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COMIC!-Jahrbuch 2000
Burkhard Ihme (Hrsg.)
Juni 2000
224 Seiten DIN A4, 224 Seiten, inkl. 7 Farbseiten
EUR 10,15
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COMIC!-JAHRBUCH 2000

Vorwort

Von Burkhard Ihme


"Als Andreas C. Knigge im vergangenen Jahr das von ihm seit 1986 herausgegebene Comic-Jahrbuch einstellte, drohte in der deutschsprachigen Comic-Kritik eine empfindliche publizistische Lücke zu entstehen. Der Comic Almanach versteht sich als jene Instanz, die diese Lücke zu schließen gedenkt. Daß er sich dabei in seiner Rahmenkonzeption an das eingestellte Jahrbuch anlehnt, soll gar nicht geleugnet werden. Guten Ideen nachzueifern erscheint dem Herausgeber als nicht verwerflich."
So Joachim Kaps im Vorwort des Comic Almanach 1992*. Und auch dieses COMIC!-Jahrbuch (der Titel leitet sich von dem Ende 1995 eingestellte Comic-Fachmagazin des ICOM ab) soll Lücken schließen und leugnet nicht seine Vorbilder.
Als Kaps die zitierten Zeilen schrieb, existierten im deutschsprachigen Raum einige Comic-Fachmagazine, die mitlerweile ihr Erscheinen einstellen mußten (neben dem ICOM-Magazin waren dies in erster Linie Comic Forum und Stripspiegel, aber auch die neue Comixene - Juni 1994 bis März 1996 - und der Comicer, die Comic Speedline ist seit längerem nicht mehr regelmäßig erschienen). Auch dies also Lücken, die es zu schließen gilt.

Ohne die Vorbilder der von Knigge und Kaps herausgegebenen Sekundärwerke gäbe es das vorliegende Buch wahrscheinlich nicht (wir wollen uns nicht als einfallsreicher darstellen, als uns zukommt). Aber unser Konzept unterscheidet sich schon in einem wichtigen Punkt: anders als die bei Ullstein, Carlsen und ComicPress erschienenen Titel, wird das COMIC!-Jahrbuch von einem Verband, nämlich dem Interessenverband Comic e.V. ICOM herausgegeben.

Das hat zum einen Auswirkungen auf die Kalkulation (dieser Band wird mit einem fünfstelligen Betrag aus der "Vereinskasse" bezuschußt, was erst sein Erscheinen und das zu diesem Verkaufspreis ermöglicht), zum anderen schlägt es sich auf die Inhalte nieder, was nicht nur an der Selbstdarstellung des Verbandes festzumachen ist. Da der ICOM sich als Interessensvertretung der Comiczeichner, Illustratoren und Trickfilmer im deutschsprachigen Raum sieht, stellt das Jahrbuch nicht nur die Zeichner und Autoren, vorrangig vor deren Werk, in den Mittelpunkt, sondern wirft auch einen Blick auf den einstmals (so zu Zeiten eines Winsor McCay, der mit "Gertie the Dinosaur" einen der ersten, wenn nicht gar den ersten Zeichtrickfilm schuf) "kleinen Bruder" Animationsfilm, der mittlerweile nicht nur wirtschaftlich die Comics weit überflügelt hat. Außerdem wird die Tätigkeit als Comiczeichner und Trickfilmer, anders als in der bisherigen Berichterstattung in Deutschland, nicht nur als Kunst, sondern auch ganz profan als Broterwerb betrachtet (so in einigen Passagen des Interviews mit Peter Butschkow und natürlich in dem Artikel "Werbecomics in der Praxis" und beim Abdruck der Werbecomics einiger unserer Verbandsmitglieder).

Wer sich im COMIC!-Jahrbuch die Weiterführung der Konzepte von Comic-Jahrbuch und Comic Almanach erhofft, wird hier, aus den eben erläuterten Gründen, Rubriken wie den Themenschwerpunkt ("Western-Comics", "Die Rückkehr des Phantastischen"), "Zehn Comics für die Insel", Porträts internationaler Comickünstler oder Analysen der ausländischen Comicmärkte vergeblich suchen. Der deutsche Comicmarkt spiegelt sich in den Interviews mit Joachim Kaps (Carlsen Comics) und Guido Paul (Ideenschmiede Paul&Paul) wieder.

Das COMIC!-Jahrbuch soll in Zeiten, da sich die wenigen verbliebenen Comic-Fachblätter auf die Beobachtung des Alben- und Heft-Marktes beschränken (oder wie die Reddition ganz auf das Werk internationaler Künstler konzentrieren), losgelöst von der Tages- (oder sagen wir besser Drei-Monats-)Aktualität die Entwicklungen kritisch und auch kontrovers begleiten und diskutieren. Und es kann auf Themen wesentlich ausführlicher eingehen, als dies in Fachmagazinen aus Platzgründen möglich ist (dies besonders in Martin Frenzels Betrachtung der deutschsprachigen Autorencomics der letzten zwanzig Jahre).

Dazu sollen auch Bereiche beleuchtet werden, die fast vollends aus dem Blick des Comic-Journalismus gerückt sind, wie Animationsfilm (hier besonders der Autorenfilm und erstmals der Einsatz traditioneller Animation im Realfilm), die Cartoon-Szene und das täglich Brot vieler Comiczeichner: Werbecomics.

Die Ausbildungssituation für Comiczeichner in Deutschland entspricht dem Comic-Markt: es wird im Ausland gezeichnet und es wird nur im Ausland ausgebildet. Wer in Deutschland als Zeichner seinen Lebensunterhalt verdienen will, tut gut daran, sich vielseitig auszubilden, sei es als Grafik Designer oder als Animator. Aber auch im Studium zum Grafik Designer kann man seine Schwerpunkte auf Comics legen, wenn man auf aufgeschlossene Dozenten trifft. Einer fundierten Ausbildung könnte dabei etwas im Weg stehen, daß die Studenten wahrscheinlich (noch) mehr vom Lehrstoff verstehen als der Lehrkörper. Denis Metz berichtet von seinen Erfahrungen.
Der ICOM verleiht seit 1994 jährlich den ICOM Independent Comic Preis. Die Preisträger der letztjährigen Verleihung auf der ComicAction in Essen werden im COMIC!-Jahrbuch in Text und Bild vorgestellt.

Martin Frenzel stellt in seinem Essay "Little Nemo im Internetland" die Frage nach der Zukunft der Comics und malt ein düsteres Bild für die Neunte Kunst. Und er fordert die Einrichtung eines Comic-Museums in Erlangen zum zwanzigjährigen Jubiläum des fränkischen Comic-Salons.
Während die Werkstattgespräche mit Ully Arndt und Peter Butschkow die Künstler ins Zentrum ihrer Betrachtung rücken, versuchen die Artikel "Protestantische Comic-Wüste Germanien?" von Martin Frenzel und "Wenn Dichter in Sprechblasen reden" von Reto Baer einen Überblick über das deutschsprachige Comicschaffen zu vermitteln. Denn in den zwanzig Jahren seit der Gründung des ICOM (1981) hat sich einiges getan, auch wenn das Ziel, eines künstlerisch wie finanziell mit Frankreich, Belgien, Italien oder USA vergleichbaren Comicmarktes mit einheimischer Produktion noch in weiter Ferne liegt.


* Das Comic-Jahrbuch, herausgegeben von Andreas C. Knigge, erschien 1986–1989 bei Ullstein, 1990 und 1991 bei Carlsen. Der Comic Almanach erschien 1992 und 1993 bei ComicPress.



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