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ICOM Independent Comic Preis
Die Gewinner des ICOM Independent Comic Preises 2024
Bester Independent Comic (Selbstveröffentlichung)

"Digger"
von Ralf Marczinczik

Unbeugsam zur Freiheit! Die transformative Reise von Digger zum Digger: In Ralf Marczincziks "Digger" reflektiert sich der dystopische Zustand einer Seele, die sich durch die Mauern eines Gefängnisses – sowohl real als auch metaphorisch – zu Freiheit und Selbstentdeckung gräbt. Dieses Szenario, das die kollektive Isolation unserer jüngsten Lockdown-Erfahrungen widerspiegelt, wird durch die Transformation des Protagonisten mittels Freundschaft und kreativer Selbstexpression vertieft. Die schwarzweißen Zeichnungen, die im Laufe der Erzählung zu einem sehnsuchtsvollen Blau und schließlich zu voller Farblebendigkeit übergehen, unterstreichen die Evolution des Protagonisten vom selbstgeißelnden Giganten zum feinfühligen Freund. Diese Farbgestaltung spiegelt nicht nur die emotionalen Wandlungen wider, sondern betont auch die Klarheit der narrativen Struktur.

Die blaue Mütze des Protagonisten, ein wiederkehrendes Symbol für Fürsorge und Empathie, illustriert seine Entwicklung und das Bedürfnis nach emotionaler Bindung. Digger trägt tief im Inneren einen verborgenen Schatz, dessen leuchtendes Spektrum ihn inspiriert, selbst zum Werkzeug des Lichts zu werden und einen innigen Herzenswunsch freizugraben.

Der Titel "Digger", der sowohl das Durchdringen von Barrieren als auch einen umgangssprachlichen Ausdruck für Kumpel darstellt, fügt der Geschichte zusätzliche Bedeutungsebenen hinzu. Ebenso trägt der Eiswagen, der sowohl genussvolle Freiheit als auch das Flüchtige der unbeschwerten Kindheit symbolisiert, zur vielschichtigen Interpretation bei.

Die Entscheidung, das Buch möglicherweise im Selbstverlag zu veröffentlichen, betont die unabhängige Natur des Projekts und Marczincziks Engagement für seine künstlerische Vision. Dieses Engagement und die kreative Kontrolle über das eigene Werk machen "Digger" zu einem exemplarischen Vertreter der Independent-Comic-Szene und zu einem wichtigen Beitrag in der Welt der grafischen Literatur.

Der ICOM verleiht "Digger" den Independent Comic Preis 2024 in der Kategorie »Beste Selbstveröffentlichung« (Grundlage der Jury-Entscheidung war der Webcomic auf Ralfs Seite comixfactory.de) für seine meisterhafte Verbindung von Kunst und Menschlichkeit. Herzlichen Glückwunsch, Ralf Marczinczik!

"Feiert das Leben, die Freiheit und die Freundschaft – holt euch ein Eis. Werdet selbst zu Diggern!"
Oy, Digger!

Sandra Nußer

Beschreibung und weitere Abbildungen in unserem Blog

Bester Independent Comic (Verlagsveröffentlichung)

"Viktoria Aal"
von Wiebke Bolduan
(Reprodukt)

Nichts scheint, wie es schien, nichts bleibt, wie es treibt: Mit Seetang-Wirrnis auf diversen Meta-Beta-Ebenen ist in diesem Comic ebenso zu rechnen wie mit abstrusen Denglisch-Verschriftlichungen à la "jutsch" (huge), "hethers gonni heth" (haters gonna hate) oder "Swuhn & Feynt" als Verlagsname (Swoon & Find). Wiebke Bolduan, die bereits mit dem GINCO-Award ausgezeichnete Autorin und Organisatorin des Hamburger Comic-Festivals, hat eine anrührende, humorvolle Coming-of-age-Geschichte gestaltet. Bruks heißt ihre Heldin, die unversehens in die Probe einer Tauchshow im Aqua-Center "Seafun" gerät. Von der androgynen Nixendarstellerin Henri wird sie zunächst noch gesiezt, anderthalb Jahre später sind die beiden WG-Partnerinnen und machen sich eine Wärmflasche nach der anderen. In dieser Zeit spricht Bruks seltener mit ihrem aal-ter Ego, der unsichtbaren Unter-Wasser-Freundin Viktoria Aal, deren Kommentare das Geschehen weiter verrätseln und die zur Heldin eines heimlich geschriebenen Romans im Roman wird. Anonym eingesandt und trotz Ablehnung durch den schurkischen, punk-bezopften Verlagslektor David Dave gedruckt, teilt dieser Roman sozusagen im Flossenumdrehen die social-media-Leser*innenschaft in Non-Be- und sogenannte "Aallievers" – diejenigen, die an eine echte "Meerjungfrautobiografie" glauben, und solche, die eine real existierende Anonyma am Werk sehen.

Als eine Lesung angesetzt wird, bei der die Heldin, die sich mit ihrem Werk gar nicht mehr idenfiziert, einspringen und die angeblich erkrankte Autorin geben soll, die sie doch in Wirklichkeit selber ist, kommt es zur Katastrophe ... Das komplexe Erzählwerk wird in zart blau-grün kolorierten, schwungvollen Zeichnungen umgesetzt. Die traumhafte Sphäre der Viktoria-Aal-Dialoge mit Bruks geht unmerklich in die zeitlose Aquarienwelt über, wo der von glotzenden Fischschwärmen umschwebten Riesenkrake zunehmend blümerant wird, und in die salzverkrustete Kachel-Landschaft des Schwimmbeckens, an dessen Rand Tauchsportler im Stuhlkreis debattieren. Wenige aber entscheidende Szenen spielen im Sonnenschein am Strand. Am Ende geht es um die Frage, die hinter jedem Nixenmärchen steckt: Was passiert, wenn sich die schüchterne Undine mit einem sterblichen, fehlbaren Menschwesen verpartnert, wenn das Mauerblümchen unversehens im Seegras aufblüht und die Wasserfee dann doch zurück in ihr fluides Element will?


Nikolaus Gatter

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Bester Independent Comic (Sonderpreis)

"Salon Journal"
von Jel&Rie, Naqshband Haidary, Heiko Vogel, Robert Posselt, Benjamin Caillari-Herzberg, Katrin Langhauser, Milivoj Kostic, Sascha Dörp, Falko Kutz, Frauke Berger, Annelie Wagner, Frank Cmuchal
(Heimat- und Kulturverein Gönnheim)

Manchmal ist die Geschichte hinter einer Publikation beinahe ebenso interessant wie das Werk selbst. So geschehen anno '23 in der Pfalz. Dort gibt es nämlich eine langjährige Weintradition. Gut, die gibt es anderswo natürlich auch, genauso wie gelegentliche Wein- und Winzerfeste. Nun findet sich aber in der Pfalz auch ein Dorf namens Gönnheim. Und den Gönnheimern wurde im Laufe der Zeit ihr allsommerliches Winzerfest auf Dauer irgendwie zu eintönig und langweilig. Darum hat man es irgendwann um ein Street-Art-Fest erweitert. Künstler aus aller Welt kamen von nun an, um die Straßen und Wände Gönnheims temporär mit Kunst zu verschönern. Doch das reichte den Veranstaltern offensichtlich immer noch nicht. Es brauchte noch viel mehr Kunst und Kultur. Also wurde 2023 kurzerhand der Pfälzer Comic-Salon aus der Taufe gehoben. Was in Franken funzt, wuppt bestimmt auch in der Pfalz, dachte man wohl.

Das zweitägige Event, das in der örtlichen Turnhalle an ca. zwei Dutzend Ständen stattfand, wartete zudem auch noch mit einer Besonderheit auf: einer Anthologie mit Werken von am Comic-Salon teilnehmenden Künstlern. Das Thema lautete irgendwas mit westwärts, deutsch-französischer Freundschaft, der Pfalz und Steampunk. Interessanterweise wurde zur Teilnahme an der Anthologie im Vorfeld eingeladen. Die besten eingesendeten Beiträge, bis maximal vier Seiten Umfang, sollten dann ins Buch kommen. Die Aufnahme in die Anthologie bedeutete für die Künstler gleichzeitig eine Einladung zum Comic-Salon und die Übernahme aller entstehenden Ausgaben für Kost und Logis durch den Veranstalter. Die zwölf Künstler der Anthologie kommen aus drei Nationen. Die Künstlerinnen Jel und Rie aus Bremen thematisieren in ihrem Beitrag "Erbfeinde" alte Ressentiments zwischen Deutschland und Frankreich. Der afghanische Maler Naqshband Haidary zeigt mit eindringlichen Bildern die "Flucht aus Afghanistan". Der Pfälzer Heiko Vogel schildert seinen "Heimweg" von einem örtlichen Weinfest im cartoonigen Funny-Stil, während sich Robert Posselt und Benjamin Caillari-Herzberg der Elwetritsch widmen und wie dieses lokale Fabelwesen nach Gönnheim kam. Katrin Langhauser illustriert mit zoomorphen Darstellungen, wie seinerzeit der Gönnheimer Pfarrer Eckhard gerettet wurde. Milivoj Kostic aus Serbien stellt ganz in Schwarzweiß eine paralleluniversale Schleife vor, und Sascha Dörp lässt schlichtweg die Zeit vergehen. "Tempus fugit" ist eine Verbeugung vor zwei Klassikern der Science-Fiction: Jules Verne und Herbert George Wells. Falko Kutz (Text) und Frauke Berger (Zeichnungen) applizieren in ihr Steampunk-Archäologie-Abenteuer "Die Felsenburg" gleich noch einen Cliffhanger für eine mögliche Fortsetzung der Anthologie. Zu guter Letzt stellt Annelie Wagner "Bello die Zaubertöle" vor und entlässt den Leser mit einem Schmunzeln ob der Kommunikationsprobleme zwischen Mensch und Tier. Gerahmt werden die neun Kurzcomics mit zwei Grußworten zu Beginn und der Projektvorstellung am Ende des mit prächtigem Hardcover und großem Format aufgemachten Buchs. Vor jedem Beitrag werden die jeweiligen Künstler in Wort und Bild vorgestellt. Anliegen und Ergebnis des 1. Pfälzer Comic-Salons spiegeln sich im "Salon Journal" (Band 1) in hoher Qualität wider und zeugen von Herzblut für Kunst und Kultur, für Einheit in der Vielfalt. Welch europäischer Gedanke!

Die Jury des ICOM Independent Comic-Preises 2024 verleiht den Sonderpreis für eine besondere Leistung oder Publikation an "Salon Journal Band 1", herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Gönnheim. Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten!

Dirk Seliger

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Bester Kinder- oder Jugendcomic
"Schattenspiel"
von Luise Mirdita
(Schwarzer Turm)

Mit Bleistift sensibel und treffsicher gezeichnet, bei makelloser Perspektive und gelungener Anatomie stellt Luise Mirdita aus Freilassing ihr Debüt vor. Auf eine Reverenz an den Traum-Altmeister Winsor McCay kann eine solche Geschichte nicht verzichten. Doch während der Illustrations-Kosmos der Kinderbuchautorin Mirdita sonst fröhlich-bunt ausgekleidet wird, beweist sie hier, dass sich Comic-Träume von Heranwachsenden ohne farblichen Aufwand, nämlich in spartanischem Schwarzweiß wiedergeben lassen – mit zarten Schraffuren, weichen Schattierungen und virtuos-freiem Umgang mit Panel-Strukturen.

Die Erzählung führt ins leidvolle Milieu des Teenie-Alters, in dem sich die eigene Individualität und Körperlichkeit quälend und peinlich bemerkbar machen. Als umsorgtes Einzelkind wächst Karlotta auf, die anfangs zwischen Einfamilienhäusern, Gärten und Turnplätzen mit dem schüchternen, smartphone- und computerspiel-begeisterten Felix abhängt. Unreine Haut, gehässige Banknachbarn, das Auf und Ab in der Bewertungsskala der Mitmenschen machen zu schaffen, und Eltern nerven mit der ahnungslosen Ermunterung: "Sei ganz du selbst! So selbstbewusst und lustig, wie du's sonst bist!" Karlotta wendet sich Judy, einer Freundin aus Grundschultagen, und deren sportiven Freundinnen zu, probiert neue Rollen aus, lässt sich zu Schminkvideos überreden und sogar zur Co-Klassensprecherin wählen. Diesen Wandel begleiten allnächtlich wiederkehrende Träume, die ihr eine fremde, surreale Welt erschließen: Schwebende Schienen mit Balkons als Bahnsteigkante laden zur Mitreise ein, riesige Spielwürfel auf Hoch-häusern und absurd getextete Leuchtreklamen wechseln ab mit bewohnbaren Bäumen und verwirrenden unterirdischen Kanalsystemen. Karlotta wird in dieser Traumwelt "Charlotte" genannt, hat zopftaugliches Langhaar und einen gefiederten Mantel. Tatsächlich übersteht sie mit einer Gruppe Jugendlicher, die nicht zufällig ihren Schulfreunden ähneln, Verfolgungsjagden im Flugmodus. Das gipfelt in Geiselnahme und Krieg mit den maskierten "Falschen" und "Rudyu.wxke08", deren Reich namens Felicity mitsamt dem bullaugen--genoppten Turm am Ende von explosiven Funny-face--Ballons zum Einsturz gebracht wird. Am Ende muss sich Karlotta von ihrem Traum-Ich, dem sie ein letztes Mal im Nahverkehrszug begegnet, verabschieden  und ihren auch in der Realtät von Fallstricken wie Heuchelei und Femdbestimmung gesäumten Weg selber finden.

Nikolaus Gatter

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XPPen-Preis für herausragende digitale Comics
"Der unsichtbare Freund"
von Steff Murschetz
(Undergroundcomix.de)

Inspiriert vom Pulitzer-Preis-gekrönten Stück "Harvey" von Mary Chase und der Verfilmung von Henry Koster mit James Stewart, hat Steff Murschetz mit "Der unsichtbare Freund" ein Werk geschaffen, welches den klassischen Comic mit innovativer Technologie verschmilzt und den Leser in eine Welt eintauchen lässt, in der das Unsichtbare lebendig wird. Die Geschichte von Fridolin und seinem imaginären Freund Mümmelmann wird in ausdrucksstarken Schwarzweiß-Bildern erzählt. Hintergründe und Charaktere wurden mithilfe der KI-Software Midjourney generiert und sorgfältig zu einer düsteren, visuellen Collage zusammengesetzt. Kleine Generierungsfehler wurden stehen gelassen: Hier ist die Kleidung etwas sonderlich, da schaut die Figur in zwei Richtungen gleichzeitig. Diese charmanten Makel zeigen, dass der Künstler nicht versucht, die Verwendung moderner Tools zu verbergen. Obwohl KI-Kunst in der kreativen Szene aktuell noch oft hitzige Diskussionen auslöst, lässt sich Steff Murschetz davon nicht abschrecken. Er beweist vielmehr, dass Kreativität kombiniert mit neuesten Technologien die Kunstlandschaft bereichern kann.

Der eigentliche Clou der Geschichte kommt im Übrigen zum Vorschein, wenn man die Comicseiten durch die kostenlose "Artivive"-App betrachtet. Erlaubt euch den Spaß und lest "Der unsichtbare Freund" zuerst ohne die App. Die Lektüre ist leicht und kurz, wird dadurch also nicht zu viel von eurer Zeit in Anspruch nehmen. Zieht man beim zweiten Durchlesen "Artivive" hinzu, sorgt das für kleine, unterhaltsame Entdeckungen – which is nice.

Unsere Technologie hat einen Punkt erreicht, an dem sie von Magie kaum noch zu unterscheiden ist. "Der unsichtbare Freund" fügt sich nahtlos in diese fantastische Welt der generativen KI ein, die nicht länger nur großen Firmen vorbehalten ist. Für einige ist das frustrierend, für viele beängstigend. Der Comic von Steff Murschetz zeigt allerdings, dass man mit generativer KI und Augmented Reality spannende neue Projekte ins Leben rufen kann, die zuvor undenkbar waren. Jetzt kann jeder kunstvolle Werke schaffen. Menschen, die zuvor weder die Möglichkeit noch die Zeit hatten, können wieder zu Spielkindern werden und die Ideen in ihren Köpfen durch die generative KI sichtbar machen, so wie die "Artivive-App" durch die Linse der Smartphone-Kamera Dinge in den Comic-Panels erscheinen lässt, die für den Leser sonst verborgen bleiben würden. Vielleicht sind einige von uns wegen der generativen KI irgendwann arbeitslos  aber scheiß drauf. Kunst sollte niemals exklusiv sein. Die Zukunft ist jetzt, und dass Steff Murschetz mit seinem Comic "Der unsichtbare Freund" vorangeht und damit vielleicht auch anderen Artists die Angst davor nimmt, sich mit der Verbindung von Kunst, Comic und Technologie näher zu befassen, ist schlichtweg mega.

Adroth Rian

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"Somium"
von Berrin Jost
(Selbstveröffentlichung)

Wenn Träume zur Falle werden: Berrins subtile Kunst, die Schattenseiten von Träumen zu beleuchten, oder wie befreit man sich eigentlich aus einem Alptraum.

Im Schlaf zu sterben – angeblich ein Segen. Doch was, wenn der Segen zum Fluch wird und alle, die dir wichtig sind, um dich herum nicht mehr erwachen?

"Somnium" ist eine visuelle und narrative Tour de Force, die tief in die dunklen Ecken der menschlichen Psyche eintaucht und in eine Welt entführt, in der der Schlaf seine Unschuld verliert und zum Schlachtfeld wird. Berrin Jost entfaltet subtil das komplexe Wechselspiel zwischen Träumen und ihrer Schattenseite. Der Titel  aus dem Lateinischen für 'Traum' – eröffnet eine faszinierende Diskussion: Was geschieht, wenn der vermeintliche Segen des Schlafes zur Falle wird? Dieses Zeichenwerk stellt nicht die Flucht vor einer bedroh-lichen Realität dar, sondern die mutige Konfrontation mit den allertiefsten Ängsten.

Die Protagonistin Mika, eine Somniatorin, besitzt die seltene Gabe, in die Albträume anderer einzudringen und sie daraus zu befreien. Ihre Begegnung mit Oliver, dessen Schwester in einem endlosen Traum gefangen ist, verkörpert das emotionale Zentrum der Erzählung. Der virtuose digitale Pinselstrich zeigt auf, wie Träume als Spiegel tiefgründiger psychologischer Prozesse dienen. Die detailreichen Illustrationen, die mit Licht und Schatten spielen, machen "Somnium" zu einem optischen Hochgenuss voller sinnlicher Reize.

Illustrativ und narrativ erforscht Berrin Jost, wie Kunst emotionale Prozesse aufzeigen und therapeutisch heilend wirken kann, durch die Interaktion von Mika mit den Träumen anderer Menschen. Dies regt dazu an, eigene widersprüchliche Gefühle und Gedanken in ein kohärentes Selbstverständnis einzubetten.

Die Auszeichnung von "Somnium" durch den ICOM in der Kategorie "Herausragende digitale Comic" würdigt die künstlerische Brillanz des Werks und das Engagement seiner Schöpferin, komplexe und emotionale Geschichten zu erzählen, die unser Verständnis für die Bedeutung eines Lebens ohne Angst und die Verantwortung für den gegenseitigen Einfluss vertiefen. Es ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie das Medium 'Comic' die Grenzen der Kunst erweitern und gleichzeitig die eigene Erfahrungswelt bereichern kann. In seiner Tiefe und Intensität hallt "Somnium" lange nach, wie das Echo eines fernen Schlafliedes in einer dunklen Nacht.

Sandra Nußer

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Nominiert für den ICOM-Preis waren außerdem:
"100 Jahre Erich Schmitt"
Herausgegeben von Thomas Möller
(Comic Museum Neubrandenburg)

Karl Gabel, Schwester Monika, Kollege Blech, Ede der Tierparklehrling, Nixi, Kuno Wimmerzahn, Adam und Evchen, Zirkus Alberto und wie sie alle heißen, sie haben eins gemeinsam: Sie entstammen der Feder des Berliner Karikaturisten, Illustrators und Comickünstlers Erich Schmitt. Man kann davon ausgehen, dass Erich Schmitt zuzeiten der DDR nahezu jedermann bekannt war im Arbeiter- und Bauernstaat. Leider verstarb er bereits 1984 im Alter von nur 60 Jahren. Das Besondere an etlichen seiner Werke im Bereich der Neunten Kunst ist, dass sich die Bildgeschichten aus vielen einzelnen Cartoons und Karikaturen entwickeln, das heißt, die lustigen, durchaus für sich alleine stehen könnenden humoristischen Bilder bauen aufeinander auf und ergeben dadurch den Comic. Schmitts Stil war unverwechselbar. Niemals verzichtete er auf den für seine Figuren typischen Wimpernstrich. Niemals packte er etwas ins Bild, das nicht unbedingt nötig war. Klare Outlines hätten ihn in Belgien zu den Vertretern der Ligne claire gehören lassen. Der Autodidakt war seinerzeit sehr gefragt und populär. Dieses Jahr hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert. Zu diesem Anlass brachte Thomas Möller in Zusammenarbeit mit Ulrich Sturm, einem der Söhne Erich Schmitts, einen Hommage-Band heraus, in dem sich fast 50 Künstler, darunter alte Wegbegleiter, von Schmitts Schaffen Beeinflusste oder Neu-Entdecker, die Ehre geben und das Werk des Altmeisters in ihren eigenen Arbeiten noch einmal auferstehen lassen. Vielleicht lässt sich ja auf diese Weise die bundesdeutsche Wissenslücke über Erich Schmitt etwas schließen?

Dirk Seligerr

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"Bruised Fruit"
von Niki Smith
(Selbstveröffentlichung)


Liebe und Lust liegen nah beieinander. Liebe ist edel. Lust eine schmutzige Angelegenheit. Sie ist unbändig, verspielt, gewagt ... Sie kann auch ganz zärtlich sein. Eins ist gewiss  Liebe, Leidenschaft und Sex sind eine sehr individuelle Sache. Und wer von uns ist schon Saubermann oder Sauberfrau genug, um über das Liebesleben anderer zu richten?

"Bruised Fruit" von Niki Smith ist eine heiße Sammlung von Kurzcomics, die sich ganz unverblümt mit den Themen Beziehung und Sex auseinandersetzt. Die lebendige Strichführung, die abwechslungsreichen Farbpaletten und die dynamischen Kompositionen der Seiten schaffen ein visuell ansprechendes Leseerlebnis. Zudem zeichnet sich der Band durch seine Diversität in der Darstellung unterschiedlicher Sexualitäten, Identitäten und Praktiken aus. Diese Vielfalt trägt nicht nur zur Repräsentation bei, sondern auch zur Anerkennung und Wertschätzung verschiedener Lebensweisen innerhalb der Gesellschaft.

Niki Smith versteht es, die universelle Botschaft zu vermitteln, dass alle Formen der Liebe ihre Berechtigung und Schönheit haben. Die Imperfektionen, die in ihrer Arbeit so schamlos offengelegt werden, verleihen der Natur der menschlichen Verbindungen eine greifbare und authentische Gestalt.

Kurzgefasst ist "Bruised Fruit" eine spannende Lektüre für Erwachsene, die durchaus an- und erregend sein kann. Wer sich von den Themen Sex und Porn nicht abschrecken lässt, wird dem Werk definitiv etwas abgewinnen können.

Adroth Rian

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"Herzschlag"
von Karen Hertfelder
(Schwarzer Turm)

Der Gong ertönt, der Kampf beginnt. Zwei Boxer dreschen aufeinander ein. Doch halt, was ist das? Da boxen ja Frauen! Und zwar richtig, denn es handelt sich um einen Profiboxkampf. Nach den ersten Comicseiten ist dann plötzlich die Farbe weg, die sowieso eher sparsam und handlungsorientiert eingesetzt ist. Aber gut so, denn die Handlung switcht von jetzt an zwischen dem blau-roten Kampf und schwarzweißen Rückblenden hin und her. Auf diese Weise erfährt der Leser von der Profiboxerin Kisa und der Newcomerin Bonnie, von ihrer Vergangenheit, ihren Beweggründen, ihren Ängsten und Sorgen, von dem Gefühl, immer irgendwie kein Teamplayer zu sein, und von ihrer Homosexualität. Die beiden jungen Frauen kommen sich näher, nur um später als Gegner im Boxring zu stehen. Wer eine brachiale Boxgeschichte erwartet, wird enttäuscht. Klar, es geht kampfsportgemäß ordentlich zur Sache, aber die Geschichte hinter der Geschichte besticht eher durch die leisen Töne, ohne dabei gefühlsduselig zu werden oder die Gesellschaft anzuklagen oder einen Schuldigen an der eigenen Misere zu suchen oder einen sonstigen plakativen Aufhänger zu kolportieren. Damit hat die Künstlerin einen Comic geschaffen, der in die heutige Zeit passt und sich positiv von anderen vergleichbaren Werken abhebt.

Dirk Seliger

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"Eine kleine Geschichte vom Ende des Universums"
von Hannes Klesse
(Hannes Klesse/TheNextArt)

Hannes Klesses Graphic Novel "Eine kleine Geschichte vom Ende des Universums" entführt uns in die letzten, leuchtenden Momente einer sterbenden Welt. Durch eine Kickstarter-Kampagne des Autors ins Leben gerufen (TheNextArt trug anschließend die ISBN und die Vertriebsmöglichkeit bei), besticht diese Endzeitvision durch plakative Panels in bedrohlich schönem Farbspektrum der Apokalypse, zieht jeden Betrachter in einen dystopischen Strudel und lässt ihn die finale Stunde miterleben, als wäre sie zum Greifen nah.

Die visuelle Präsenz dieses Werkes, für den ICOM-Preis in der Kategorie "Beste Verlagspublikation" nominiert, spiegelt das Inferno der letzten Tage wider, während wir einem der letzten Überlebenden folgen. Dieser Protagonist, eingehüllt in die Schatten des Verderbens, trifft auf andere einsame Seelen, die in diesem unerbittlichen Chaos überleben wollen. Die Panels gleichen eingefrorenen Momenten der Spannung und des stillen, erhabenen Innehaltens.

Klesse erschafft durch diese präzise Gestaltung ein Narrativ, das tief in die psychologische Landschaft seiner Charaktere eintaucht. Ihre Isolation, Angst und doch unbeugsame Hoffnung färben jede Seite der Geschichte und reißen mit in die Abgründe einer Suche nach Sinn und Sein.

Als poetische Reflexion über das Ende aller Dinge, gezeichnet in den Farben des finalen Sonnenuntergangs, spricht dieses Werk nicht nur Liebhaber phantastischer Comics an, sondern jeden, der bereit ist, in den Schlund der universalen Seele zu blicken und dabei die Erkenntnis menschlicher und kosmischer Endlichkeit anzunehmen.

Sandra Nußer

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"Der letzte Kobold 4 - Der Wiemel und die Schlaazenbande"
von Pits und Knolle und Pegasau
(Kult Comics)

Das Artwork für dieses gestalterisch überbordende Album wurde komplett am Computer erstellt  damit ist es geeigneter Kandidat sowohl für die Kinder- und Jugendsparte, als auch für den XPPen-Award. In der mit Rückblenden, Wiedererkennungsszenen und Cliffhangern versehenen Fortsetzungsserie geht es darum, Wald-rapp Luno und Kobold Gabelfuß auf Zeitreise durch die Epochen der Mythenwelt zu begleiten. Der "Wiemel" (ehemals Iks genannt) ist ein entarteter "Schlaaz", die Schlaazen sind gute, heinzelmännchen-ähnliche Helfer von Menschen und (antiken) Göttern, die als Lohn für ihre Mühe Gleichstellung verlangen. Ein Wiemel namens Iks diente im Ägypterreich dem bei der Götterdämmerung seiner Kräfte beraubten ägyptischen Gott Setech als dessen Auftragskiller, sollte der Schlange Lamia ein  Allmacht verleihendes  Blut-stein-Geschmeide abluchsen, lag später, nachdem er einer Mutter das Baby entführt und getötet hatte, für Jahrhunderte unter der Diele ihres Hauses begraben, wurde beim Angriff eines wandlungsfähigen Vampirs wieder geweckt und steht jetzt vor der Entscheidung: Wird er das Gute wählen, Setech und den Vampir daran hindern, die blutstein-besetzte Halskette zu erlangen? Und wie kommt Kobold Gabelfuß aus der Zeitschleife, über die ihn ein Blutstein in die Vergangenheit stolpern ließ, wieder heraus?

Nikolaus Gatter

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"Memento Mori  A Circus Tale"
von Julia Schlax
(Schwarzer Turm)

"Memento mori" und "carpe diem" waren, aus der römischen Antike stammend, die zentralen Motive des Barock. Aus dem Erleben des Dreißigjährigen Krieges und dem permanenten Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit heraus geboren, prägte diese Vanitas-Motivik eine ganze Epoche. "Memento mori" ist ebenfalls der Titel eines Comics der deutschen Künstlerin Julia Schlax im besten Manga-Stil. "Memento mori" heißt auch der Zirkus, der Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist. Und die beginnt mit einer artistischen Attraktion: dem Sturz eines Seiltänzers in den Tod. Klingt reißerisch, ist aber garantiert tödlich. Jedes einzelne Mal. Gedenke des Todes, sei dir deiner Sterblichkeit bewusst. Der Name ist Programm. Das Ganze hat allerdings wenig bis nichts mit dem Barock zu tun, wenn die junge Romi die zarten Blüten ihrer ersten Liebe erfährt, wenn sie und die Leser eintauchen in eine (Zirkus-)Welt von Vergehen und Rätsel, Schuld und Sühne, Fluch und Erlösung, Liebe und Vergebung. Wenn Manga aus deutschen Landen kommt, sollte er wenigstens so sein wie "Memento mori", denn dann braucht er sich weder visuell noch erzählerisch hinter den Arbeiten des Manga-Mutterlandes zu verstecken.

Dirk Seliger

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"Oma zu verkaufen"
von Thomas Wellmann und Martin Baltscheit
(Kibitz Verlag)

Kinderflohmärkte, Trödel-Theken auf dem Möbelhaus-Parkplatz, Zu-Verschenken-Kartons am Straßenrand: Wer kennt sie nicht, die privaten offline-Varianten von eBay-Auktionen und Ramsch-Black-Fridays! Wie wär's, ein ungeliebtes Tier dem Streichelzoo anzudrehen, den nervtötenden kleinen Bruder, die Rollstuhl-Oma oder gleich den ganzen Haushaltungsvorstand zu verhökern und gegen (fast) nagelneue Verwandte einzutauschen? Dieser Schattenökonomie geht das Album in liebevoll möblierten Wimmelbildern auf den Grund, als Einführung in die Begriffe des Wirtschaftskreislaufs und zur Sensibilisierung: Wie fühlt es sich an, als Kaufobjekt vermarktet zu werden, was wären individuelle Produkt-Vor- und -Nachteile des Einzelnen außerhalb einer ausufernden Patchwork-Familie? Die stellt sich denn auch als unbezahlbar heraus, denn sich im aufblasbaren Pool allein vor vier TV-Screens dem Tetris-Spielen hinzugeben, ist auf Dauer auch keine Lösung! Menschen von 6 bis 106 ist dieser frech-subtile Comic zu empfehlen  allein die mit Wurfgeschossen wie Gabel, Bleistift, Dartpfeil und Schwertfisch gespickte Zielscheibe über der Badewanne, neben dem dutzendstöckigen Hamburger, sind eine Augenweide und ein Erklärvergnügen.

Nikolaus Gatter

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"Sinnerman 2: Weder tot noch lebendig"
von Fern und Tom C. Winter
(TheNextArt)

In "Sinnerman – 2. Weder tot noch lebendig" von Fern und Tom C. Winter entfaltet sich eine Erzählung aus dem Genre Rachewestern über Johnny Gun, von seinen Brüdern auch Mad Dog genannt, der zwischen gegensätzlichen Welten navigiert und von einem unersättlichen Durst nach Sühne getrieben wird. Oder ist es Gerechtigkeit? Der Comic besticht durch seine prägnant schwarzweiße Zeichnung, die eine raue Wildwest-Landschaft und die Intensität der Handlung eindrucksvoll einfängt. Jedes Panel, stark in Licht und Schatten kontrastiert, zeichnet sich durch eine Tiefe aus, welche die emotionale Last und moralische Dilemmata des Protagonisten unterstreicht.

Johnny Guns Suche ist eine dramatische Aneinanderreihung von Konflikten und Konfrontationen, die nicht nur seine physische Widerstandskraft, sondern auch sein moralisches Fundament herausfordern. Durch das wiederkehrende musikalische Motiv "Oh Sinnerman" und das Aufbrechen der Grenze zwischen Hier- und Jenseits erhält seine Reise eine fast mythologische Dimension, die seine inneren und äußeren Kämpfe intensiviert. Die Darstellung seiner virulenten Auseinandersetzungen offenbart eine direkte Gewalt, die den Leser gleichzeitig schockiert und fesselt.

"Sinnerman" ist ein grafisch-literarisches Meisterwerk, das die Grenzen des Western-Genres sprengt, und stellt tiefgründige Fragen nach Identität, Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Johnny Guns komplexe Figur bleibt trotz vermeintlicher physischer Auslöschung präsent, und mit Spannung erwartet wird der dritte Teil mit großer Hoffnung auf Erlösung und Befreiung für die getriebene Seele des Sinnerman. Das hochwertige Hardcover mit extradickem Papier unterstreicht die Bedeutungsfülle, die "Sinnerman" erzeugt. Die Nominierung für den ICOM-Preis in der Kategorie "Beste Verlagsveröffentlichung" anerkennt die künstlerische und narrative Qualität eines Werks, das dem Medium Comic in seiner kulturellen und ethischen Bedeutung gerecht wird.

Sandra Nußer

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"Weltraumpolizistin Oma Gurke"
von Stephan Lomp und Patrick Wirbeleit
(Kibitz Verlag)

Im bunten Cosmos der Kindercomics funkelt ein Stern am Firmament: "Oma Gurke", eine Weltraumkomödie, die junge Leser in ihren Bann zieht und die Herzen Erwachsener erobert. Geschaffen vom dynamischen Duo Patrick Wirbeleit und Stephan Lomp, entführt der Comic seine Leser in eine Galaxie voller Witz und Weisheit, verpackt in einer Geschichte, die mit charmantem Scharfsinn und einer Prise Poesie daherkommt.

Die Protagonistin, Oma Gurke, ist eine liebenswürdige alte Dame, die aus ihrem beschaulichen Dasein in einem Seniorenheim durch einen unbedachten Wunsch in die unermesslichen Weiten des intergalaktischen Handelspostens Alpha Centauri 43B katapultiert wird. Dort findet sie sich unverhofft in der Rolle einer Weltraumpolizistin wieder, um das Universum von Gaunern und Ganoven zu befreien. Diese überraschende Wendung gibt dem Begriff "Seniorenaktivität" eine völlig neue Dimension.

Parallel dazu vollzieht sich die Verwandlung von BotBot, dem einst furchteinflößenden Kampfroboter, der durch ironische Fügung des Schicksals seine schützende Rüstung verliert und sich plötzlich in der befremdlichen Stille einer Seniorenresidenz wiederfindet. BotBot, einst eine Maschine der Macht, muss nun die Fragilität des Alterns erkunden und entdeckt dabei die Feinheiten des Fühlens.

"Oma Gurke" brilliert durch intelligenten Rollentausch und humorvolle Auseinandersetzung mit den Themen Alter und Identität. Lomps Illustrationen sprühen vor Farbigkeit und Dynamik, sie fangen die absurden und zugleich rührenden Momente der Geschichte mit einer Leichtigkeit ein, die die Seele erfreut und den Geist anregt. Wirbeleit webt Dialoge und Narration so geschickt, dass die Seiten zu pulsieren scheinen, als würden die Charaktere direkt vor den Augen der Leser zum Leben erwachen.

Die Nominierung für den ICOM-Preis in der Kategorie "Bester Comic für Kinder oder Jugendliche" zeugt von Anerkennung für ein Werk, das die vielseitigen Aspekte des Mediums Comic vereint, von tiefgründig bis unterhaltsam. "Oma Gurke" ist ein Erlebnis, das Generationen verbindet, zum Nachdenken anregt und beweist, dass das Erleben wahrer Heldentaten keine Altersbeschränkung kennt.

"Oma Gurke" ist das Tor zu einem Universum, das Abenteuer und Humor verspricht. Während es charmant lebenswichtige Werte wie Mut, Selbstakzeptanz und die Kraft des Umdenkens vermittelt, feiert es die Magie aller Lebensphasen als heitere Momente der Erkenntnis, des Verstehens anderer Wesen und der Entdeckungen neuer Horizonte.

Sandra Nußer

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"Zitronengesichter"
von Anika Westermann
(Marta Press)

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und kannst nichts mehr. Du weißt gar nicht, wie das passieren konnte. Irgendwie hast du es bisher doch immer geschafft, und jetzt? Dein Körper, deine Psyche  sie gehorchen dir nicht länger. Als hätte jemand den Stecker gezogen. Für einige unvorstellbar, für andere bittere Realität.

In ihrer autobiografischen Graphic Novel "Zitronengesichter" verarbeitet Anika Westermann ihre Erfahrungen in einer psychosomatischen Klinik. Durch ihre Zeichnungen offenbart sie, wie sie Depressionen erlebte, und gibt tiefe Einblicke in ihre Therapie sowie die Herausforderungen und Erkenntnisse, die sie dabei gewann. Ihre Zeit vor, während und nach dem Klinik-aufenthalt wird lebhaft und ehrlich illustriert. Westermanns Zeichnungen sind dabei mehr als nur Bilder: Sie sind emotionale Landkarten, die den Leser durch die komplexe Landschaft der Depression führen. Die offene Darstellung ihrer eigenen Kämpfe verleiht dem Werk eine starke Resonanz und macht es zu einer wichtigen Stimme in der Diskussion um psychische Gesundheit.

"Zitronengesichter" ist ein künstlerisch bedeutender Beitrag zu einem oft stigmatisierten Thema. Eine Arbeit, die berührt, aufklärt und heilt. Ihre Darstellung der Depression ist humorvoll, aber nie respektlos: ein Spiegel für Betroffene und ein Fenster für Angehörige und Unterstützer, um zu verstehen, wie es sich mit der Krankheit lebt. Anika Westermann möchte Vorurteile abbauen und anderen Mut machen, sich Hilfe zu suchen  gerade das macht ihr Werk so bedeutend.

Adroth Rian

Beschreibung und weitere Abbildungen in unserem Blog



Die Jury

Die vierköpfige Jury besteht aus dem Comic-Autor und -Zeichner Dirk Seliger (u.a. "Luzian Engelhardt", "Gambert"), der Zeichnerin Adroth Rian, Sandra Nußer (Creative Director) und Nikolaus Gatter (Schriftsteller, Übersetzer, Publizist, Germanist, Musikkritiker und Liedermacher).
20 Jahre ICOM Independent Comic Preis
Aus Anlaß des 20jährigen Jubiläums des Independent-Preises druckte der ICOM 2014 dieses Poster mit allen Preisträgern. Ein höherauflösendes PDF findet man, wenn man auf die obige Abbildung klickt.