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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2005
224 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
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COMIC!-JAHRBUCH 2006

Preisträger 2005
Bester Comic-Beitrag (Funny):
«Panik Elektro 2»
Herausgegeben von Wittek
Interview

Von Andreas Dierks


Mit seinen beiden Brüdern zeichnete Wittek in den 70er-Jahren stapelweise Comicseiten und ließ mehrere kleinauflagige Heftserien entstehen. Doch nach der Schule wie seine Brüder mit dem Comiczeichnen aufzuhören, das empfand Wittek für sich als schlichten Unsinn. Er machte weiter und kam in Fuerte Ventura am Pool auf die Idee zu «Panik Elektro». Nachwuchszeichner, die sich Tips abholen möchten, rennen bei ihm offene Türen ein.

COMIC!: Auf deiner Weihnachtspostkarte für 2005 räumt ein Pudelmützenflieger unter radfüßigen Monstern kräftig auf, was mit dem Wunsch für ein erfolgreiches neues Jahr verbunden wird. Was hat dir daraufhin das Jahr 2005 gebracht? Konntest du Monster beseitigen? An welchen Projekten arbeitest du zur Zeit?

Wittek: Das waren keine Monster in den Jahren 2003/2004, eher Naturgewalten. Direkt nach der Geburt unserer Tochter Enora – perfektes Timing –, brach jobmäßig durch die schlechte Wirtschaftslage alles dermaßen ein. Einige meiner Hauptauftraggeber zogen sich plötzlich zurück, das Finanzamt stand vor der Tür, einige Jahre vorher hatte ich ja super verdient und dann zack, von Hundert auf Null. Glücklicherweise hatte Christine, meine Freundin, wenigstens einen festen Job, so daß die Miete reinkam. Die Grußkarte hat mir anscheinend Glück gebracht, seit Anfang 2005 laufen einige Projekte mit Karl Nagel in der Alligatorfarm, ein sehr lukrativer, langwieriger Job für einen Freizeitpark in Dänemark schneite rein und zur Zeit mache ich mit einem befreundeten Animator zusammen reihenweise Werbezeichentrickspots fürs Fernsehen.
Die laufenden Projekte sind: «Perry – unser Mann im All» und ELBSCHOCK in der Alligatorfarm, der 5. BIZARR BAZAR ist fertig, aber noch nicht erschienen, der 6. ist so gut wie abgeschlossen: «Nazizombies gegen Gobbegranks», endlich wieder eine lange Geschichte auf ca. 30 Seiten. Demnächst fange ich mit einem richtigen, autobiographischem Comicroman an, der meine Kindheit und Jugend und die meiner Brüder nacherzählt. Das soll aufwendig werden, stilistisch sehr abwechslungsreich gezeichnet und auch schön umfangreich. Wird aber natürlich etwas dauern. Und meine Website kommt bald ins Netz.

COMIC!: In deinen Comics erzählst du einiges über dich, über das, was du erlebt hast. Wegen der dabei spürbaren Aufrichtigkeit im Umgang mit dir selbst und wegen des damit stets verknüpften Augenzwinkerns liest man das ungemein gern. Wünschst du dir aber im Rückblick nicht manchmal, etwas doch lieber anders dargestellt zu haben? Oder gehst du bevorzugt nach dem mittlerweile in der Szene berühmten Motto «Wer radiert, der verliert» vor? Was für Erfahrungen hast du mit dem Autobiographischen in deinen Comics gemacht?

Wittek: Genau. Wer vorzeichnet, hat Angst ... Die meisten meiner autobiographischen Comics sind spontan gemacht, sicher denke ich heute manchmal, gerade seit ich Vater bin und eine andere Sicht zu manchen Dingen habe, hui, das ging ja schon gut ab. Trotzdem ist das völlig in Ordnung, so war man halt in dem Moment, damals. Naja, vielleicht heute noch, egal. Ich stehe aber zu allem, was ich gemacht habe. Interessant finde ich aber, daß viele Zeichner, die mich persönlich nicht kennen, mich für völlig durchgeknallt halten. Das höre ich jedenfalls ab und zu. Haha! Dabei bin ich so ein Spießer!
Kennst du die CHWOUHL-Hefte? Die erste Nummer haben René Roggmann und ich in ziemlich aufgedrehter Stimmung sehr spontan gemacht und wir haben uns ständig gesagt: «Das können wir nicht bringen, das geht zu weit» und dann: «Egal, das soll jetzt richtig rocken, wir ziehn das durch, das ist der wahre Untergrund!!». Und dann setzte man den Arsch und die Eier auf den Scanner und auf der HEFTICH im Lichtmeß verkaufte sich die erste Auflage von 30 Heften in 3 Minuten. Und anschließend haben uns die Leser mit «Ihr Schweine!» beschrien. Ein bißchen zappaeske Provokation zahlt sich immer aus.


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