Ich hab noch eine Kiste in München
Einige subjektive Eindrücke vom Comicfestival 2007
Von Heiner Lünstedt
Am Sonntagabend noch abgefüllt mit den zahllosen Eindrücken von vier prallen Tagen auf dem Comicfestival kaufte ich mir die drei großen Münchner Tageszeitungen. Ich hatte nicht mit großen abschließenden Berichterstattungen gerechnet, war aber doch entsetzt darüber, überhaupt keine Notiz über das Festival zu finden. Leider gibt es meist nur Ankündigungen im Vorfelde und mehr nicht. Daher und auch weil ich sehr stark in die Durchführung der Veranstaltung eingebunden war an dieser Stelle ohne Anspruch auf Vollständigkeit einige, manchmal sehr persönliche Eindrücke vom Comicfestival.
Zunächst war ich höchst skeptisch, als zu erfahren war, daß das direkt am Marienplatz gelegene Alte Rathaus und die mir nicht weiter bekannten Kunstarkaden die neuen Veranstaltungsorte sein sollten. Doch nachdem im Rahmen der Pressekonferenz und Aufbauarbeiten endlich Zutritt zum großen Saal möglich wurde, war ich angesichts der Dimensionen und der Pracht des riesigen Raumes mit der kunstvoll verzierten, gewölbten Decke mehr als angenehm überrascht, und Vorfreude machte sich breit.
Die Vernissage der Ausstellungen am Mittwoch war dann leider eher zweckmäßig, recht schwach besucht und daher auch schnell vorbei. Doch die folgenden vier Tage wurden von allen von mir befragten Anwesenden als eine äußerst schöne Zeit empfunden.
Als erster großer Programmpunkt des Donnerstags gab es einen höchst professionell durchgeführten Modenschau-Wettbewerb «Catwalk Couture für Superheldinnen Fashionshow vom Catsuit bis zum Abendkleid». Diese Veranstaltung, die «Mothgirl» für sich entscheiden konnte, zog auch Publikum von außerhalb der Comicszene an.
Am Abend folgte die PENG!-Preisverleihung mit Co-Moderatorin Claudia Schöne und den bewährten musikalischen Partnern Alex Haberkorn, Helmut Reimschlüssel und Tinno Niekerke («Bat Boys»/«Trikorder»). Bevor Frau Alexandra Kauka einen PENG!-Preis für das Lebenswerk ihres Mannes erhielt und nachdem Fredi Öttl für seine Zeichenwettbewerbe «Comixs» im Veranstaltungszentrum «FestSpielHaus» für «besondere Leistungen für die Münchner Comic-Kultur» ausgezeichnet wurde, gab es noch sechs weitere Trophäen zu verleihen. Der Preisträger im Bereich Manga wurde ermittelt von den Online-Mitgliedern von www.animexx.de. Dort haben 1.699 angemeldete User abgestimmt und sich mit überwältigender Mehrheit für «Death Note» (Tokyopop) entschieden. Die übrigen Preise ermittelte eine 60-köpfige Jury aus professionellen Comic-Zeichnern, -Autoren und -Experten in einer Online-Abstimmung. Prämiert wurden «Cash» (Carlsen) von Reinhard Kleist als «bester deutscher Comic», «Monster Allergy» (Ehapa) von Alessandro Barbucci, Barbara Canepa u.a. als «bester europäischer Comic», «Tagebuch einer Reise» (Reprodukt) von Craig Thompson, die «Reddition» (Edition Alfons) als «beste Comic-Sekundärliteratur», die «Peanuts-Werkausgabe» als «beste Neuveröffentlichung eines Klassikers» und «Sin City» als «beste Comicverfilmung».
Am Freitag stand u.a. eine Gesprächsrunde zum Thema «Fix und Foxi Forever» auf dem Programm. Zuvor hatte es mit Kauka Promedia einiges Hin und Her bezüglich der hervorragend gestalteten und mit sehr vielen Originalen ausgestatteten Rolf-Kauka-Ausstellung gegeben. Anscheinend wollte die Firma unbedingt ins Guinness Buch der Rekorde, denn unter jede Tafel in der Ausstellung mußte mit «World Copyright: © Rolf Kauka 1953/2000 & Kauka Promedia, Inc. 2001/2007. Alle Rechte vorbehalten! Kauka Licensing by: Andromeda ccm gmbh» ein weltweit wohl konkurrenzlos langer Copyright-Vermerk plaziert werden. Doch während des gesamten Comicfestivals und auch im Podiumsgespräch war Frau Kauka ausgesprochen entspannt und unkompliziert. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, bei einer Signieraktion Mangafiguren zu zeichnen.