für andere graphische Ausdrucksformen als das Kopieren der amerikanischen Standards zu öffnen, war sehr wichtig. Dabei stand das Vermitteln des reinen traditionellen Handwerks zunächst nicht im Vordergrund, aber mit Thomas Meyer-Herrmann [1984–1988 Lehrbeauftragter für Trickfilm] hat sich das in einer, sagen wir mal, «evolutionären Weise» geändert. Das Entscheidende ist für mich aber, daß Professor Ade schon damals eine Vision hatte, wohin der Animationsfilm gehen wird. Er hat gesehen, daß Computeranimation das Thema der kommenden Jahre ist, er hat das Trickfilmfestival in Stuttgart und die Filmakademie Ludwigsburg auf die Schiene gesetzt, er hat ein Gespür für die Leute gehabt, die er als Studenten ausgesucht hat. Für mich war das eine sehr gute Ausbildung.

COMIC!: Warst du nicht einer der ersten Studenten an der Filmakademie?

Hannes Rall: Ich habe zu dem Jahrgang gehört, der im Anschluß an das Diplom an der Kunstakademie 1991 ein Aufbaustudium an der Filmakademie gemacht hat. Dazu gehörten auch Andreas Hykade [heute Professor an der Gesamthochschule Kassel], Michael Meier [Storyboard für «Moon 44» schon während des Studiums in Stuttgart] und Volker Engel [Oscarpreisträger für «Independent Day»].

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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2007
232 Seiten S/W
EUR 15,25
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