Lektüre
 Independent Comic Shop   ICOM-Publikationen   Kostenlos   Fachmagazine   Sekundärliteratur 
Das COMIC!-Jahrbuch | Das ICOM!-Handbuch | Der ICOM!-Ratgeber
FILMRISS | Das verbandseigene Fachmagazin
  Alle Jahrbücher
COMIC!-Jahrbuch 2006
COMIC!-Jahrbuch 2005
COMIC! Jahrbuch 2004
COMIC! Jahrbuch 2003
COMIC! Jahrbuch 2001
COMIC!-Jahrbuch 2000
COMIC!-Jahrbuch 2006
Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2005
224 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
BESTELLEN  
COMIC!-JAHRBUCH 2006

Erfundene Storys vor realistischem Hintergrund
Ein Interview mit Willy Zeyen

Von Thees Carstens


COMIC!: Jeder, der Comics zeichnet, hat eine bestimmte Comic-Lese-Sozialisation hinter sich. Was waren die Serien und Figuren, durch die du zum Zeichnen gekommen bist?

Willy Zeyen: Die belgischen Klassiker der 50erJahre: in erster Linie Hergé. Aber auch Jijé, Franquin, Morris etc.

COMIC!: Welche Zeichner beeinflussen dich bis heute am meisten und inwiefern zeigt sich das?

Willy Zeyen: Bewußt keiner mehr. Unbewußt vielleicht Uderzo und Morris.

COMIC!: Wann hast du deine ersten Comics veröffentlicht? Was waren das für Arbeiten?

Willy Zeyen: Den ersten Comic habe ich ca. 1980 gezeichnet und rumgeschickt. Den wollte natürlich keiner drucken. Er verschaffte mir aber Zutritt zu Bastei, wo ich mich dann mit «Biene Maja» und «Captain Future» beschäftigte.

COMIC!: Du hast dich nicht nur praktisch mit Comics beschäftigt, sondern warst auch ein frühes Mitglied des ICOM, des Interessenverbandes Comic e.V. Wann war das? Warum bist du eingetreten?

Willy Zeyen: Wann das genau war, weiß ich nicht mehr. Als ich eintrat, war der Verband bereits durch Brons/ Schnurrer gegründet. Für mich war es einfach an der Zeit, statt mit Verlagen lieber mal mit Gleichgesinnten zu sprechen. Das war vorher kaum möglich.

COMIC!: Inwiefern hat sich der ICOM von damals bis heute verändert?

Willy Zeyen: Hat er sich verändert? Ich weiß es nicht. Sicher, damals gab es weniger Mitglieder. Dadurch war das Ganze persönlicher und übersichtlicher. Auch wurde nach jedem Treffen in Erlangen kräftig gefeiert.

COMIC!: Zurück zu deiner Arbeit: Du arbeitest vor allem als Grafiker für die Werbung. Inwiefern bist du als Comiczeichner für Werbeagenturen aktiv gewesen?

Willy Zeyen: Obwohl ich Rentner bin, bin ich immer noch freiberuflich tätig. Da hat sich nichts geändert. «In punkto Comics» habe ich in der Werbung wenig gemacht. Man muß klar sagen, daß es oft gefährlich ist, beide Medien miteinander zu verbinden. Für meinen Kundenbereich boten sich Comics nur selten als Lösung an.

COMIC!: Von Wilhelm Herzog stammt das Szenario zu dem Funny-Album «Leo der Größte», das du gezeichnet hast, und das 1989 veröffentlicht wurde. «Die seltsamen Abenteuer der furchtlosen Freunde des Leonardo da Vinci» heißt es im Untertitel. Wie entstand die Idee zu diesem Comic, was hatte das Magazin Stern damit zu tun, und warum prangt eine Mona Lisa von MAD-Legende Don Martin auf der Rückseite?

Willy Zeyen: Der Verleger Klaus Recht, Inhaber des damaligen Williams-Verlags in Hamburg, brachte «MAD Deutschland» heraus. Daher die Rückseite. Klaus Recht kannte die Hamburger Verlegerszene sehr genau. Daher konnte er – so glaube ich – ziemlich problemlos den Comic (in gekürzter Form) fast ein Jahr lang im Stern-TV-Heft unterbringen.
Die Idee zu «Leo» stammte von Klaus Recht und Wilhelm Herzog. In einer ICOM-Ausstellung beim Comic-Salon in Erlangen sah er einige Zeichnungen von mir und rief mich später an. Er glaubte, ich sei der richtige Mann für sein neues «Leo»-Projekt. Ich entwarf also die Figuren und zeichnete 4 Alben, von denen nur das erste erschien. Von Nr. 2 lag zwar schon ein Andruck vor, es ging aber nicht mehr in die Auflage. Das war bedauerlich, denn dieses Heft war wesentlich besser als Nr. 1. Auch wurden die Zeichnungen im Laufe der Zeit immer besser. Irgendwann erschien auch MAD nicht mehr und das ganze Projekt ging unter. Schade.

COMIC!: Eigenartigerweise handelt die Geschichte ja gar nicht von der titelgebenden Figur Leonardo da Vinci, sondern von zwei seiner Freunde. Leonardo stellt zu Beginn nur ein wichtiges Requisit zur Verfügung, die Pläne für eine unsichtbarmachende Tarnkappe. Nichtsdestotrotz kann man sagen, daß die Geschichte einen der gelungeneren Versuche darstellt, einen deutschen «Asterix» zu etablieren. Ein historisches Setting wird humorvoll und mit guten Gags aus der Gegenwart heraus interpretiert. Würdest du dieser Beschreibung zustimmen?


Auf den Geschmack gekommen?
Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2006