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COMIC!-JAHRBUCH 2007

Der US-Comicmarkt 2006

von Stefan Pannor
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Eigentlich ist das mit den Superhelden-Comics ganz einfach. Nehmen wir nur diese Geschichte:
Der Superman von Erde 2, die Lois Lane von Erde 2, Alexander Luthor von Erde Drei und Superboy von Earth Prime brechen aus ihrem Gefängnis, einem winzigen Taschenuniversum, aus, um Erde 2 wiederherzustellen – ein Paralleluniversum von vielen, das vor inzwischen schon geraumer Zeit zerstört wurde. Dabei suchen sie die Hilfe von Supergirl, die zwar auf Erde 1 lebt, aber von Erde 2 stammt.
Soweit der Auftakt von «Infinite Crisis», nicht mehr und nicht weniger als die erfolgreichste Miniserie des vergangenen Jahres von DC. Basierend auf Konzepten und Plots, die bereits vor 20 Jahren eingeführt wurden. Von außen betrachtet: ein endloser Universen-Mischmasch, voll von Figuren, die nur hartgesottene Geeks kennen. Für Neulinge und Spontanleser nahezu undurchschaubar.
Wie gesagt: Eigentlich ist das mit den Superhelden-Comics ganz einfach.
Wenn man ein Geek ist.

1. When Crossovers clash. Comics im US-Fachhandel

Daß die US-Comicshops ein zweites Heim sind für eine zunehmend ältere, aber derzeit weitgehend stabile Leserschaft mit langjähriger Leseerfahrung, ließ sich bereits aus den Jahrbuchartikeln zum US-Markt der vorhergehenden Jahre ablesen.
Auch 2005/06 hat sich daran nicht viel geändert. Während der Buchhandelsmarkt für Comics weiter laufenden Umwälzungen unterworfen ist (siehe unten), bieten Comicshops ein weitgehend vertrautes Muster. Relativ überschaubare Verkäufe, vorrangig im Bereich der Superhelden, bestimmen das Bild – egal, ob als Heft, Paperback oder in Form des relativ neuen Digest-Taschenbuchs (eine verkleinerte Version des Paperbacks). Mangas, Comicstrips, Independent-Comics und Comics für Kinder, im Buchhandel inzwischen tonangebend, finden im Fachhandel nur sehr begrenzt statt.
Damit definieren diese Comicshops ihr eigenes Ghetto und sperren sich weitgehend von den aktuellen Marktentwicklungen aus. Dennoch deuten sich zumindest Verschiebungen auch auf diesem Markt an, und die Shops profitieren, wenn auch eher indirekt, scheinbar vom anhaltenden Boom der Comicverfilmungen und der steigenden Nachfrage nach Comics im allgemeinen.
Aber zunächst einmal das Grundsätzliche. Der durchschnittliche Preis für ein reguläres Comicheft beträgt inzwischen 2,99 $ in den USA. Hefte für 2,50 $ und darunter gibt es praktisch nicht mehr, sieht man einmal ab von Promotional-Issues zu Dumping-Preisen und von den speziell für Kids produzierten und über Supermärkte vertriebenen Comics von Marvel und DC. Diese 2,99 $ stellen bis auf ganz wenige Ausnahmen auch den Minimalpreis für ein reguläres Comicheft (32 Seiten, farbig, davon 22 Seiten Comic) dar. Ursache hierfür ist eine abrupte und radikale Preiserhöhung sowohl bei Marvel als auch bei DC im Frühsommer 2006 – innerhalb nur weniger Wochen hoben beide Verlage ihre Preise auf nahezu einheitliches Niveau an, unabhängig vom vorherigen Preis der Hefte. Weder klassische Serien, die bisher trotz schlechter Verkäufe eher aus Sympathie einen niedrigeren Preis hatten (allen voran «Action Comics» und «Detective Comics» mit Superman bzw. Batman) noch Bestseller wie die «New Avengers» von Brian Bendis blieben verschont. Insgesamt knapp 10–15 % aller monatlichen Heftserien waren von dieser Umstellung betroffen, darunter fast die gesamte umfangreiche Riege der Batman-Titel.
Ausrisse nach oben sind dabei weiterhin vorhanden, vor allem bei Marvel, der Miniserien zu noch höheren Preisen auf den Markt presst, und natürlich bei den Kleinverlagen. Hierbei ist anzumerken, daß diese Titel in Umfang und Ausstattung oft keinen relevanten Unterschied zu den übrigen Serien aufweisen. Marvel etwa publiziert «The Eternals», Neil Gaimans neue Miniserie, für satte 3,50 $ bei marktüblichem geringen Comicanteil vom 22 Seiten. Einziger Unterschied: der verstärkte Heftumschlag, das sogenannte Cardboard-Cover.
Wie schon in den Jahren zuvor gilt als Bestseller, was mehr als 100.000 Comics pro Ausgabe verkauft. Das schafften im angegebenen Zeitraum durchschnittlich fünf Titel pro Monat. Diese Marke wird inzwischen ausschließlich von Marvel und DC erreicht. Ehemalige Bestseller wie z.B. «Spawn» rangieren schon lange unter «ferner liefen».



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