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 ICOM Independent Comic Preis   Max & Moritz-Preis   Der Deutsche Comicpreis 
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Die Gewinner des ICOM Independent Comic Preises
Bester Independent Comic

"Lescheks Flug"
von Sebastian Stamm
(Rotopolpress)

Frust im Job, fiese Vorgesetzte, körperlicher Zerfall – das alles macht dem Protagonisten Leschek schwer zu schaffen. Was er an Ideen nicht auf der Arbeit umsetzen darf, bastelt er zuhause zusammen, ohne weiteren Nutzen. Nachdem der Kollege, der ihm aufgrund seiner Disziplin immer als Vorbild hingestellt wird, einen tödlichen Zusammenbruch erleidet, scheint der Tiefpunkt in Lescheks Leben erreicht. Allerdings hat besagter Kollege noch eine Überraschung für ihn parat: Er setzte Leschek als Alleinerben ein und vermacht ihm dadurch eine Möglichkeit, seinem alten Leben zu entfliehen.
Das klingt jetzt alles nicht so ungewöhnlich, wenn es nicht eine Besonderheit gäbe: Leschek und seine Kollegen sind Maschinenmenschen in einer unbestimmten Zukunft, und besagte Fluchtmöglichkeit vom Ort Neulins ist ein Raumschiff. Die Suche nach einem menschlichen Piloten bestimmt den weiteren Comic.
Sebastian Stamm hat eine Welt geschaffen, die einem trotz der Andersartigkeit merkwürdig bekannt vorkommt. Dabei bieten die teils verspielten Zeichnungen einen interessanten Kontrast zum Inhalt. Roboter haben die gleichen Ängste und Nöte wie ihre menschlichen Pendants. Die Ödnis und der Frust in den Köpfen spiegeln sich in der dreckigen und düsteren Welt von Neulins wider, selbst das Papier für Seiten und Umschlag wurde hervorragend passend dazu ausgewählt. Mit viel Liebe hat der Künstler jedem Maschinenmenschen eine andere Gestalt gegeben. Die Detailfreudigkeit und lebendigen, stimmungsvollen Settings könnten genauso gut in einem Videospiel funktionieren – was sicherlich daran liegt, dass Sebastian Stamm aus ebendieser Branche stammt. Und obwohl "Lescheks Flug" sein erster Comic ist, merkt man ihm diese Souveränität deutlich an. Die Geschichte selber ist geradlinig erzählt und schafft es trotzdem, dem Leser durch Details im Hintergrund und kleine Gesten der Figuren mehr zu erzählen als andere Comics auf vielen Seiten.

Das rundum stimmige Gesamtkonzept macht "Lescheks Flug" zum besten Independentcomic 2014.

Frauke Pfeiffer
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

Bester Kurzcomic

"Tesserakt"
von Tim Gaedke
(SuKuLTuR)

Ein Tesserakt ist ein vierdimensionaler Hyperwürfel und in der gleichnamigen Geschichte von Tim Gaedke (u. a. "Punchdrunk") spielt er eine wichtige Rolle. "Tesserakt" ist jedoch kein Science-Fiction-Werk, sondern vielmehr eine Geschichte über zwei Brüder und eine große Versuchung, die nicht bodenständiger sein könnte. Sie tritt auf in Gestalt von Tess, der verführerischen Freundin des älteren Bruder, die schnell das verbotene Interesse des jüngeren Bruders weckt. Und der Tesserakt ist Tess‘ fatales Mysterium, ihr Werkzeug, mit dem sie den jüngeren anlockt und das Leben aller Figuren auf den Kopf stellt.

Ein guter Comic muss berühren und nicht nur in diesem Punkt macht Tim Gaedke bei "Tesserakt" alles richtig. Das Drama um den Akt mit Tess, ihren geheimnisvollen Tesserakt und Geschwisterliebe nimmt seinen Lauf und es gelingt Gaedke, auf nur 24 Seiten eine emotional komplexe, einfühlsame und runde Geschichte zu erzählen.

Der Berliner Tim Gaedke arbeitet als freier Comiczeichner, Illustrator und Grafiker. Vor "Tesserakt" machte er sich im Print-Bereich bereits mit dem Comic "Punchdrunk" (erschienen 2012 beim Zwerchfell Verlag) sowie der aktuell zweibändigen "Mondo"-Anthologie (seit 2013) einen Namen. Im Netz findet man unter http://www.doppeltim.de weitere, digitale Arbeiten aus seiner Feder. Ob "Kaffeekrimi", "Pfeile" oder "Fuchs sein fetzt", sie sind alle unterschiedlich und tragen doch eindeutig Tim Gaedkes Handschrift: Sie sind verrückt und bodenständig, mal wie aus dem Leben gegriffen und dann doch wieder surreal und phantastisch – und dabei immer bestechend authentisch. So wie "Tesserakt". Davon möchten wir gerne mehr sehen

Anne Delseit
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

Herausragendes Szenario

"Die Schönheit des Scheiterns"
von Andreas Eikenroth
(Edition 52)

"Nimm dies: Francis Bacon hielt Abstrakte Kunst auch nur für Tapetenmuster!
Der ganze Kunsttheoretische Scheiss nervt mich. Kunst muss berühren, bewegen!
Wenn ich ein Bild ansehe, dann will ich nicht Kunst studiert haben müssen, um es zu verstehen, das muss mich auch so packen können. Allein von seiner Ausstrahlung! Ich will, dass es mich bewegt, dass ich etwas fühle, dass Emotionen geweckt werden! JAWOLL, EMOTIONEN!!!"

Dieser Text steht auf den Seiten 24 und 25 dieser Graphic-Novel, die sich offensichtlich nicht so nennen will. Es ist ein COMIC über die Facetten des stielvollen Scheiterns, in diesem Fall Leute um die 20, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, der Liebe und der Kunst.

Es ist eine wirklich funktionierende Geschichte, bestimmt auch mit einer gehörigen Portion Eigenerfahrung darin, gut durchdacht und zusammengestellt, in der Menschen etwas erleben und nicht nur Wände anstarren. Die handelnden Figuren sind eigenständige, ausgearbeitete Charaktere, die ihren eigenen Weg gehen. Es ist letztlich auch eine Liebesgeschichte, was in Graphic-Novel-Form selten ist. Die Figuren sind frei in ihrem Tun, auch mit dem Risiko zu scheitern und der daraus sich ergebenden Chancen.  Die Figuren in diesem runden Comic haben alle eine Vorgeschichte, die man nur erahnen kann und auch eine Zukunft, die noch nicht geschrieben ist.

Wer sicher nicht gescheitert ist, ist der Autor Andreas Eikenroth (ehem. PonyXPress-Mitglied), mit dieser sehr gelungenen Geschichte aus dem echten Leben, um Sex & Drugs & Rock´N`Roll. 

Gerhard Schlegel
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

Herausragendes Artwork

"Pimo & Rex"
von Thomas Wellmann
(Rotopolpress)

Thomas Wellmann ist dieser Jury bereits mit seinem Erstlingswerk "Der Ziegensauger” aufgefallen, welches 2012 lobend erwähnt wurde. Mit seinem dritten Comic erhält er nun den Preis für das beste Artwork. Der Künstler scheint mit "Pimo & Rex" eine neue Definition von Farbenfreude einführen zu wollen. Der Comic ist quietschbunt und erinnert auf den ersten Blick an die skurrile Welt von Lewis Trondheims "Donjon"-Reihe, überzeugt dann aber schnell durch seine Eigenständigkeit. Die Lust am Zeichnen, an der ungebundenen Kreativität und der visuellen Kraft scheint durch jede Seite lässig durch und nimmt den Leser mit auf eine Abenteuerreise, die einfach Spaß macht. Dabei verliert sich der Comic nicht in einem grafischen Experiment, sondern folgt einem roten Faden mit vielen originellen Ideen entlang des Weges; wie beispielsweise ein Bibliothekar, der nicht vor Gewaltanwendung zurückscheut, um ein überfälliges Buch zurückzuholen. Wellmanns Welt ist deshalb auch so sympathisch, weil die Figuren neben all den Abenteuern auch eine persönliche Seite zeigen dürfen. Und das alles in mitreißenden, herrlich bunten Bildern mit einem doppelseitigen Wimmelbild am Ende, das eine eigene Erwähnung verdient.

2012 habe ich mich in meinem Text gespannt auf die nächsten Veröffentlichungen gezeigt. Danke, dass mein Wunsch derart schön erfüllt wurde!

Frauke Pfeiffer
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

Sonderpreis der Jury für eine bemerkenswerte Comicpublikation

"Pure Fruit 6"

Es gäbe viele gute Gründe "Pure Fruit" einen Preis der ICOM-Jury zu verleihen. Ein möglicher Grund wäre etwa die kontinuierlichen Leistungen der "Pure Fruit"-Macher und -Macherinnen für das Medium Comic selbst. Sowohl mit dem eigenen Magazin als auch mit anderen Aktivitäten wie etwa Zeichenaktionen, Comic-Battles, Ausstellungen usw. Ein anderer Grund für eine Auszeichnung wäre auch die konsequente und erfolgreiche Fortführung der idealistischen Tradition der Gratis-Comichefte, finanziert durch (in diesem Fall auch selbst gezeichneten) Werbungen, wie sie einst fast flächendeckend in Deutschland zu haben waren, mittlerweile aber weitgehend als ausgestorben gelten müssen.

Das alles macht "Pure Fruit" als Ganzes preiswürdig. Wir haben uns aber dazu entschlossen konkret das Heft "Pure Fruit" Nr. 6 auszuzeichnen. Und auch da gäbe es wieder einige Gründe, diese spezielle Publikation zu würdigen. Etwa die Tatsache, dass man dieses Heft kochen kann. Also nicht wörtlich, soll heißen, zerreißen und in einen Topf tun, sondern dass praktisch alle Geschichten ein kochbares, ja, realistischerweise nachkochbares Rezept enthalten. "Pure Fruit" Nr. 6., das konsequenterweise eigentlich "Pure Food Nr. 6" heißt, ist damit zwar nicht die erste Comic-Rezept-Publikation, aber es gibt auch noch nicht so viele, dass man diesen originellen Ansatz nicht ebenfalls mit einem Preis würdigen könnte. Allerdings war das nicht der Grund, weshalb wir "Pure Fruit" Nr. 6 auszeichnen.
Nein, wir wollten dieses Heft vielmehr deswegen auszeichnen, weil es einerseits einfach verdammt geil aussieht - mit seinen gewagten Farbspielereien, welche die Grundfarben Rot, Blau und Gelb meist pur (also "pure") verwenden, mit nur ganz wenig grün und noch seltener anderen Mischfarben dazwischen. Und andererseits, weil es sich hierbei um eine Ansammlung von hervorragenden Comic-Kurzgeschichten handelt, die einerseits die Bandbreite des Mediums insbesondere auch in Richtung künstlerisches Medium zeigen, dabei aber - und das ist die eigentliche Kunst an Kunstcomics - trotzdem lesbar unterhaltsam bleiben.

Kurz, "Pure Fruit Nr. 6" ist eine toll gemachte kleine Comic-Gemme, die einfach Freude macht. Und dafür gibt’s den Preis.

Harald Havas
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation

Sarah Burrini

Also, um vorneweg eines erst mal klarzustellen, für einen Preis für das Lebenswerk ist Sarah Burrini eindeutig noch viel zu jung. Dennoch geht die Auszeichnung der Jury an Sarah ein wenig in diese Richtung. Dazu muss ich aber ein wenig ausholen.
Also. Es gibt viele Leute in der deutschen Comicszene, die hervorragend zeichnen können. Es gibt auch viele Leute in der deutschen Comicszene, wenn auch deutlich weniger, die spannende, interessante und lustige Geschichten erzählen und vor allem gelungene Comic-Strips, eine der Königsdisziplinen des Mediums, produzieren können. Und es gibt auch einige mit Affinität sowie Talent für Technik und Online, die damit zur Verbreitung der Szene, der Comics und der Vernetzung mit den Fans im Zeitalter des Web 2.0 viel beitragen. Und es gibt außerdem noch solche mit organisatorischem und wirtschaftlichem Talent, die dafür sorgen, dass sie selbst oder andere mit dem Comicmachen auch noch Geld verdienen. Manchmal, wenn auch selten, hauptberuflich.

Es gibt allerdings wenige Menschen, die mehrere oder gar alle diese Talente in sich vereinen. Und einer dieser wenigen Menschen ist Sarah Burrini. Mit ihrem Online-Comic-Strip "Das Leben ist kein Ponyhof" schafft sie es nicht nur Woche für Woche ihr Publikum mit fantastischen, originellen, witzigen und hervorragend gezeichneten Erlebnisse zwischen Alltag und Fantasy zu amüsieren, ja zu begeistern, sie zeigt auch vielen anderen Onlinern wie es geht oder gehen könnte. Nämlich: eine verlässliche, gut funktionierende selbst publizierte Plattform im Internet zu etablieren, zu vermarkten und damit sogar Geld zu verdienen. In dieser Hinsicht ist Sarah eindeutig eine Vorreiterin und vor allem ein Vorbild für viele andere. Und nicht zuletzt ist Sarah Burrini nicht nur jemand, die im Netzwerk tätig ist, sondern auch eine Netzwerkerin, die durch viele Aktivitäten – etwa durch den Einsatz von Gastzeichnern - die deutsche Comicszene bereichert.

Für dieses Gesamtkonzept, für dieses Gesamtkunstwerk, kurz für diese Leistungen wollen wir Sarah heute mit dem Sonderpreis der Jury auszeichnen.

Harald Havas
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

Lobende Erwähnungen

"Anders"
von Mario Bühling, Sarah Burrini, Marvin Clifford, Kristina Reigber, Michael Roos, Leander Taubner, TeMeL, Max Vähling
(Edition Kwimbi)

Für viele junge Künstler ist die Findung des eigenen Stils die erste große Pflicht. Die Kür ist es dann für erfahrenere Zeichner, aus den eigenen Konventionen auszubrechen, sich an einer anderen Form von Geschichten, an einem anderen Genre oder Stil zu versuchen. Eine Plattform für genau das ist die Horror-Anthologie "Anders" aus der kwimbi edition. Der Band zeigt Künstler, die überwiegend durch ihre Webcomics bekannt sind,  von einer anderen Seite: 100% offline. Auf jeweils rund zehn bis 20 Seiten haben Mario Bühling ("Katzenfuttergeleespritzer"), Marvin Clifford (u. a. "Schisslaweng"), Kristina Reigber (alias Kaydee, "I give you Dinosaur") , Michael Roos ("Sachen gibt’s…?"), Leander Taubner ("Leanders feine Linie"), TeMeL (u. a. "Ich putz hier nur") und Max Vähling (u. a. "Monsterjägerin Conny van Ehlsing") Kurzcomics geschaffen, die nicht für das Web, sondern für ein gedrucktes Werk entstanden sind. Und nicht nur das ist anders, als man es von ihnen gewohnt ist, sondern auch die Stile und Inhalte, die sie zeigen. Eingebettet in eine Rahmenhandlung von Kristina Reigber, die mit "Geschichten aus der Gruft"-Stimmung punktet, beweisen die Künstler anschaulich, dass man auf wenigen Seiten pointierte, fantasievolle Horrorgeschichten erzählen kann.

Insgesamt besticht "Anders" durch ein durchdachtes Gesamtkonzept, das uns Künstler von einer anderen Seite zeigt, durch genregerechte Storys und ein handwerklich hohes Niveau. Gekrönt wird der Band von einem schlichten wie wirkungsvollen Cover von Sarah Burrini (u. a. "Das Leben ist kein Ponyhof"). Schauerlich schön! Wir sind gespannt auf die Folgeausgabe von "Anders".Anne Delseit
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Hinter den Sieben Burgen"
von Alexander von Knorre
(Jaja Verlag)

Alexander von Knorre machte vor einigen Jahren einen Freiwilligendienst in einem rumänischen Kinderheim. Von dieser Zeit erzählt er in "Hinter den sieben Burgen" (stellvertretend für die rumänische Region Siebenbürgen) in einzelnen kurzen Kapiteln. Es sind keine großen revolutionären Geschichten, sondern solche, die einem das Leben dort erstaunlich nahe bringen. Neben den sympathischen Anekdoten verklärt er dabei nichts, sondern leistet sich deutliche Kritik gegenüber den dortigen Bedingungen. Gleichzeitig legt er eine angenehme Lässigkeit an den Tag, die durch seinen fast skizzenhaften Strich hervorragend untermauert ist. Durch die Erklärung am Ende, was aus den dargestellten Personen geworden ist, lässt er zudem die Figuren nicht zu reinen Statisten verkommen, was die Erzählung wunderbar abrundet.
Seine Fähigkeit, sachliche Beobachtungsgabe mit einem herrlich leichten Humor zu kombinieren, verdient auf jeden Fall eine lobende Erwähnung.

Frauke Pfeiffer
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Cocobug"
von Eric Schneider
(Jaja Verlag)

In diesem 100-seitigem Comic ohne Worte, leben fremdartige Wesen, die Cocobugs, auf einem kleinen Planeten, in einer grauen und bizarren Dimension, von welcher ein krankes Mädchen in unserer Welt träumt. Ein Skelett mit zwei Köpfen gelangt durch eine Art Wurmloch in den Infusionsbeutel des Mädchens im Krankenhaus. Es verwandelt sich und fusioniert mit dem Mädchen zu einem neuen bunten Cocobug, in einer neuen, warmen  Dimension.
 
Eine ruhige, phantastisch-poetische Geschichte, wunderschön gezeichnet, aus der jeder Leser selbst eine Bedeutung über das Sein oder nicht Sein und das Leben und Vergehen ziehen kann, wenn er denn will. Der Band ist wie alles beim Jaja-Verlag sehr sehr liebevoll aufgemacht und verarbeitet.

Gerhard Schlegel
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Heimdall"
von Max Baitinger
(Rotopolpress)

Heimdall von Max Baitinger ist ein außergewöhnlicher Comic. Dabei ist es gar nicht so einfach den Finger drauf zu legen, was diesen Band denn nun so außergewöhnlich macht. Die in dicken schwarzen Strichen gehaltenen Zeichnungen, die oft sehr geometrische Anordnung von Bildern und Elementen, die minimalistische Textgestaltung... all das lassen den Comic im ersten Moment am ehesten wie ein experimentelles Kunstprodukt wirken. Aber wenn man sich auf die Geschichte einlässt, wird man recht rasch von den archaischen Qualitäten der nordischen Mythologie eingefangen. Und obwohl Baitinger damit spielt und manchmal auch durchaus ironisch bearbeitet, durchweht den Band doch viel von der göttlichen Mystik der dargestellten Mythologie. Wozu unter anderem auch die vielen eingearbeiteten archäologischen Elemente und Symbole beitragen.

Darüber hinaus und abseits all dieser formalen Spielereien ist der Band aber eben mehr als ein Graphic-Novel-Experiment. Nämlich eine durchaus unterhaltsame lesenswerte Geschichte mit philosophischen Tiefgang.

Harald Havas
"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Liebe schaut weg" von Line Hoven

"Lebensfenster 2014"
Kurt-Schalker
-Preis für graphisches Blogen

geht in diesem Jahr an

Pete's Daily von Dominik Wendland

Hier das "Kurt-Schalker-Komitee", das den Preis gestiftet hat und über die Gewinner entscheidet.

"Liebe schaut weg" von Line Hoven
Die Jury

Anne M. Delseit (Köln)
Harald Havas (Wien)
Frauke Pfeiffer (Weinheim)
Gerhard Schlegel (München)
"Liebe schaut weg" von Line Hoven
Aus Anlaß des 20jährigen Jubiläums des Independent-Preises druckte der ICOM dieses Poster mit allen Preisträgern. Ein höherauflösendes PDF findet man, wenn man auf die obige Abbildung klickt.