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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2001
240 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
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Comic und Internet

Von Andreas Dierks

Eine Diskussion des Themas "Comic und Internet" hat deswegen ihre Tücken, weil die Vorstellungen von dem, was ein Comic ist und was das Internet bewirkt, bei den Beteiligten weit auseinander gehen können. Schon der Begriff des Comic überspannt im täglichen Gebrauch nicht selten einen Bereich, der vom Ein-Bild-Witz bis hin zum komischen Zeichentrickfilm reicht. Der Ein-Bild-Witz erlebt im World Wide Web des Internet (WWW) fröhliche Urständ. Kann man also folgern, dass das WWW dem Comic dient und neue Bereiche öffnet? Der Glaube an die Segnungen oder den Fluch des Internet liegt zwischen der Hoffnung auf eine Art bezaubernder Jeannie, den Flaschengeist, der einem gut meinend in allen Lebenslagen hilft, und einem besorgniserregenden Postman'schen Bild von verblödenden Gaffern in eine Welt von Unterhaltungs-Quickies. Ist das Internet das Ende gedruckter Unterhaltung? Wie viel Comic schafft das Internet?

Der typische Webcomic

Wer im deutschsprachigen WWW den Links zu Comicangeboten folgt, sei es über Suchmaschinen, über die Portalseiten von Quer-durch-den-Garten-Anbietern oder über ein Comic-Linkverzeichnis wie das von Http://bytecomics.de, landet zumeist bei Sammlungen von Einbildwitzen, bei uns auch Cartoons genannt, oder bei Comicstrips, also kürzeren Abfolgen von Panels bevorzugt humorigen Inhalts. Die letzten Comictage in Köln zeigten in einem ihrer Schwerpunkte, dass in dieser Szene Leben ist. Sven K. ("Ivy's Bar", svenk.de), Joscha (nichtlustig.de), Nicolas Mahler ("Flaschko", orf.at), Dirk Utecht (comic-utecht.de) und viele andere bieten genau den passenden Spaß für den Vorbeisurfenden, der Belustigung sucht und keine zeitaufwendigen, längeren bildlichen Erzählungen.
Mit diesem Angebot scheint man im WWW genau am richtigen Platz, die Kosten sind relativ gering, sowohl beim Anbieter als auch beim Leser, der die Telefonleitung nicht lange zu belegen hat. Im Unterschied zu den Kollegen, die in der Tagespresse veröffentlichen, kann der Online-Zeichner auch seine älteren Cartoons und Strips ständig zeigen. Und einige machen auch beides: so zeichnen beispielsweise ©Tom (TomTunnel, "1000 Touché"), Haggi ("Der Hartmut") und Wittek ("Comiczeichner sind...") eigentlich für den Print-Bereich, sind aber mit ihren humorigen Beiträgen auch online (taz-online.de, orf.at, t-online.de, comic.de) vertreten. Das WWW wird vornehmlich dazu genutzt, Aufmerksamkeit auf die eigenen Arbeiten zu lenken, finanziell wirft es - ganz im Gegensatz zu den überspannten Erwartungen während der Hausse der letztjährigen Aktienbörse - längst nicht genug ab, um davon zu leben. Doch als Experimentierfeld, als Werbewiese, als Lustgarten, als Marktplatz hat das WWW für die Zeichner dieser typischen, kurzen Webcomics ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis. Für den Zeichner einer vielseitigen Comic-Erzählung ist es wegen der ungeduldigen Lesegewohnheiten von Otto Normalsurfer schwieriger, seine Arbeit entsprechend zu präsentieren. Die Beobachtung von Schülern im letzten Jahr ergab, dass beim Surfen der schnelle Gag gesucht wird; kaum einer sah sich längere Folgen von zusammenhängenden Webseiten gerne an, kaum einer gönnte sich die Ruhe, zu Abbildungen gehörige längere Texte zu lesen. Spirou 3303 titelt da sehr treffend mit "Lire c’est bien, rire c’est mieux". Beim Bildschirmlesen schien die Schüler eine Art Unrast zu befallen, die vielleicht die gleiche ist, die viele dazu bringt, sich längere oder komplexere Texte lieber auszudrucken und auf Papier zu lesen statt auf dem Monitor. Die Webseiten mit der schnellen Information, dem treffenden Bild, dem kurzweiligen Chat, der unkomplizierten Benutzerführung, der originellen Animation, dem kompakten Aufbau haben - zumindest in unserer westlichen Welt - besucherzahlenmäßig die Nase vorn. Zwischen diesem Verhalten und der Gestalt und den Erfolgschancen für den typischen Webcomic ist ein Zusammenhang zu vermuten...

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