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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2003
256 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
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COMIC!-JAHRBUCH 2004

Thema: Lettering
Die Schrift zum Bild
Die "Schreiber" im Interview

Von Burkhard Ihme

COMIC!: Was macht nach eurer Meinung ein gutes Lettering aus?

Dirk Rehm: Hier macht es sicherlich zunächst Sinn, zwischen Comics zu differenzieren, die sich als massenkompatible Unterhaltungskultur im weitesten Sinne verstehen - also Superhelden-Comics zum Beispiel, die zumeist in einer klar definierten Arbeitsteilung entstehen - und auf der anderen Seite (in Ermangelung eines besseren Ausdrucks) die Autorencomics zum Beispiel eines Will Eisner, Art Spiegelman oder Enki Bilal zu betrachten. Bei genre-geprägten Comics ist einfache Lesbarkeit das wichtigste Kriterium. Als eines der besten Beispiele für vielseitiges und expressives Lettering innerhalb dieses Rahmens stehen für mich nach wie vor die Arbeiten eines Ken Bruzenak, die dieser in den achtziger Jahren fast ausschließlich für Howard Chaykins Comics ("American Flagg!", "The Shadow: Blood and Judgement", "Blackhawk") gestaltet hat oder neueren Datums die Arbeiten von Todd Klein für Alan Moores America’s Best Comics ("Promethea", "Tomorrow Stories", "The League of Extraordinary Gentlemen" ). Hier sind Stil und Ausdruck des Letterings gleichzusetzen mit der Sprechweise eines Handlungsträgers im Film oder der näher umschriebenen direkten Rede in der Literatur. Das Lettering beschreibt durch ein expressives Schriftbild (zum Beispiel kursiv, fett oder "gezeichnete" Buchstaben) die Gefühlszustände einer Figur und macht somit einen elementaren Bestandteil der grafischen Gesamtwirkung aus. Bei oben genannten Autoren wie Eisner, Spiegelman etc. ist der Stil des Letterings gleichzusetzen mit der Handschrift des Zeichners, die einen wichtigen Bestandteil der Atmosphäre oder des Charmes der Arbeit ausmacht. Eine Annäherung an den Lettering-Stil des Originals halte ich von daher für sehr wichtig, um den Charakter des Originals so weit wie möglich zu wahren.

Andreas Alt: Ich habe prägende Comic-Leseerfahrungen Mitte der 70er Jahre gemacht, als es fast nur Maschinensatz gab und nur Williams Handlettering praktizierte. Das ließ mir das Handlettering äußerst extravagant und wertvoll erscheinen. Ich finde heute immer noch, dass Handlettering eine persönliche Handschrift ausdrückt. Ein Maschinensatz, der eine grafische Schrift verwendet, wird zwar dem grafischen Medium Comic immer noch besser gerecht als irgendeine Times- oder Arialschrift, kann das aber niemals ersetzen. Das Handlettering erzeugt natürlich in der Regel eine Illusion, nämlich dass es vom Zeichner selbst stammt. Das ist einfach eine romantischere Vorstellung als die Tatsache, dass die meisten Comics von Teams gestaltet werden.

Michael Möller: Es sollte dem Original weitestgehend nachempfunden sein. Und gut lesbar sein. Ein gutes Lettering ist "unsichtbar". Der Leser sollte es beim Schmökern gar nicht bemerken, so gut sollte es sich in die Originalseite einfügen. Wenn dem "Normalleser" das Lettering auffällt, stimmt etwas nicht.

Stefan Dinter: Gutes Lettering lenkt das Auge des Lesers in den gleichen Bahnen wie die Zeichnungen - dabei sollte es aber eigentlich "unsichtbar" sein, d.h. der Leser sollte sich nicht an der Schrift aufhalten, gar nicht merken, dass er liest.

Hartmut Klotzbücher: Besonders die Soundwords sollten sich möglichst harmonisch in die Zeichnungen einfügen.

Manuel Clavel: Es sollte lesbar sein (nicht immer der Fall, ob man’s glaubt oder nicht), die verwendeten Schriftarten sollten dem Flair der Geschichte gerecht werden. Und natürlich sollte man dem Original nahe kommen, da dieses meist schon durchdacht ist.

Auf den Geschmack gekommen?
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