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COMIC!-JAHRBUCH 2008

Herausragendes Szenario:
«Dipperz» Band 3 «1982: Grüne Hölle – Blankas Weg»
von Rochus Robi Hahn und Andreas Robert Drude
Interview mit Robi

Von Burkhard Ihme


COMIC!: Du hast den ICOM Independent Comic Preis für das Szenario des dritten Teils der Serie «Dipperz» erhalten. Kannst du etwas zu dieser Figur erzählen, die ja schon länger durch dein Werk geistert (auch «Der Ring des Meisters», für den Geier 2000 den Preis für den besten realistischen Comicbeitrag erhielt, handelt, wenn ich mich recht entsinne, von Dipperz)? Wie alt ist Dipperz eigentlich in der Geschichte, die 1982 spielt (der erste Band der Serie spielte im 1. Weltkrieg)?

Robi: Ja, der Dipperz. Das ist in der Tat eine längere Geschichte. Angefangen hat alles in den Gründungstagen von MENSCHENBLUT. Mille (Michael Möller), Bildermicky (Michael Hau) und ich hatten so manche Session. Wir zeichneten und tranken und texteten so allerlei. In späteren Zeiten wäre Dipperz vielleicht so eine Art Dünnschiß-Funny geworden, wie wir später viele gemacht haben. Mille zeichnete die erste Dipperz-Geschichte, damals nichts anderes als schwarzer Humor. Der unheimliche Arzt, der hypnotisierte und Beine absägte, machte uns Spaß und wurde bei uns selbst eine Kultfigur. Dann wurde MENSCHENBLUT indiziert, und erst zehn Jahre später ging es weiter. MENSCHENBLUT entwickelte sich vom Trash zum guten Horror-Storytelling. Wir überlegten, aus Dipperz eine ernsthaftere Figur zu machen und ihn zu ergründen. Ich weiß nicht mehr genau wieso, aber wir entschieden uns, seine Chronologie bewußt chaotisch anzulegen. Das hatte dann System. Geboren wurde Dipperz Ende des 19. Jahrhunderts und ist beim Beginn des ersten Weltkrieges etwa 17 Jahre alt. In «Grüne Hölle» ist Dipperz bereits 85. Aber Ende der fünfziger Jahre geschieht etwas, das den Alterungsprozeß bei ihm aussetzt. Deswegen ist er immer etwa 60 Jahre alt bei allen Geschichten, die nach 1960 spielen. Diese Geschichte weiß ich schon, hab sie aber noch nicht aufgeschrieben. In jedem Fall werde ich Dipperz weiterverfolgen.

COMIC!: Du schreibst Drehbücher und Szenarios sowohl für Film und Fernsehen als auch für Comics. Sind die Herangehensweise und die dramaturgischen Kniffe vergleichbar? Lassen sich zum Beispiel Setup, Plot-Point und Zentraler Punkt, die Syd Field für ein 120-Seiten- Drehbuch entwickelt hat, auf ein Comic-Szenario runterbrechen?

Robi: Absolut vergleichbar. Ich bin der Autor und der Zeichner ist Regisseur, Ausstatter und Darsteller in Personalunion. Das, was bei den Comics besser ist, ist, daß ich dort einen Namen mit einem gewissen Gewicht habe. Die Zeichner bemühen sich, es mir recht zu machen. Die Regisseure beim Film und Fernsehen interessieren sich in der Regel nicht die Bohne für die Ansicht des Autors.

COMIC!: Verwendest du diese in Zelluloid gemeißelten Gesetze bei deinen Drehbüchern? Und welche dieser Ratgeber hast gelesen und verinnerlicht? Sicher Syd Field, Eugen Vale, eventuell C.P. Hant ...

Robi: C.P.Hant kennen ich nicht und die anderen beiden habe ich nicht gelesen. Es ist sicher nicht falsch, was sie schreiben, aber mich haben sie nie interessiert. Entweder du hast ein Talent zu erzählen oder nicht. Ein guter Autor arbeitet ganz unbewußt nach dem Regelwerk und bricht es auch, wenn es für ihn stimmt. Beim Lesen meiner Texte spüre ich ganz genau, wenn sie nicht effektiv sind oder plötzlich die Luft raus ist. Ich bin ein Spannungserzähler und will die Leser in meinen Bann ziehen. Ich gehöre eher zur Kategorie Stephen King als zur Gabriel-García-Márquez-Fraktion. Ich habe es im Gefühl, ob die Story gut läuft oder nicht. Aber das kann mich auch täuschen, oder zumindest müssen andere dieses Gefühl nicht teilen. Ich habe vor kurzem eine Überarbeitung des zweiten Teils vom Kinofilm «Hui Buh» schreiben sollen. Es gab eine Sitzung, in der auch Bully dabeiwar, der ja den Hui Buh spricht. Er entwickelte da eine Geschichte, die mich sofort ansprang. Ich sagte dem Produzenten, daß ich nicht sicher bin, ob ich es hinkriege, aber als ich anfing zu schreiben, ging es unglaublich ab. Die Geschichte ist förmlich aus mir herausgebrochen. Das war irre. Es war wie ein guter Manga. So wie ein gutes Segment von «Dragon Ball Z» oder «Alita». Seit langem das beste Buch, das ich geschrieben hatte. Aber der Produzent hat es gehaßt. Und Bully, dem es, denke ich, gefallen hätte, hat es nie zu Gesicht gekriegt.

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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2007
248 Seiten S/W
EUR 15,25
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