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COMIC!-Jahrbuch 2004
Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2003
256 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
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COMIC!-JAHRBUCH 2004

DAS COMIC!-Jahrbuch 2004
Vorwort

Von Burkhard Ihme

Während allerorten über die Rezession geklagt wird, boomt der Comicmarkt in Deutschland. In den vergangenen Jahren konnten die (vergleichsweise allerdings kleinen) Branchenriesen Carlsen Comics und Egmont-Ehapa ihre Umsätze kontinuierlich steigern, ja sogar verdoppeln. Und die Kapazitäten sind noch nicht ausgeschöpft, denn immer noch sträubt sich ein großer Teil des Buchhandels, dieser wenig geschätzten Literaturform den Verkaufsplatz einzuräumen, der ihrem Potential entspricht.
Der Erfolg beruht zum größten Teil auf der Popularität, die zur Zeit die japanische Variante "Manga" genießt, aber auch die klassischen frankobelgischen Comics machten Boden gut. Dies ermutigte z.B. den "Küchentisch-Verleger" Mark O. Fischer (Epsilon) zu einer Vervierfachung seines Albenausstoßes bis 2004 (mit vier Neuerscheinungen pro Monat liegt er damit über dem Niveau des Carlsen Verlages Anfang der 80er Jahre). Nur wenige Brosamen fielen dagegen für die Independent Verlage ab. Die behelfen sich mit (wie gerade auch von der Presse registriert wurde) dem Verlegen von "erotischen" Comics (sprich Pornos - allerdings, im Gegensatz zum vorherrschenden Comicangebot, von deutschen Zeichnern mundgeblasen) oder der Veranstaltung einer aufwendigen Promotiontour wie Zwerchfells "Monsters of Comic" (die zwischen dem 16. Mai und dem 28. Juni München, Darmstadt, Stuttgart, Hamburg, Leipzig, Magdeburg, Berlin und Frankfurt heimsuchte - Bericht im Interview mit Sascha Thau ab Seite 138).
Ebenfalls nicht vom Aufschwung betroffen scheint der Comic-Presse-Markt zu sein, der zum einen vom Manga-Boom kaum profitiert, zum anderen bereits nahezu vollständig erschlossen ist (gerade Carlsen verdankt einen Großteil seiner Zuwächse im Alben- und Taschenbuch-Bereich neu gewonnenen Verkaufsstellen). Wenig hoffnungsvoll stimmt in diesem Zusammenhang auch, dass der erfolgreiche Verkauf eines MICKY MAUS-Heftes nicht von dessen Inhalt, sondern vom beigelegten bzw. zum Ärger der Sammler auf den Umschlag geklebten Gimmicks abhängt. Einen ausführlichen Marktbericht kann man im zeitgleich beim JNK-Verlag erscheinenden und vom ICOM mit herausgegebenen "Comic-Handbuch 2003/2004" lesen (siehe Seiten 75/256).
Wie schon im vergangenen Jahr widmet auch dieses COMIC!-Jahrbuch der Berichterstattung über die Planung des Erlangener Comicsalons (dessen Stattfinden nach wie vor nicht gesichert ist) großen Raum. Als Mitbegründer und 1992 geschasster Mitveranstalter dieses wichtigsten deutschen Comicfestivals beobachtet der ICOM die Entwicklungen und die Fragen um Inhalte und Finanzierbarkeit mit Interesse und Sorge, aber auch etwas geminderter Sympathie (so ließ die Platzierung des ICOM-Messestandes schon Gedanken auf den Verzicht einer künftigen Teilnahme aufkommen). Dennoch drücken wir dem Team um den neuen Festivalleiter des Kulturamts Bodo Birk ebenso die Daumen wie den Veranstaltern der Hildesheimer ComicTime, die im kommenden Jahr gerade eine Woche vor Erlangen die Fans in ihre Stadtmauern locken möchte. Und wir teilen die Hoffnung von Erlangens Kultur- und Freizeitreferent Dr. Dieter Rossmeissl, "dass es in Zukunft in Deutschland zwei große Comic-Festivals von Rang gibt". Bzw. vier, denn neben den "kleinen Großstädten" Erlangen und Hildesheim (94.000 bzw. 106.000 Einwohner) bemühen sich auch München (das "Comicfest" beginnt bei Drucklegung dieses Jahrbuchs) und Berlin (das "Comicfestival" ging gerade zu Ende) um die "Neunte Kunst" - München mit starkem Bezug zur lokalen Szene, während "Berlin die programmatische Entwicklung von einem Festival mit Schwerpunkt auf der avancierten Berliner Comicszene hin zu einem internationalen Festival ... glänzend gelungen" ist (wie Ole Frahm in der FRANKFURTER RUNDSCHAU schreibt).
Neben diesem Blick voraus werfen wir auch einen Blick in die Vergangenheit. Die Rubriken im Einzelnen:

COMIC-GESCHICHTE
Die Geschichte der Comics und Geschichte im Comic: Christian Vähling beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Comic-Hatz der 50er Jahre (siehe auch COMIC!-Jahrbuch 2001 "Feindbilder - Die importierte Hysterie" von Harald Havas), Martin Frenzel gibt einen Überblick über Comics, die sich mit dem Holocaust befassen, und untersucht das Bild, das Hergé in seinen (zum Teil während der Besatzung Belgiens entstandenen) Tintin-Comics vermittelt

SZENE DEUTSCHLAND
Unter dieser Überschrift sind Artikel zusammengefasst, die das Umfeld der Comiczeichner beleuchten: Festivals, Verlage, Fachzeitschriften und Agenten.

ATELIERBESUCH
Nach dem Rundumschlag "Comics und Frauen - 12 Zeichnerinnen im Interview" (COMIC!-Jahrbuch 2003) haben wir die Leute befragt, die die deutschen Texte in die (fast ausschließlich aus dem Ausland stammenden) Comics schreiben. Mit der Hand und mittlerweile überwiegend mit dem Computer. Daneben bietet das Jahrbuch wieder Porträts und Interviews mit Zeichnern, die uns aus den unterschiedlichsten Gründen vorstellenswert erscheinen.

DER INTERNATIONALE COMIC-MARKT
Marktberichte über das Geschehen in den USA, den Niederlanden und Dänemark. Die geplanten Beiträge über den frankobelgischen und italienischen Markt mussten leider entfallen (und hätten zudem den Rahmen, sprich die Höchstgrenze von 256 Seiten, gesprengt - 256 Seiten, weil ein noch umfangreicheres Jahrbuch entweder auf sehr dünnes Papier gedruckt werden müsste oder die Kosten des Postversand sich verdreifachen würden).

DIE PREISTRÄGER DES ICOM INDEPENDENT COMIC PREISES
Gleich zwei Preisträger gab es in der Kategorie "Bester Beitrag (Funny)". Näheres in der Begründung der Jury.

TRICKFILM
Auch der Trickfilmbereich ist schmaler ausgefallen, als ursprünglich geplant. Michael Hackl stellt die German Film School in Elstal vor, Heiner Lünstedt besuchte das Studio der "Munich Animation". In diesen Tagen avancierte Disneys "Finding Nemo" in den USA gerade zum erfolgreichsten Trickfilm aller Zeiten. Brechen da goldene Zeiten für den Animationsfilm an? Und welchen Einfluss wird das auf die deutsche Trickfilmbranche haben?

Auf den Geschmack gekommen?
Weiterlesen im COMIC!-Jahrbuch 2004