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COMIC!-JAHRBUCH 2008

Preisträger 2007
Sonderpreis der Jury für eine
bemerkenswerte Comicpublikation:
WOC: Die Zauberflöte

Interview von Heiner Lünstedt


An einem sonnigen Tag traf ich mich mit Franzis Chibiryu, Emma Gottmann, Evi Poxleitner und Samar Ertsey von WOC, um ihnen zu ihrem Preis zu gratulieren und mit ihnen über ihre zukünftigen Projekte zu reden.


COMIC!: Ihr habt hier gerade in der Pasinger Fabrik euren Zeichenkurs gehabt. Wie muß man sich das vorstellen?

WOC: Das ist seit bald vier Jahren ein wöchentlicher offener Workshop, an dem jeder teilnehmen kann. Wir haben das an unsere eigenverwaltete Tochter-Organisation MICS – die Münchner Initiativ-Comicschule – übergeben, während wir von WOC uns auf andere Projekte wie z.B. auf «Die Zauberflöte» konzentrieren.

COMIC!: Was genau ist WOC?

WOC: Wir selber sehen «WOC – World Of Comics» als Künstlergemeinschaft, die sich auf hochwertige Comics und Manga spezialisiert hat und im eigenen Auftrag zeichnet und schreibt. Wir bieten Kunden alle Arten grafischer Dienstleistungen an, sowie Eventgestaltung und Design. Dabei gibt WOC jungen Künstlern die Möglichkeit, sich an professionellen Arbeiten zu erproben und erste Referenzen zu sammeln.

COMIC!: Für «Die Zauberflöte» habt ihr den ICOM-Preis für eine «bemerkenswerte Comicpublikation» erhalten. Euer Auftritt bei der Preisverleihung auf dem Münchner Comicfestival war ja schon fast oscarreif. Konntet ihr dabei auf eure Cosplay-Erfahrungen zurückgreifen?

WOC: Naja ... Das ist eher ein Hobby am Rande. WOC steht ja auch so öfter im Rampenlicht. Wir sind seit Jahren auf den wichtigen Comic-Messen vertreten und arbeiten bei Live-Events mit dem jourfixe-muenchen.de zusammen. Außerdem haben wir alle zwei Monate einen Auftritt auf der Comic- und DVD-Börse hier in München.

COMIC!: Wie hat das angefangen mit eurem Comic zu «Die Zauberflöte»?

WOC: Da war viel Zufall im Spiel. Conny Beckstein von der Pasinger Fabrik hat mit uns einen Zeichenwettbewerb ausgerichtet, und dazu ist unser Begleitheft erschienen. Dadurch und durch unsere Homepage www.worldofcomics.de ist Karin Windorfer vom Gloor Verlag auf uns aufmerksam geworden. Eine von unseren Zeichnungen hat sie an die Königin der Nacht aus der Zauberflöte erinnert.

COMIC!: Wußtet ihr, bevor ihr mit dem Comic angefangen habt, viel über die Mozart-Oper «Die Zauberflöte»?

WOC: Einige von uns kannten das Werk aus dem Musikunterricht. Wir haben uns dann aber sehr intensiv mit dem Libretto von Emanuel Schikaneder beschäftigt.

COMIC!: Das ja dem Comic auch komplett und kommentiert beiliegt …

WOC: Ja, das war das große Anliegen von Frau Windorfer, die ein pädagogisches Comic-Konzept entwickelt hat. Wobei es gar nicht so einfach war, die Ur-Fassung des ältesten Librettos zu finden. Bei späteren Inszenierungen der Oper – z. B. von Goethe – wurden viele als politisch anstößig empfundene Textstellen entfernt. «Die Zauberflöte» wurde mehr und mehr zu einem Märchen für Kinder, während unsere «Comic-Inszenierung» so nah wie möglich an der Urfassung sein sollte.

COMIC!: Wäre es nicht auch sinnvoll gewesen, dem Comic eine CD mit Mozarts Musik beizulegen?

WOC: Das erschien uns überflüssig und hätte nur den Preis in die Höhe getrieben. Man kann jede beliebige Aufnahme der «Zauberflöte» nehmen und den Comic begleitend lesen. Wir haben es selber ausprobiert. Es macht Spaß.

COMIC!: Euer Album erscheint unter dem Label «Manga meets Classics», was sich ja auch im Zeichenstil niederschlägt. Das Format hingegen ist ja eher «frankobelgisch», wäre ein Taschenbuch nicht leichter an den Manga-Fan zu bringen?

WOC: «Die Zauberflöte» war ja in erster Linie als Kinderbuch gedacht und ist daher auch farbig. Es sollen also Eltern angesprochen werden, die das Buch ihren Kindern schenken, um diese mit Klassikern vertraut zu machen.

COMIC!: Unter «Classic» versteht ihr dann also auch das klassische Albumformat.

WOC: Ja, wir wollten den Comic übersichtlich gestalten. Manche Kunden könnten sonst dem «ungewohnten» Layout mit Vorurteilen begegnen.

COMIC!: Wobei gerade bei Kinderbüchern von den Verlagen ein comichafter Zeichenstil nicht sehr gerne gesehen wird.

WOC: Wir haben aber auch sehr viel positive Resonanz bekommen, gerade von älteren Leuten, die z.B. von den Farben sehr begeistert waren.

COMIC!: 12,90 € ist ja noch ein recht humaner Preis für ein farbiges Hardcoveralbum mit 64-seitigem Anhang. Den Operngänger wird man damit aber wahrscheinlich nicht erreichen, oder?

WOC: Wir probieren es und haben u.a. bei mehreren Opernhäusern angefragt, ob es nicht möglich wäre, den Comic probehalber auszulegen. Es gibt ja immer wieder Aufführungen der «Zauberflöte» extra für Kinder, und da wäre es sicher clever, das Ding dort zu haben.

Auf den Geschmack gekommen?
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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2007
232 Seiten S/W
EUR 15,25
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