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COMIC!-Jahrbuch 2005
Burkhard Ihme (Hrsg.)
November 2004
224 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
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COMIC!-JAHRBUCH 2005

Dänische Delikatessen
Von Hans Christian Andersen bis Komiks.dk

Von Martin Frenzel


Klein, aber oho - das gilt gewiß nicht nur für das weltweite Fernsehereignis der Kronprinzen-Hochzeit mit der schönen Prinzessin Mary, sondern auch für viele andere Lebensbereiche. Es trifft allemal auf die dänische Comic-Produktion zu. Zwischen Herbst 2003 und Herbst 2004 wartete man im Norden wieder einmal mit zahlreichen «dänischen (Comic-) Delikatessen» auf. Das Jahr 2005 steht - nicht nur im Comic-Bereich - in Dänemark und weltweit im Zeichen des runden Jubiläums des genialen Märchendichters Hans Christian Andersen (1805-1875): ist doch 2005 nicht nur der 200. Geburtstag des Erfinders unvergeßlicher Märchen («Das häßliche Entlein», «Die kleine Meerjungfrau» und «Des Kaisers neue Kleider», «Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern», «Das Feuerzeug», «Der standhafte Zinnsoldat», «Die Schneekönigin» oder «Die wilden Schwäne») zu feiern, sondern Dänemark geht auch mit einer ganzen Welle von Veranstaltungen und Ausstellungen zugleich seinen 130. Todestag.

Michael Maahr über die Faszination von Andersens Märchen: «Andersen schrieb für die großen Leser, aber er kapert sie in der Kindheit.» «200 Jahre Hans Christian Andersen» - keine Frage, daß dieses Ereignis seine Schatten auch im Comicmetier weit vorauswirft.
Es klingt fast wie ein Märchen, aber es ist - ganz ähnlich wie Andersens Geschichten - eigentlich nichts als die nackte Wahrheit: im Herbst 2003 präsentierte der 41jährige, in Lyon geborene Wahl-Däne, Thierry Capezzone, der obendrein in Andersens Geburtsstadt Odense auf der Insel Fünen lebt, im Eigenverlag eine zwar frei erfundene, aber doch mit einer Fülle von literarischen Anspielungen aufs Andersen-Originalwerk gespickte Geschichte um den jungen Hans Christian Andersen. Titel der wunderschönen, für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen geeigneten Geschichte: «H. C. Andersen junior: Den Magiske Hat» (Der magische Hut). Die Story handelt von den fantastischen Erlebnissen des jungen Hans Christian Andersen, die diesem zuteil werden, wenn er das Geschenk seines Großvaters aufsetzt: einen Zauberhut, der Phantasien wahrmacht. Mit anderen Worten: die Rahmenhandlung ist frei erfunden vom Duo Capezzone/Rybka, doch garnieren die Autoren in gelungener Manier ihre Geschichte mit Déja-vu-Effekten aus den bekannten HCA-Märchen: Es gibt mithin ein Wiedersehen mit der bekannteren Kleinen Meerjungfrau, dem Mädchen mit dem Schwefelhölzern oder dem Zinnsoldaten und anderen mehr. Wunderschön ist der persiflierende Einstieg: denn aus Anlaß eines Vortrags eines neunmalklugen Professors über «Hans Christian Andersens Jugend» im Königlichen Theater der Jetztzeit versammeln sich weltberühmte, freilich verblichene Dichter als Gespenster in der Ehrenloge, wie z. B. Shakespeare, Victor Hugo - und der zu spät kommende Hans Christian Andersen selbst. Es ist dann der «Geist» HCAs, der den anderen Spukgestalten auf deren Drängen hin die eigene Kindheitsgeschichte preisgibt ... Zuvor hatten Cappezone, ein erfahrener Spirou-Assistenz-Zeichner und jahrelang Schöpfer eigener frankobelgischer Comic-Serien (wie z. B. fürs Magazin SPIROU: «L’Agent 212» mit Daniel Cox/Cauvin, «ZigZag», «BC BD», «Dingo-pubs»), und sein Texter, Jan Rybka (geboren 1979 in Horsens/Dänemark), vergeblich bei etablierten dänischen Comic-Verlagen wie Carlsen die Klinken geputzt. «Die Idee hatte ich bereits Anfang 2001», erzählt Capezzone. Was folgte, war ein gewaltiger Kampf gegen das Verlagsestablishment. Die ärgern sich jetzt schwarz, daß sie das Angebot des Duos nicht annahmen. Denn die Album-Premiere rief nicht nur ein begeistertes Kritiker-Echo hervor, sondern verkaufte auf Anhieb 5.500 Exemplare. Für dänische Alben-Verhältnisse ist dies ein Riesenerfolg. Das letzte «Valhalla»-Album etwa verkaufte zuletzt «nur» 3.300 Stück.



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