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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2005
224 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
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COMIC!-JAHRBUCH 2006

Die freie komprimierte Linie
Ein Interview mit Ari Plikat

von Klaus Schikowski


Ari Plikat, Jahrgang 1958 und wohnhaft in Dortmund, arbeitet schon seit über 20 Jahren als freischaffender Illustrator, Autor und Cartoonist. Er lieferte Beiträge für Werbung, Bücher, Zeitschriften, Ausstellungen und vieles Andere. Seine Ar-beiten erschienen in den Magazinen Pardon, Kowalski, Titanic, Eulenspiegel, Vorwärts, Der Rabe, in der TAZ, im «Karicartoon»-Kalender und in anderen Zusammenhängen. Zu seinen Auftragsgebern für Illustrationen zählen American Express, Sony, Nissan, Playboy, Geo, Focus, Telekom u.v.m. Ari Plikat veröffentlichte bislang fünf Bücher, drei mit Freund und Kollege Polo. Zuletzt erschien von ihm im Lappan-Verlag «So sehe ich aus, wenn ich schlafe – Hätten Sie Lust?»


COMIC!: Wie hat das bei dir mit dem Zeichnen angefangen?

Ari Plikat: Wie bei vielen Kollegen: durch Comics. Es wurde alles verschlungen, was greifbar war. Besondere Lieblinge waren Spirou, Donald Duck, Prinz Eisenherz, später Blueberry und Marvel Comics, ein neues wunderbares Universum, besonders die seltsam kantig/dynamischen Bilder Jack Kirbys. Alles, was wie Comic aussah, auch so etwas wie Lupo modern oder Wastl. Aber auch Werbebroschüren wie «Super-Kevin» für BP mit einem Kevin-Keegan-Comic, damals ein bekannter Fußballer. Ich fing an, Comicfiguren durchzupausen und zu neuen Geschichten zu basteln.
Das Zeichnen wurde eine Art Dauerbeschäftigung und brachte auch schon mal eine saftige Ohrfeige eines erbosten Lehrers ein, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Mit einem Klassenkameraden gab es Wettbewerbe, so viele Panzerknacker wie möglich in Schulhefte zu kritzeln. Ich dachte allerdings nicht daran, daraus einen Beruf zu machen, da fehlte das Selbstbewußtsein, und damals waren Comics allgemein noch zu sehr igitt in Deutschland.

COMIC!: Hattest du dich denn mal an einen Comic herangewagt? Und wenn ja, welcher Stilrichtung war dieser zuzuordnen?

Ari Plikat: Das meiste spielte sich im Franquin-Stil ab, später gesellte sich nach Entdeckung der Underground-Comics eine Vorliebe für Schraffuren nach Crumb schielend dazu. Das höchste der Gefühle waren aber zwei Seiten. Ich merkte, daß an mir kein guter epischer Erzähler verloren gehen würde, also wurde es immer reduzierter. Außerdem kann ich stundenlang überlegen, wie wohl die perfekte Zeichnung für das nächste Bild aussehen sollte, das dauert mir dann selbst zu lange. Außerdem ist das wohl ein spezifisches Problem, daß es viele toll gezeichnete Comics gibt, aber die Geschichten oft öde daherkommen.

COMIC!: Wann wußtest du, daß du mit dem Zeichnen Geld verdienen willst? Und wie bist du deinem Wunsch gefolgt?

Ari Plikat: Nach der Schule drohte der Ernst des Lebens, und ich wußte nicht so recht wohin. Es mußte irgendwie mit Zeichnen zu tun haben, also landete ich in einer Werbeagentur zur Ausbildung als Grafischer Zeichner. Das war es aber irgendwie noch nicht und so ging es dann weiter zur Fachoberschule, das hieß damals zweiter Bildungsweg. Daraufhin das Studium Visuelle Kom-munikation an der Fachhochschule in Dortmund. Ein Jahr davon am Leeds Polytechnic, wo die Studenten aufgefordert wurden, einen eigenen Stil anzustreben, ein neuer Aspekt, der dazu führte, daß ich Illustrationen mit Humor mit Stilelementen aus Comic und Cartoon machen wollte, wobei es noch manche grafische Bocksprünge gab, bis sich ein stilistischer Weg abzeichnete.

COMIC!: Was führte dich dazu, nach Leeds zu gehen? Hat die Polytechnic einen bestimmten Ruf? Oder was hast du dir von der Erfahrung im Ausland erhofft?

Ari Plikat: Leeds ist Partnerschaftsstadt Dortmunds, und es gab damals bisweilen den Studenten-Austausch für ein halbes Jahr jeweils, was aber mehr von ein paar deutschen Kommilitonen genutzt wurde. Das wiederum lag wohl daran, daß das Polytechnic tatsächlich einen ziemlich guten Ruf und qualifiziertere Möglichkeiten zu bieten hatte. Das Studium dort war kürzer und effektiver und zur Diplom-Show kamen sogar Vertreter Londoner Agenturen, um Talente abzugreifen. Die Möglichkeit, zu der Zeit in England zu sein, wo es musik- und designmäßig knallte (und mal The Prisoner und The Avengers und Top of the Pops und The Tube undundund dort im Original mitzukriegen), war schon verführerisch. Und die Suche nach Antworten, schließlich war mir überhaupt noch nicht klar, wie es später nach dem Studium weitergehen sollte.


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