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Burkhard Ihme (Hrsg.)
Oktober 2001
240 Seiten DIN A4, S/W
EUR 15,25
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COMIC!-JAHRBUCH 2001

Comic-Studium in Belgien
Das Atelier BD am Institut Saint-Luc

Von Roland Trost

Als Hergé Ende der sechziger Jahre Mitarbeiter für die immer umfangreicher werdende Arbeit an "Tintin" und anderen Projekten suchte, musste er feststellen, dass junge Leute mit der entsprechenden Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden waren. Gemeinsam mit seinem Bekannten Jean Guiraud, dem damaligen Direktor des traditionsreichen Institut Saint-Luc de Bruxelles, kam ihm in der Not die Idee, den Bedarf an Nachwuchszeichnern durch eine qualifizierte schulische Ausbildung zu decken. So wurde ausgerechnet an einer konservativen katholischen Architektur- und Kunstgewerbeschule 1968 der erste Comic-(Bande Dessinée)Studiengang Europas ins Leben gerufen.
Da die einzige Möglichkeit zum Einstieg in den Beruf des Comiczeichners für die aufstrebenden Nachwuchskräfte bislang darin bestand, sich bei alten Profis vom Kaffeekochen über das Zeichnen von Hintergründen nach vielen Jahren bis zur eigenen Comicserie hochzuarbeiten, erfreute sich das neu gegründete Atelier BD bei den jungen Talenten sofort großer Beliebtheit.
Leiter des Ateliers BD war zunächst Eddy Paape ("Luc Orient"), der aber bald von seinem Schüler Claude Renard abgelöst wurde. Dieser konnte mit dem ursprünglichen Konzept "Ausbildung von jungen Assistenten für die Studios arrivierter Comiczeichner" nicht mehr viel anfangen und taufte die Comicsektion kurzerhand in Atelier R um. Das R stand für Recherche (Experiment) und war in den folgenden Jahren Programm. Zusammen mit einer Handvoll motivierter Studenten schuf er die avantgardistische Comic-Revue "Le Neuvième Rêve", die in Angoulême mit einem Prix Alfred preisgekrönt wurde.
Renards Studenten trugen mit dazu bei, dass sich die von Franquin- und Hergé-Nachahmern geprägte belgische Comicszene vom Ruf der reaktionären Rückständigkeit gegenüber Frankreich befreien konnte.
Ende der siebziger Jahre erhielt Renard für einige Jahre Unterstützung von seinem ehemaligen Schüler François Schuiten, der zweiter Atelierprofessor wurde.
Zu den bekanntesten Absolventen des Atelier BD zählen Zeichner wie Schuiten, Bézian, Andreas, Sokal ("Inspektor Canardo"), Frank ("Jonas Valentin"), Swolfs ("Durango"), Foerster, Berthet ("Pin-up"), Goffin, Francq ("Largo Winch") und Zeichnerinnen wie Anne Baltus, Dominique David ("Jimmy Boy", "Lipstick") und Chantal de Spiegeleer ("Adler").
Auch heute noch durchlaufen viele der Newcomer auf dem frankobelgischen Comicmarkt die Ausbildung am Institut Saint-Luc de Bruxelles...

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